Für die zwölfte Unternehmerkundenstudie hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Commerzbank bundesweit 1750 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro befragt – darunter über 100 in Baden-Württemberg. „Zu den Branchen gehören Branchen, die im direkten Kontakt zu Verbrauchern stehen, wie zum Beispiel Handwerker, Dienstleister oder der Einzelhandel“, sagt Schroeter.
Bezahlverfahren in Unternehmen: So digital ist Baden-Württemberg
Digitale Bezahlverfahren werden für viele Unternehmen in Baden-Württemberg immer wichtiger. Und doch hält das Angebot vor allem kleinerer Unternehmen oft nicht mit den Kundenwünschen Schritt.
Deutschland, Land des Bargeldes. Zumindest noch. Die Bargeldnutzung geht hierzulande immer weiter zurück, während digitale Zahlungsmethoden auf dem Vormarsch sind. Entsprechend bieten kleine und mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg – wie Handwerker, Dienstleister und Einzelhändler – ihren Kunden inzwischen vermehrt digitale Bezahlmöglichkeiten an. Das ist das Ergebnis der Unternehmerkundenstudie der Commerzbank.
Zwar wickelt die Mehrheit der Unternehmen im Südwesten Zahlungen überwiegend per Überweisung ab – 87 Prozent. Rund ein Drittel biete neben Kartenzahlungen aber auch bereits Online- und Mobile-Bezahlverfahren an, sagt Oliver Schroeter, Leiter Unternehmerkundenberatung für die Region Nord-Baden-Württemberg. Obwohl der Wert angestiegen sei, „ist insgesamt noch viel Luft nach oben“, erklärt Schroeter im Gespräch mit der Stimme.
Nur jedes vierte Unternehmen bietet Online- und Mobile-Bezahlsysteme an
Zumal die Entwicklung bei den Verbrauchern dynamischer ist, sie den Unternehmen voraus und deutlich flexibler sind. Einer bundesweiten Umfrage unter 1000 Privatpersonen zufolge nutzen zwar nach wie vor gut zwei Drittel (69 Prozent) der Kunden auch Bargeld – „genauso viele Verbraucher verwenden Online- oder Mobile-Bezahlsysteme. Aber nur jedes vierte Unternehmen bietet dieses Bezahlverfahren an“, sagt Schroeter. Die Hälfte der Kunden nutzt Kartenzahlung – die Unternehmerseite bietet auch diese Zahlmethode vergleichsweise weniger an.
Technische Hürden stellen der Umfrage zufolge die größte Herausforderung für Firmen bei der Digitalisierung von Bezahlvorgängen dar. Genannt wurden demnach mangelnde Stabilität der Internetverbindung, Kosten, aber auch Datenschutz und Sicherheit. „Wir hören in Kundengesprächen auch, dass den Inhabern oftmals schlichtweg die Zeit fehlt, sich mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt Schroeter.
Dienstleister laufen ihrem Geld oftmals hinterher – das kostet Zeit und Nerven
Dabei würden digitale Bezahlsysteme für Unternehmen viele Vorteile bieten: mit Blick auf die Kundenzufriedenheit, allerdings auch der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in einem sich schnell entwickelten Markt“, sagt Schroeter. Der Regionalleiter sieht in einem sicheren Zahlungseingang sowie der schnellen, komfortablen Abwicklung weitere Vorteile bargeldloser Systeme. Zumal sich auch noch die Zahlungsmoral verbessern ließe.
Das Zahlungsverhalten ihrer Kunden bewerten vier von fünf Unternehmen im Südwesten der Studie zufolge zwar nach wie vor als gut bis sehr gut. „Aber Schlüsseldienste oder auch Schornsteinfeger, die beim Kunden vor Ort ihre Leistung erbringen und hinterher eine Rechnung schreiben, laufen ihrem Geld häufig hinterher“, erklärt Schroeter. Das koste Zeit und Nerven. Mit dem Smartphone als Kartenterminal ließe sich das leicht ändern.
Banken sehen sich in der Pflicht und wollen mehr Aufklärungsarbeit leisten
Den Unternehmen seien die vielfältigen Möglichkeiten oftmals nicht bekannt, meint Schroeter und leitet für sich und sein Team daraus eine Aufgabe ab: „Wir müssen noch mehr Aufklärungsarbeit leisten“, sagt er. Denn auch das zeigt die Studie: Die weiteren Funktionen, die mit mobilen Bezahlsystem genutzt werden können, werden bislang kaum positiv wahrgenommen. Grund dafür könnte die Unübersichtlichkeit bei Anbietern und Produkten sein – zumindest gaben das 41 Prozent der Unternehmen in Baden-Württemberg an.
Insgesamt aber sei Deutschland und erst recht der Südwesten beim digitalen Bezahlen auf dem Weg, sagt Oliver Schroeter. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass das Bezahlen mit Bargeld in den vergangenen zwei Jahren bei ihnen zurückgegangen sei. „Wir haben aber noch Aufholpotenzial bei kleinen Unternehmen“, sagt er. Im Vergleich zu anderen Ländern, gerade Skandinavien, hinke Deutschland doch noch hinterher.

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