Die Führungsfrauen Raum Heilbronn verstehen sich als Kompetenznetzwerk, das Frauen in Führungspositionen in der Region sichtbarer machen will. Mittlerweile umfasst das Netzwerk rund 180 Frauen, die Tendenz ist weiter steigend. Neben dem Netzwerk haben die Führungsfrauen Raum Heilbronn einen Verein gegründet, um ihre Arbeit zu professionalisieren Vereinspräsidentin ist Kirsten Bock, Vizepräsidentin ist Margareta Jäger. Die Führungsfrauen veranstalten zahlreiche kleine und größere Events zu Themen wie Gleichberechtigung oder Selbstverständnis von Frauen in Führungspositionen. Ganz wichtig ist dem Netzwerk der regelmäßige Austausch und die Präsenz in der Region.
Der Mensch steht im Mittelpunkt
Bei den Führungsfrauen Raum Heilbronn diskutieren Experten über die Frage, wo das Menschliche bleibt in einer Welt, die zunehmend von Künstlicher Intelligenz dominiert wird. Eine wichtige Aufgabe wird demnach sein, die Menschen mitzunehmen und ihnen die Ängste vor der neuen Technologie zu nehmen.

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Erst recht in Heilbronn, das sich aufgemacht hat, der KI-Hotspot in Europa zu werden. Da liegt es nahe, dass die Führungsfrauen Raum Heilbronn ihre Jahresauftaktveranstaltung dem Thema KI widmen. Genauer gesagt lautet das Motto „The Human Code“, also die Frage, wo bei aller KI-Begeisterung eigentlich der Mensch bleibt.
180 Gäste – viele Führungsfrauen und einige Männer – sind am Mittwochabend in den Open Space in der Heilbronner Weipertstraße gekommen, um zu hören, wie Experten aus der Region diese Frage beantworten. Unter der Moderation von Elena Krause-Söhner von der DHBW Karlsruhe und Caroline Eggers von der TUM Heilbronn diskutieren Kathrin Czichowsky von Schwarz Digits, Bärbel Renner, Geschäftsführerin der Dieter-Schwarz-Stiftung, Margareta Jäger, Geschäftsführerin von Gen Human in Heilbronn und Harry Mergel, Oberbürgermeister von Heilbronn.
Diskussion über KI: Auch künftig soll der Mensch die letzte Entscheidung treffen
Die Diskutanten sind sich rasch darüber einig, dass auch in einer Zukunft, die stark von Künstlicher Intelligenz geprägt sein wird, weiterhin der Mensch die finalen Entscheidungen treffen wird. „Am Ende ist immer ein Mensch verantwortlich“, sagt Mergel. Auch wenn KI in allen Bereichen immer wichtiger werde, stehe bei ihm der Mensch im Mittelpunkt. „Und das wird auch so bleiben“, sagt der Heilbronner OB. Auch Kathrin Czichowsky, die KI beruflich und privat nutzt, um effizienter zu werden, stellt klar: „Die ethische Bewertung von KI-Anwendungen muss immer beim Menschen bleiben.“ Man müsse stets die ethischen und sozialen Aspekte der Technik im Blick behalten, pflichtet Bärbel Renner bei. Die Dieter-Schwarz-Stiftung habe sich den verantwortungsvollen Umgang mit KI auf die Fahne geschrieben, betont die Geschäftsführerin.
„Wir müssen mehr gemeinsam machen.“ Margareta Jäger
Doch was macht den Menschen aus in einer KI-getriebenen Welt, wollen die Moderatorinnen wissen. Neugier, kritische Reflexion und vor allem Bildung, lautet Bärbel Renners Antwort. Für sie ist Bildung ein Garant für Unabhängigkeit. Margareta Jäger ist zwischenmenschliche Interaktion und ein von Empathie geprägter Umgang miteinander ganz wichtig. „Wir müssen mehr gemeinsam machen“, sagt sie. Im wachsenden Heilbronner KI-Ökosystem funktioniere das schon sehr gut. Der menschliche Kontakt ist auch für Kathrin Czichowsky unersetzbar. Harry Mergel setzt als Fan der Aufklärung auf den mündigen Bürger und wünscht sich zugleich eine intensive Debatte über Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz in der Gesellschaft.
OB Mergel will der Stadtbevölkerung die frohe KI-Botschaft vermitteln

Denn bei aller Begeisterung über die vielfältigen KI-Aktivitäten in der Stadt gibt es weit verbreitete Ängste in der Bevölkerung. „Die Leute sagen: Das ist ja schön und gut, was da draußen passiert in den Steinäckern. Aber was habe ich davon?“, berichtet Mergel mit Blick auf den entstehenden Innovationspark Künstliche Intelligenz Ipai nahe der Autobahn. Man müsse die Menschen mitnehmen, etwa durch KI-Botschafter, und ihnen die Ängste vor der Technologie nehmen, fordert der Oberbürgermeister. Mergel nennt den Ipai und das KI-Ökosystem die Lebensversicherung für den Standort Heilbronn. Diese Botschaft müsse man in die Stadtgesellschaft tragen.
Bärbel Renner will Brücken in die Bevölkerung bauen
Das sieht auch Bärbel Renner so. Sie verweist auf die zahlreichen Aktivitäten wie den KI-Salon, das KI-Festival und Aktionen und Veranstaltungen, die den Menschen den konkreten Nutzen von KI näher bringen sollen. „Es ist uns wichtig, Brücken zu schlagen in die Stadtgesellschaft“, sagt die Geschäftsführerin der Dieter-Schwarz-Stiftung. Man wolle den Menschen Ängste nehmen und sie über die Chancen von KI informieren. Dazu seien persönliche Begegnungen unverzichtbar. „Wir brauchen gerade in unsicheren Zeiten solche Feuerstellen, wo wir zusammenkommen“, findet Renner und nennt Heilbronn ein „Reallabor“ für den verantwortungsbewussten Umgang mit KI.
Wie der verantwortungsvolle Umgang mit KI aussehen kann
Wie der aussehen kann, erfahren die Gäste auch. Die Stadtverwaltung nutzt KI laut Mergel bereits intensiv , um Prozesse und Entscheidungen vorzubereiten.. Das letzte Wort habe aber immer der Mensch, betont der OB. Kathrin Czichowsky rät dazu, sich KI zunutze zu machen, sich auf Neues einzulassen und alte Denkmuster abzulegen. Die Expertin von Schwarz Digits wirbt für einen „smarten Umgang mit der Technologie“. Bärbel Renner schwört beim Umgang mit KI auf die vier Ks: Kreativität, kritisches Denken, Kollaboration (Zusammenarbeit) und Kommunikation. Und Margareta Jäger appelliert an die Eigenverantwortung der Nutzer. „Ich muss selber wissen, warum ich etwas tue“, sagt sie. Und gibt folgenden Ratschlag: „Erst selber denken, dann KI nutzen.“

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