Eine Firma mit gefühlten 400 000 Mitarbeitern

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Stuttgart - Klaus Josef Lutz erinnert sich noch gut, wie er reagierte, als ein Headhunter ihn fragte, ob er Chef der Baywa werden wolle. „Spinn ich?“, habe er als erstes zu sich gesagt. Lutz kannte das Hochhaus an der Münchner Arabellastraße seit seiner Kindheit.

„Anfangs dachte ich, wo bin ich denn hier gelandet? Da blickt doch keiner durch.“
          Klaus Josef Lutz, Baywa-Chef
„Anfangs dachte ich, wo bin ich denn hier gelandet? Da blickt doch keiner durch.“ Klaus Josef Lutz, Baywa-Chef

Stuttgart - Klaus Josef Lutz erinnert sich noch gut, wie er reagierte, als ein Headhunter ihn fragte, ob er Chef der Baywa werden wolle. „Spinn ich?“, habe er als erstes zu sich gesagt. Lutz kannte das Hochhaus an der Münchner Arabellastraße seit seiner Kindheit. Wenige hundert Meter von dort entfernt sei er aufgewachsen, erzählt er vor dem Wirtschaftspresseclub in Stuttgart. Der zweite Gedanke lautete: „Was will ich mit so einem verstaubten Laden?“ Doch er schaute sich den „Laden“ genauer an - unter anderem, weil er mit seiner Frau nicht zum elften Mal umziehen wollte.

Wie spannend die Aufgabe sein würde, das konnte sich der inzwischen 50-Jährige anfangs kaum vorstellen. Der gelernte Jurist war zuvor Geschäftsführer bei Digital Kienzle gewesen, dann bei Burda, später Geschäftsführer beim Süddeutschen Verlag, der die „Süddeutsche Zeitung“ herausgibt, wo er sich einen Namen als Sanierer machte.

Nun beschäftigt er sich also seit einem Jahr mit Getreidehandel, Genossenschaften, Landwirten und volatilen Rohstoffpreisen. Das Unternehmen, das er führt, ist nicht einfach zu greifen: Zweitgrößter Baustoffhändler Deutschlands, größter gewerblicher Immobilienbesitzer in Süddeutschland, größter Gesellschafter der Tankstellenkette Avia, Betreiber von 26 Autohäusern und 70 Garten- und Baumärkten - 500 weitere werden über Franchise-Partnerschaften geführt. „Anfangs dachte ich, wo bin ich denn hier gelandet? Da blickt doch keiner durch.“

Heute erzählt er Anekdote um Anekdote, wie sich die Arbeit in diesem so ganz anderen Unternehmen mit seinen 164 Beteiligungen anfühlt. 77 000 Mitarbeiter hat die Baywa AG - „gefühlt sind es 400 000“. Und er kann von den ersten Erfolgen berichten. Etwa im Bereich nicht verwirklichte Firmenübernahmen. „Wir waren im vergangenen Jahr an mehreren Akquisitionen dran“, erzählt Lutz. Doch in keinem Fall sei er bereit gewesen, den geforderten Preis zu bezahlen - wofür er oft gescholten worden sei von den Analysten. Als er vor kurzem dann bei einer Konferenz gesagt habe, dass jede dieser fehlgeschlagenen Übernahmen als Erfolg zu werten sei, hätten die gleichen Analysten Beifall geklopft.

Grüne Energie In die Zukunft schauen kann aber auch Klaus Josef Lutz nicht. Ölpreise, Getreidepreise - wer von diesen Rohstoffen abhängig ist, könne kaum abschätzen, wie sich das Geschäft in den nächsten zwei Monaten entwickeln wird. Langfristig sieht Lutz deshalb große Chancen im Bereich „grüne Energie“. Hier stünden mehrere Zukäufe von Biogas-, Solar- und Windkraftfirmen an. Lutz: „Das gibt eine feine, schnuckelige Baywa Green Energy Company.“

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