Förderung fällt weg: Handwerk und Bauwirtschaft kritisieren Baden-Württemberg scharf
Baden-Württemberg streicht die Digitalisierungsprämie bei kleinen und mittleren Betrieben. Das sorgt für großen Unmut in Bauwirtschaft und Handwerk. Was deren Vertreter jetzt fordern.
Das Land Baden-Württemberg hat zum 1. Juli seine Digitalisierungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen geändert. Statt eines direkten Zuschusses, den es bislang auf unbürokratische Weise gab, gewährt das Land nun nur noch zinsverbilligte Darlehen. Die sogenannte Digitalisierungsprämie Plus, die von zahlreichen Betriebe in Anspruch genommen wurde, wurde gestrichen.
Baden-Württemberg verabschiedet sich von der Digitalisierungsförderung für kleine Betriebe
Im Handwerk und in der Bauwirtschaft stößt diese Entscheidung auf harsche Kritik. „Mit dem Wegfall der Zuschussvariante verabschiedet sich das Land faktisch von der Digitalisierungsförderung für das Handwerk“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW. Die bisherige Regelung sei unkompliziert, niedrigschwellig und vor allem praxistauglich gewesen – „genau das, was unsere Betriebe brauchen“, so Reichhold.
Nun würden die Hürden für die Förderung höher. „Aufwändige Darlehensanträge, Tilgungszuschüsse nur bei großen Projekten, verpflichtende Online-Selbsteinschätzungen – das ist kein Fortschritt, sondern Rückschritt und widerspricht zudem jeglichem Anspruch, Bürokratie abzubauen“, kritisiert der Handwerksfunktionär.

Laut Reichhold haben die Handwerksbetriebe im Land im Schnitt sechs Mitarbeiter, die täglich auf der Baustelle, im Betrieb oder beim Kunden seien. „Sie haben schlichtweg keine Ressourcen für solche Bürokratiepakete“, sagt er. Wer ernsthaft wolle, dass das Handwerk digitaler wird, dürfe die Realität in den Betrieben nicht ignorieren.
Bauwirtschaft befürchtet Rückschritte bei der Digitalisierung
Statt kleine Unternehmen bei der Digitalisierung zu unterstützen, lasse die Landesregierung sie „fast über Nacht im Regen stehen“, so Reichhold. „Das kann sich eine Regierung, die den Mittelstand in Plakatkampagnen feiert, nicht leisten. Diese Förderpolitik ist jedenfalls das Gegenteil von ,Mega’“, spricht Reichhold Klartext.
Auch aus der Bauwirtschaft kommt harsche Kritik an der Landesregierung. „Gerade kleine und mittelgroße Betriebe haben die gestrichene Zuschussvariante für vielfältige Investitionen genutzt, beispielsweise in spezielle Software, Hardware-Anschaffungen oder in Weiterbildungsmaßnahmen. Erfolgreich war diese Fördermaßnahme nicht zuletzt, weil sie praxisnah gestaltet war und Anträge unkompliziert gestellt werden konnten. Umso bedauerlicher ist es, dass diese effiziente Programmvariante jetzt komplett wegfällt“, teilt Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, mit.
Bauwirtschaft: Neues Programm ist zu kompliziert und zu bürokratisch
Bisher wurden Betrieben Zuschüsse zwischen 5000 und 100.000 Euro gewährt. Künftig gibt es ausschließlich Förderdarlehen mit Zinsverbilligung und teilweise mit Tilgungszuschuss. Zudem werden Projekte erst ab einem Kostenvolumen von 25.000 Euro unterstützt.
„Vor allem für Betriebe mit wenigen Mitarbeitern ist dieses Programm zu kompliziert, zu aufwendig und zu bürokratisch“, sagt Möller. Er befürchtet, dass viele Bauunternehmen ihre Digitalisierungsprojekte aufschieben oder gar nicht erst umsetzen. „Mit der neuen Förderung konterkariert das Land sein Ziel, die Digitalisierung auch bei kleinen und mittelständischen Betrieben voranzubringen“, kritisiert Möller.
Sowohl die Bauwirtschaft als auch das Handwerk im Land fordern von der Landesregierung, die Wiedereinführung der Zuschussvariante bei der Digitalisierungsförderung.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare