Die Wirtschaftsjunioren sind nach eigenen Angaben das größte Netzwerk der jungen Wirtschaft in Deutschland. Es ist ein Zusammenschluss von 10.000 Unternehmern und Führungskräften unter 40 Jahren, die zusammen 385 Milliarden Euro Umsatz machen, über 100.000 Ausbildungsplätze sowie 2,2 Millionen Arbeitsplätze verantworten. Zum Netzwerk gehören über 200 Mitgliedskreise in Deutschland.
Zukunftsbarometer der Wirtschaftsjunioren: Stimmung auf historischem Tiefpunkt
Nie war die Stimmung so schlecht: Drei Viertel der Gründer und Unternehmer unter 40 Jahren blicken pessimistisch in die Zukunft. Und sie stellen der neuen Bundesregierung ein verheerendes Zeugnis aus.
Die Stimmung in der jungen Wirtschaft befindet sich auf einem historischen Tiefstand. 77,3 Prozent der jungen Unternehmer im Land blicken pessimistisch auf die kommenden zwei Jahre – so negativ wie nie seit Beginn der Erhebung. Gerade 16,8 Prozent zeigen sich optimistisch. Das aktuelle Zukunftsbarometer der Wirtschaftsjunioren Deutschland (WJD) zeigt deutlich: Die junge Generation der Unternehmer verliert zunehmend das Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland.
Wirtschaftsjunioren fordern verlässliche Steuerpolitik statt neuer Sonderregelungen
Mehr als die Hälfte der Befragten (52,1 Prozent) sehe demnach die Bürokratie als größte Wachstumsbremse – ein erneuter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Fast ebenso viele nennen steigende Lohnkosten als Belastung, während nur noch 8,1 Prozent an einen tatsächlichen Bürokratieabbau glauben, teilen die Wirtschaftsjunioren mit. „Unsere Mitglieder übernehmen motiviert Verantwortung. Doch wir stoßen auf zu viele Hürden. Wir brauchen endlich einfache, digitale Verfahren, die Planungssicherheit schaffen“, sagt WJD-Bundesvorsitzende Constance Kaysser.
Auch bei den steuerlichen Rahmenbedingungen macht sich große Unzufriedenheit breit: „Wir brauchen eine Steuerpolitik, die klar und verlässlich ist, statt immer neue Sonderregeln zu produzieren. Wenn die Politik nicht handelt, gefährdet sie die Zukunft unseres Mittelstands.“ Über 40 Prozent der Mitglieder sind bereits Nachfolger, weitere 56 Prozent können sich vorstellen, in ein bestehendes Unternehmen einzusteigen. 31,2 Prozent haben ihren Betrieb durch Erbschaft oder Familiennachfolge übernommen.
„Nachfolge sichern heißt Zukunft sichern. Es geht nicht nur um Betriebe, sondern um Millionen Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und die Stabilität ganzer Regionen“, sagt Heiko Kösling, stellvertretender Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren. Viele junge Unternehmer sehen die Politik in der Pflicht, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. „Von der Bundesregierung erwarten wir jetzt mutige Schritte: Fachkräfte gewinnen und halten, Beratung regional sichtbar machen und die europäische Integration vorantreiben“, so Kösling weiter.
Neue Bundesregierung erhält ein verheerendes Zeugnis der jungen Wirtschaft
Zudem brauche es mehr unternehmerische Freiheit: „Wir brauchen mehr unternehmerische Mobilität – Gründer und Nachfolger müssen die gleichen Chancen haben, unabhängig vom Weg ins Unternehmertum. Nur so können die nächsten Generationen von Unternehmer nicht nur Verantwortung übernehmen, sondern auch Zukunft erfolgreich gestalten.“

Die neue Bundesregierung erhält von der jungen Wirtschaft ein verheerendes Zeugnis. 79,6 Prozent der Befragten sehen keine Verbesserung bei der Verfügbarkeit von Fachkräften, 77,2 Prozent bleiben demnach skeptisch bei der Energieversorgung. In keinem Politikfeld erreicht die Koalition eine überzeugende Bewertung.
Trotz der schwierigen Lage bewerten 73,5 Prozent der Befragten den technologischen Wandel positiv und sehen sich selbst als Treiber von Innovation und Fortschritt. Dieser Optimismus zeige, dass die junge Wirtschaft trotz der wachsenden Hürden weiter an Zukunftsthemen arbeitet – und bereit ist, Veränderungen aktiv mitzugestalten, heißt es.
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