EnBW heizt in Öhringen mit reinem Wasserstoff – deutschlandweites Vorbild
In Öhringen testet der Energiekonzern seit einigen Wochen, wie die komplette Umstellung von Erdgas auf Elektrolyse funktioniert

Drei weiße Container und ein paar dünne Röhren, die davor aus dem Boden ragen – das ist alles, was von der Pilotanlage von außen zu sehen ist. Dabei läuft hier ein Versuch, der deutschlandweit Vorbild sein soll: Die EnBW hat bei ihrem Regionalzentrum Neckar-Franken in Öhringen einen Elektrolyseur installiert, der Wasserstoff erzeugt, um damit das Gebäude zu beheizen und mit Warmwasser zu versorgen.
Knapp fünf Wochen nach Beginn des Versuchs zieht Martin Konermann nun eine zufriedenstellende Bilanz: „Wir haben gezeigt, was technisch geht.“ Alle Rohre und Anschlüsse seien dicht – noch vor wenigen Jahren wurde befürchtet, dass die winzigen Wasserstoff-Moleküle einfach durch die Rohre entweichen können. Täglich haben anfangs Gutachter gemessen, im Elektrolyseur und an den Heizungsanlagen. Inzwischen wurden die Messungen auf Montag, Mittwoch und Freitag reduziert – weil einfach so gut wie kein Wasserstoff austritt. Oder wie es Sebastian Klein, einer der Projektleiter, formuliert: „Der höchste Wasserstoffausstoß bei den Messungen stammt von der Messperson selbst, nämlich wenn sie ausatmet.“
EnBW heizt in Öhringen mit reinem Wasserstoff: Damit Strom nicht verschenkt werden muss
Bei Netze-BW, jener EnBW-Tochter, die für die Strom- und Gasnetze zuständig ist, gab es gleich mehrere Anstöße, sich des Themas anzunehmen. „Wir haben immer wieder Überproduktion aus Photovoltaikanlagen, und diesen Strom müssen wir zurzeit entweder ins Ausland verschenken oder die Anlagen abschalten“, erklärt Konermann. Gerade erst am Sonntag sei dies wieder der Fall gewesen, berichtet er. „Außerdem sind wir zutiefst davon überzeugt, dass man den deutschen Bedarf nach der Energiewende nicht alleine aus Strom abdecken kann.“ Dafür brauche es alleine acht mal so viele Windräder wie heute – „da bekommen wir ganz schnell ein Akzeptanzproblem“, warnt der Geschäftsführer. Auch künftig werde daher das bestehende Gasnetz benötigt, nur dass dann eines Tages Wasserstoff statt Erdgas durch die Leitungen strömt, meint er. Was dabei zu beachten ist und wie die Heizungen umgebaut werden müssen, das wird nun im Regionalzentrum getestet.
Die Brennersysteme gibt es bereits
„Alle Heizungshersteller haben schon entsprechende Anlagen“, erzählt Konermann. Teilweise sind in dem Gebäude Systeme installiert, die erst im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Kontrollen durch Gutachter, Tüv, Schornsteinfeger und Forscher hätten keine Bedenken ergeben. „Wir müssen zeigen, dass wir Wasserstoff beherrschen können“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir sind nun sicher, dass wir das Gas einsperren können.“
Fest stehe mittlerweile, dass die bereits verlegten Gasleitungen auch mit Wasserstoff dicht sind. „Wir haben also die Infrastruktur bereitstehen, wenn hochgefahren werden soll“, sagt Sebastian Klein. „Wir bereiten uns nun vor und sammeln Erfahrungen.“ Von Vorteil sei, dass in dem EnBW-Gebäude alle gängigen Gerätetypen eingebaut sind, große Heizungen wie für Gewerbekunden ebenso wie kleinere für Privatwohnungen. Seit 28. Januar laufen sie mit reinem Wasserstoff, der im Elektrolyseur am Rande des Geländes erzeugt wird. Viel entmineralisiertes Wasser ist dazu gar nicht mal nötig: Um einen Kubikmeter Wasserstoff zu erhalten, braucht es einen Liter Wasser. In einer Stunde werden in dem weißen Container 30 Kubikmeter des Heizgases erzeugt.
„Wir wollen eines Tages auch Privatkunden ein Angebot machen können.“
Das ist sogar ziemlich wenig. „Es ist nur eine Versuchsanlage“, räumt Konermann ein. Gängige Groß-Elektrolyseure erzeugten mindestens das Dreißigfache. Sie seien auch, im Gegensatz zur Pilotanlage, in der Lage, kurzfristig hochzufahren und Energie, also Wasserstoff, zu liefern – der Öhringer Container ist eher für die Grundlast gedacht; der Wasserstoff wird zunächst in ein unterirdisches Speichersystem gepumpt und von dort aus abgerufen.
Enden wird das Projekt bereits im April, mit dem Ende der Heizperiode. „Wir könnten es zwar verlängern, aber der Erkenntnisgewinn würde nicht größer“, sagt Projektleiter Klein. Und Konermann ergänzt: „Wir hoffen vor allem auf Nachahmer – und dass wir zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Wenn das Wasserstoff-Kernnetz gebaut wird, wollen wir auch für Privatkunden ein Angebot machen.“
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