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Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken
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Eindringlicher Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

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Das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken stellt Forderungen zur Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität und Weiterentwicklung der Region auf. Die Sicherung von Fachkräften sei keine Aufgabe für die Zukunft. Sie beginne genau hier und jetzt.  

Das Handwerk braucht gut ausgebildete Fachkräfte, um die Herausforderungen in den Bereichen Digitalisierung, Klimawandel und Infrastruktur zu bewältigen.
Das Handwerk braucht gut ausgebildete Fachkräfte, um die Herausforderungen in den Bereichen Digitalisierung, Klimawandel und Infrastruktur zu bewältigen.  Foto: Bernd Weißbrod

Der Zeitpunkt war wohl gewählt. Während im Bundestag die Abstimmung über das Finanzpaket lief und sich in Berlin eine neue Regierung anbahnt, nutzte das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken die Gelegenheit, auf eines der drängendsten wirtschaftlichen Probleme dieser Zeit hinzuweisen: den Fachkräftemangel. „Die Sicherung von Fachkräften ist keine reine Zukunftsaufgabe“, sagte Elke Döring. „Sie beginnt heute, hier und jetzt“, machte die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken deutlich.

In den Räumen der Südwestmetall hatten sich die Partner des seit 2012 bestehenden Bündnisses versammelt, um einen eindringlichen Appell loszuwerden. Der richtete sich nicht nur an die Politik allein, sondern an die Wirtschaft und die Gesellschaft gleichermaßen. „Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, sagte Döring. Die Politik müsse jetzt die Rahmenbedingungen setzen, da die Sicherung von Fachkräften mit über die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Region entscheide.

Dem Handwerk in der Region fehlen 3000 Fachkräfte

Von der Wirtschaft und den Unternehmen forderte das Bündnis: „Weiter ausbilden, weiterbilden und sich aktiv in die Qualifizierungsthemen einzubringen“, formulierte Elke Döring. An die Gesellschaft und die Menschen gewandt sagte sie: „Begreift das Thema lebenslanges Lernen als Chance.“ Ein Schwerpunkt einer gemeinsamen Erklärung des Bündnisses liegt auf der Förderung der dualen Ausbildung, auf der Qualifizierung sowie dem Aufbau digitaler Lerninfrastrukturen.

„Wir sind der Steinbruch der Metropolregionen um uns herum.“

Jörg Ernstberger

Dabei denken die Verantwortlichen an die Entwicklung innovativer Studien- und Weiterbildungsprogramme zur Digitalisierung und Nachhaltigkeit über alle Branchen hinweg, gerade auch im Handwerk. Deutschlandweit fehlen dem Handwerk eine Viertelmillion Fachkräfte, in den nächsten Jahren müssen 125.000 Betriebe ihre Nachfolge regeln. „In der Region Heilbronn-Franken reden wir von 3000 fehlenden Fachkräften im Handwerk und 1500, die einen Nachfolger suchen“, sagte Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken.

Region kämpft national und international um Fachkräfte

Das Handwerk brauche gut ausgebildete Fachkräfte, um die Herausforderungen in den Bereichen Digitalisierung und Klimawandel zu bewältigen. Angesichts des Finanzpakets, dem der Bundestag in Berlin im Lauf des Dienstags zustimmte, komme mit der Infrastruktur eine weitere große Aufgabe auf das Handwerk zu. „Wenn das Rad wieder rollt, brauchen wir Leute, die die Aufgaben auch umsetzen können“, sagte Elke Döring.

Handlungsfelder sieht das Bündnis reichlich, um die Ist-Situation zu verändern. Dazu gehöre die Förderung der dualen Ausbildung, die Qualifizierung von Menschen und der Aufbau digitaler Lernstrukturen. Und die Integration internationaler Fachkräfte müsse dringend schneller erfolgen.

Das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken mit (von links) Jörg Ernstberger, Andreas Schumm, Silvia Wagner, Volker Greff, Elke Döring, Ralf Schnörr und Bernhard Feßler richtete einen Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken mit (von links) Jörg Ernstberger, Andreas Schumm, Silvia Wagner, Volker Greff, Elke Döring, Ralf Schnörr und Bernhard Feßler richtete einen Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.  Foto: Peter, Martin

Die Region Heilbronn-Franken stehe aber national im Wettbewerb um junge Menschen. „Wir sind der Steinbruch der Metropolregionen um uns herum“, erklärte Jörg Ernstberger, Geschäftsführer von Südwestmetall Heilbronn-Franken. Ziel müsse sein, abgewanderte Fachkräfte zurückzuholen oder neue aus anderen Bundesländern hierher zu holen. „Wir müssen eine agile, moderne und zukunftsfähige Region sein“, nannte Bernhard Feßler, seit Beginn des Jahres Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken, eine wichtige Voraussetzung dafür.

Infrastruktur ist bei der Sicherung von Fachkräften ein wichtiges Plus

In das gleiche Horn blies auch Silvia Wagner vom Deutschen Gewerkschaftsbund, sie hob die Bedeutung einer guten Infrastruktur hervor. „Es braucht eine Wohnraumversorgung, die ausreichend ist, zum einen. Und natürlich auch bezahlbar. Gerade in Heilbronn ist das ein Problem“, sagte sie. Der Wirtschaft gab die Gewerkschafterin mit auf den Weg: „Mit schlechten Arbeitsbedingungen kann ich keine Fachkräfte gewinnen und auch keine halten.“

Viele Argumente sind nicht neu, weiß auch das Bündnis. „Wir sind in Deutschland Erkenntnis-Weltmeister, aber ein Umsetzungs-Zwerg“, sagte Ernstberger vor diesem Hintergrund. Mit Blick auf die Entwicklungen in Berlin und einer möglichst bald stehenden Regierung erhofft sich das Bündnis nun aber neue Impulse - und setzt auf seine Durchschlagskraft als Zusammenschluss. „Die Zeit läuft uns davon“, machte Döring noch einmal klar.

Um den Fachkräftebedarf in der Region langfristig zu sichern, wurde am 20. April 2012 das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken gegründet. Diesem gehören die Arbeitsagenturen in Heilbronn und Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, der DGB Region Heilbronn-Franken, die Handwerkskammer sowie die IHK Heilbronn-Franken, die Südwestmetall-Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken und die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken an.

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