Hunderte Erdbeben bei Santorini – Reisewarnung für griechische Insel
Seit einigen Tagen bebt die Erde nahe der beliebten griechischen Urlaubsinsel Santorini. Droht sogar ein Vulkanausbruch? Das Auswärtige Amt hat jetzt eine Reisewarnung ausgesprochen.
Mehr als 200 Beben binnen 48 Stunden haben die griechische Insel Santorini und die umliegenden Eilande erschüttert. Die Erdbebenserie begann bereits am 24. Januar. Die Experten können keine Entwarnung geben, zumal die Erdstöße in der Stärke tendenziell ansteigen.
Erdbeben rund um Santorini: Wie ist die Lage?
Seit 24. Januar wurden mehrere hundert Erdbeben nordöstlich von Santorini, aber auch im Norden der Hauptinsel registriert. Ihre Stärke erreichte bereits 4,8. Bislang sind zwar noch keine größeren Schäden aufgetreten, aber die Unruhe ist groß.
Was ist die Ursache für die Erdbeben bei Santorini?
Die meisten Beben treten am Nordhang des untermeerischen Vulkans Kolumbos auf, dessen Gipfel etwa sieben Kilometer nordöstlich der Hauptinsel Thira nur 15 Meter unter der Wasseroberfläche liegt. Ob die Beben durch aufsteigendes Magma oder Bewegungen der Erdplatten verursacht werden, können Geowissenschaftler noch nicht sagen. Allerdings deuten die sich häufenden Beben darauf hin, dass sich im Untergrund mindestens Gase, wenn nicht sogar Magmen in Bewegung gesetzt haben.
Droht nach den Erdbeben ein Vulkanausbruch auf Santorini?
Stand jetzt offensichtlich nicht. Die Beben finden nicht unter der Insel selbst statt, der Zentralvulkan auf der Insel Nea Kameni ist nicht betroffen.
Wie reagieren die griechischen Behörden?
Die Schulen sind an diesem Montag geschlossen worden, alle Veranstaltungen in größeren Sälen wurden untersagt. Hintergrund ist, dass durch noch stärkere Beben auch Gebäudeschäden befürchtet werden. Einheiten des Katastrophenschutzes wurden vorsorglich nach Santorini geschickt, auch das Militär bereitet sich auf einen möglichen Hilfseinsatz vor, berichtete der Nachrichtensender ERTnews. Wegen der Gefahr von Tsunamis bei einem schweren Beben soll man sich nicht in Hafen- und Küstennähe aufhalten. Außerdem sollen Pool-Besitzer ihre Wasserbecken leeren - das Poolwasser könnte bei einem schweren Beben derart in Bewegung geraten, dass noch mehr Schäden verursacht würden.
Wie reagieren die deutschen Behörden?
Das Auswärtige Amt hat am Montag eine Reisewarnung herausgegeben. „Die Reise- und Sicherheitshinweise für Griechenland wurden heute angesichts der Erdbeben auf der Insel Santorini angepasst“, teilt eine Sprecherin mit. „Wir rufen dort unter anderem dazu auf, Küstenabschnitte, an denen Erdrutschgefahr besteht, zu meiden und den Anweisungen der örtlichen Behörden Folge zu leisten. Unsere Botschaft in Athen steht Deutschen, die Rat und Hilfe benötigen, zur Verfügung.“ Generell empfehel das Amt, vor jeder Reise die Reise- und Sicherheitshinweise des Reiselandes durchzulesen und sich das Reiseland auf der App „Sicher Reisen“ zu hinterlegen.
Wie reagieren die Bewohner von Santorini?
„Heute wurden von einer lokalen Airline vor Ort Sonderflüge eingerichtet für alle Personen, die die Insel verlassen möchten“, berichtet die Sprecherin des Auswärtigen Amts. Viele Einwohner haben die Insel bereits verlassen. Die Nacht auf Montag haben Santoriner im Freien oder in ihren Autos verbracht, berichtete die Zeitung „To Proto Thema“. Die Fähren in Richtung Piräus und Athen seien voll und Flüge zum Teil bereits ausgebucht.
Wie beliebt ist die Insel Santorini bei Urlaubern?
Nach jüngsten Daten besuchten 2023 etwa 3,4 Millionen Touristen die Insel. Die nahezu kreisförmige Bucht ist beliebtes Ziel bei Kreuzfahrtschiffen, in der Hochsaison kommen so im Schnitt 17.000 Tagestouristen auf die Insel. In diesem Jahr soll eine Obergrenze für Tagestouristen und für die Anzahl einfahrender Schiffe eingeführt werden, um eine Überfüllung zu vermeiden.
Sind bereits deutsche Touristen auf Santorini vor Ort?
„Für die deutschen Reiseveranstalter ist Santorini eine Sommerdestination und deshalb befinden sich zur Zeit keine Touristen im Rahmen einer Pauschalreise vor Ort“, berichtet Aage Dünhaupt, Sprecher des Reiseveranstalters Tui. Griechenland ist erst ab Ostern ein Reiseziel für Pauschalurlauber, ergänzt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV). „Bis dahin ist es dort noch zu kalt.“ Es könnten allenfalls Einzelreisende auf eigene Faust vor Ort sein, dies ist dem DRV aber nicht bekannt.
Welche Rechte haben Urlauber?
Bei einer unmittelbaren Gefahrensituation ist der Reiseveranstalter verpflichtet, Abhilfe zu schaffen, erläutert Schäfer. Das umfasse die Organisation von Rückreisen ebenso wie kurzfristige Absagen vor der Abreise. „Für solche Ansprüche muss aber vor Ort Gefahr für Leib und Leben bestehen“, erklärt Schäfer. Außerdem gelte der Anspruch nur für Pauschalreisende – wer sich selbst Flug und Übernachtung organisiert hat, muss sich auch die Rückreise selbst organisieren.
Können besorgte Urlauber ihre Reise für den Sommer jetzt schon stornieren?
Wer jetzt schon sicherheitshalber die gebuchte Sommerreise nach Santorini stornieren möchte, könne dies natürlich tun, allerdings fielen dann die üblichen Stornokosten an gemäß den allgemeinen Stornierungsbedingungen. Derzeit gebe es aber auch noch keine derartigen Anfragen beim DRV; dazu seien die Ereignisse noch zu neu und die Reisetermine liegen noch weit in der Zukunft.
Gibt es allgemein Alternativen zu starren Buchungen?
Im Zuge der Corona-Pandemie haben Reiseveranstalter Flextarife eingeführt: Urlauber können seitdem je nach Veranstalter bis zu zehn oder 14 Tage vor der Abreise kostenfrei umbuchen.
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