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EnBW legt Bilanz vor: Energiekonzern setzt weiter auf erneuerbare Energien

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Während die Bundesregierung ihr Klimaschutzprogramm vorstellt, legt der Vorstand der EnBW die Konzernbilanz vor. Und da ist der Ausbau erneuerbarer Energien beschlossene Sache – auch wenn manch ein Effekt die Zahlen beeinträchtigt.


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Wohl zu gerne hätten Georg Stamatelopoulos und Thomas Kusterer die Live-Übertragung der Regierungs-Pressekonferenz verfolgt. Konnten sie aber nicht: Der Konzernchef des Energieriesen EnBW und der Finanzvorstand hatten exakt gleichzeitig selbst eine Pressekonferenz zu bestreiten.

Auch darin ging es um die Energiewende, allerdings nicht jene einer ganzen Nation, sondern nur eines Konzerns. Und da sind die Fortschritte groß: 66 Prozent der Energieanlagen der EnBW sind inzwischen erneuerbare Quellen, von Wasserkraftwerken über Windkraft an Land und auf See bis zu Photovoltaik. Die Atommeiler sind längst abgeschaltet, die Kohleverstromung geht ihrem planmäßigen Ende entgegen, stattdessen entstehen neue, wasserstofffähige Gaskraftwerke – auch in Heilbronn, wo nach wie vor die Fertigstellung für Ende nächsten Jahres geplant ist, wie Stamatelopoulos bekräftigte.

EnBW: Das Wetter hatte gewissen Einfluss auf die Stromerzeugung

Ganz so planbar wie bei einem Atom- oder Kohlekraftwerk ist die Stromproduktion aber nicht mehr. Vor allem im ersten Halbjahr litt sie unter dem Wetter: Auf See wehte so wenig Wind wie lange nicht mehr, der Wasserstand in den Flüssen war niedrig, berichtete Kusterer. Das sei durch höhere Erträge der Solarparks nicht mehr ausgeglichen worden. Investiert wird aber weiterhin: Im Sommer soll der bislang größte Windpark des Unternehmens, He Dreiht in der Nordsee, vollständig am Netz sein. Das nächste Offshore-Projekt namens Dreekant, in ähnlicher Größe wie He Dreiht, zeichnet sich bereits ab.

Dass andererseits zwei große Projekte in der Irischen See abgeblasen wurden und der Konzernbilanz dank Abschreibungen von 1,2 Milliarden Euro sogar rote Zahlen einbrockten, bezeichnete Stamatelopoulos als „notwendig und richtig, wenn auch schmerzhaft“. 2021, als die Planungen begannen, sei die Welt eben eine andere gewesen, was Kosten und politische Lage angeht.

Georg Stamatelopoulos (rechts), Vorstandsvorsitzender der EnBW AG, und Finanzvorstand Thomas Kusterer berichteten über die Lage von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger.
Georg Stamatelopoulos (rechts), Vorstandsvorsitzender der EnBW AG, und Finanzvorstand Thomas Kusterer berichteten über die Lage von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger.  Foto: Marijan Murat

Wird das Gas wegen des Irankriegs teurer? EnBW-Vorstände noch relativ entspannt

Die aktuelle Lage am Persischen Golf sahen die Vorstände noch relativ entspannt. Der Gaspreis sei nicht so massiv in die Höhe geschnellt wie zu Beginn des Ukraine-Kriegs, betonte der Vorstandschef – statt einer Verzehnfachung wie damals gebe es bislang nur eine Verdoppelung. „Damals suchten wir nach alternativen Quellen, diese Sorge haben wir diesmal nicht. Wir beziehen aus jener Region kein Gas“, sagte er. „Aber wenn auch nur in Asien Gas fehlt, wird es weltweit teurer.“ Für die eigenen Gasversorger, darunter auch die Gasversorgung Unterland, erklärte er dennoch: „Wir sehen keine Notwendigkeit einer Preisanpassung.“ Aus heutiger Sicht bestehe auch kein Anlass, zusätzliche Markteingriffe wie Preisbremsen zu riskieren. „Man sollte die Kirche im Dorf lassen“, mahnte Stamatelopoulos.

EnBW-Konzernchef: „Es mangelt nicht an Ladesäulen, sondern an E-Autos“

Satte 7,6 Milliarden Euro hat die EnBW im abgelaufenen Jahr investiert. 4,5 Milliarden entfielen davon auf Netze, vor allem auf die Stromautobahnen Suedlink und Ultranet. 2,4 Milliarden wurden für Energieerzeugung ausgegeben, davon 1,6 Milliarden Euro für Windkraft und Photovoltaik. Der Großteil der verbleibenden Summe entfiel auf Elektromobilität. Die EnBW ist hier Marktführer bei Ladesäulen mit 8000 Schnellladepunkten bundesweit. Und doch ließ Stamatelopoulos auch eine gewisse Skepsis anklingen: Die Auslastung aller deutschen Ladesäulen liege im Schnitt bei nur 15 Prozent. „Wir installieren also Infrastruktur, die zu 85 Prozent ungenutzt bleibt. Es mangelt nicht an Ladesäulen, sondern an E-Autos“, sagte er, während quasi gleichzeitig Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder noch mehr Ladesäulen ankündigte.

So plant die EnBW für das laufende Jahr

Insgesamt blieben die Bilanzzahlen 2025 weitgehend stabil: Der Umsatz sank minimal von 34,52 auf 34,49 Milliarden Euro, das operative Ergebnis von 2,84 auf 2,25 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand wegen der Abschreibung der britischen Projekte ein Verlust von 206 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,24 Milliarden Euro vor einem Jahr. Die Zahl der Mitarbeiter stieg erneut um 1150 auf auf 31.541. 

Für das laufende Jahr geht der Vorstand von ähnlichen operativen Ergebnissen vor Abschreibungen wie in diesem Jahr aus. Die Erträge aus Kohlekraftwerken würden dabei zurückgehen, während der Beitrag der Ladesäulen dank mehr Elektroautos zunehmen solle. Und das, obwohl die Vorstände von Schnieders Plänen noch gar nichts wussten.

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