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Statistik

Entwicklung im Handwerk bereitet Sorge

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Die aktuelle Betriebsstatistik von Handwerk BW zeigt, dass es vor allem im zulassungsfreien Handwerk Neugründungen gibt. In Berufen mit Meisterpflicht ist die Entwicklung seit Jahren rückläufig.

Die Zahl der Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg ist 2025 leicht auf 144.563 gestiegen.
Die Zahl der Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg ist 2025 leicht auf 144.563 gestiegen.  Foto: Robert Michael

Die Zahl der Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Wie der Spitzenverband Handwerk BW mitteilt, wuchs der Gesamtbestand um 933 Betriebe (plus 0,6 Prozent) auf 144.563 Handwerksbetriebe. Die Freude über diesen leichten Zuwachs hält sich bei den Handwerksfunktionären jedoch in Grenzen. „Das leichte Plus im Gesamtbestand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir im Kernbereich unseres Handwerks weiter Betriebe verlieren“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW. 

Rückgang im zulassungspflichtigen Handwerk setzt sich fort

Damit meint Reichhold die Zunahme im zulassungsfreien Handwerk, während das zulassungspflichtige Handwerk mit Meisterpflicht weiter rückläufig ist. „Gerade im zulassungspflichtigen Handwerk gibt es die meisten Arbeits- und Ausbildungsplätze. Wenn hier die Abgänge steigen, trifft das einen wichtigen Teil der Substanz unseres Wirtschaftsstandortes“, betont Reichhold.

Konkret sank die Zahl der Betriebe im zulassungspflichtigen Handwerk im vergangenen Jahr um 1426 (minus 1,6 Prozent) auf 89.192 Betriebe. Seit 2020 nimmt der Bestand kontinuierlich ab. Besonders stark betroffen sind Teile des Bau-, Ausbau- und Metallhandwerks, etwa Maurer, Betonbauer, Metallbauer und Tischler. Zuwächse gab es dagegen bei den Elektrotechnikern und den Kälteanlagenbauern.

Es gibt mehr Gebäudereiniger, Kosmetiker und Fotografen

Die größten Zuwächse gab es 2025 in den zulassungsfreien Handwerksberufen. Hier wuchs die Zahl um sechs Prozent auf 39.552 Betriebe. Zulegen konnten vor allem die Gebäudereiniger, Kosmetiker und Fotografen, also Berufe, die häufig als Soloselbstständigkeit oder im Nebenerwerb ausgeübt werden. 

Im handwerksähnlichen Gewerbe gab es einen leichten Zuwachs um 123 auf 15.804 Betriebe. Hier legten vor allem die Bodenleger, Asphaltierer und Betonbohrer und -schneider zu. 

Handwerks-Präsident Reichhold fordert klare Maßnahmen von der Politik

Handwerk-BW-Präsident Reichhold sieht die Entwicklung der vergangenen Jahre mit Sorge. „Wir sehen eine strukturelle Verschiebung hin zu kleinteiligen Betriebsformen, während im Investitions- und ausbildungsintensiven Handwerk die Zahl der Betriebe sinkt“, sagt er. Die aktuelle Statistik zeige sehr klar, dass die Wirtschaftswende noch nicht geschafft sei. „Es ist höchste Zeit für eine neue Zündung“, so Reichhold. „Wenn wir es bei Wohnungsbau, Infrastruktur und Klimaschutz nicht endgültig verbocken wollen, brauchen wir ausreichend Handwerksbetriebe, die das stemmen“, betont er. Diese wiederum bräuchten eine mittelstandsfreundliche Politik, weniger Bürokratie, gezielte Unterstützung für Gründung und Nachfolge und damit Zuversicht fürs Unternehmertum.

Unter den acht Handwerkskammern in Baden-Württemberg liegt die Region Stuttgart mit 33.256 Betrieben klar auf Platz eins im Ranking. Es folgen Karlsruhe mit 20.858 Betrieben und Ulm mit 20.870 Betrieben. Heilbronn-Franken hat mit 12.569 Handwerksunternehmen die wenigsten Betriebe im Land. 

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