Iran-Krieg lässt Ölpreise steigen: Drohen nun höhere Zinsen?
Die Inflationsgefahren steigen, und damit die Sorge vor höheren Zinsen. Doch aktuell gibt es wenig Handlungsbedarf für die Europäische Zentralbank.
Der Iran-Krieg hat für einen deutlichen Preissprung beim Öl gesorgt. Das spüren die Menschen in Deutschland beim Tanken, Diesel und Benzin kosten vielerorts mehr als zwei Euro pro Liter. Je länger der Krieg im Nahen Osten dauert, desto größer werden auch die Sorgen vor einer steigenden Inflation – und damit auch vor steigenden Zinsen.
Denn legt die Teuerung kräftig zu, müsste die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erhöhen, um die Inflation bei der gewünschten Zielmarke von zwei Prozent zu halten. Ob es soweit kommt, ist derzeit aber nicht abzusehen.
Iran-Krieg lässt Ölpreise steigen: Was das für Inflation und EZB-Zinsen bedeutet
Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland bei zwei Prozent und im Euroraum bei 1,9 Prozent. Ein Eingreifen der EZB ist somit nicht erforderlich. Klar ist aber auch, dass der Krieg die Inflationserwartungen an den Märkten nach oben treibt. „Wenn der Ölpreis dauerhaft um zehn Prozent steigt und der Gaspreis ebenfalls deutlich zulegt, fällt die Inflation im Euroraum als Daumenregel um etwa 0,3 Prozentpunkte höher aus“, sagte Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, der „Börsenzeitung“.
Dauert der Krieg im Nahen Osten länger an, dürfte die EZB die Leitzinsen aber moderat erhöhen, um die Teuerung zu bremsen. Schumacher weist jedoch darauf hin, dass höhere Zinsen die ohnehin schwache Konjunktur im Euroraum weiter schwäche. Der Experte geht davon aus, dass der Iran nicht lange durchhält und die Auswirkungen des Krieges auf die Inflation und die Konjunktur in Europa gering sein werden.
Nur bei dauerhaft hohen Ölpreisen rechnen Experten mit einer Zinserhöhung
Auch andere Marktbeobachter glauben nicht an eine schnelle Reaktion der Währungshüter – egal in welche Richtung. „Leitzinssenkungen zur Unterstützung der Wirtschaft braucht es derzeit nicht, und Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation ebenso nicht“, sagt Alexander Krüger, Chefökonom der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Er befürwortet eine Zinserhöhung erst bei einem dauerhaften Anstieg der Rohölpreise auf 130 Dollar. Aktuell liegen die Preise für ein Barrel (159 Liter) bei rund 85 Dollar.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare