Neue KI-Software von Bosch und Cariad soll Millionen autonomes Fahren ermöglichen
Bosch und die VW-Tochter Cariad kündigen eine massentaugliche Software für automatisiertes Fahren an. Dabei setzen die Partner auf den intensiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Bosch und Volkswagen wollen das automatisierte Fahren vorantreiben und massentauglich machen. Bereits Mitte 2026 soll eine entsprechende Software für die Anwendung auf dem Volumenmarkt zur Verfügung stehen. Das kündigten der Technologiekonzern Bosch und die VW-Softwaresparte Cariad am Montag an. Die beiden Unternehmen tüfteln im Rahmen der 2022 gegründeten Automated Driving Alliance in Ingolstadt daran, das automatisierte Fahren weiterzuentwickeln und aus der Nische herauszuholen.
Neue Software von Bosch und Cariad soll automatisiertes Fahren sicher und skalierbar machen
Bislang bieten lediglich Premiumhersteller automatisiertes Fahren an. Bei Mercedes etwa zahlen die Kunden für das Topmodell EQS bis zu 8800 Euro extra für entsprechende Funktionen. Bosch und Cariad wollen automatisiertes Fahren durch hohe Stückzahlen deutlich günstiger machen. Die beiden Partner setzen bei ihrer komplett eigenständig entwickelten Software auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). „Bosch und Cariad wollen das automatisierte Fahren für Millionen privater Autofahrer verfügbar machen – vom Volumen- bis zum Premiumsegment“, teilen die Unternehmen mit. Die neue Software werde alle kognitiven Aufgaben des Wahrnehmens, Interpretierens, Entscheidens und Handelns abdecken, versprechen die Partner.
Bosch und Cariad: Das erste Ziel der Partner ist die Automatisierungsstufe 2
Die neue Technologie, die auch anderen Herstellern weltweit zur Verfügung gestellt werden soll, soll zunächst die Automatisierungsstufe 2 erreichen – das bedeutet, dass der Fahrer auf der Autobahn die Hände längere Zeit vom Lenkrad nehmen kann. Langfristig streben Bosch und Cariad aber Level 3 an: Hier übernimmt das Auto die volle Verantwortung. Bei einem Unfall haftet der Hersteller.

„Wir zeigen, dass die deutsche Automobilindustrie die Schlüsseltechnologien Künstliche Intelligenz und Automatisiertes Fahren selbst beherrscht“, sagt Cariad-Chef Peter Bosch. Mit der Expertise der beiden Partner sichere man einen integralen Bestandteil der digitalen Souveränität Europas. „Unser Ziel in der Alliance ist, den Komfort und die Sicherheit automatisierter Fahrsysteme möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, damit sie wertvolle Zeit in ihrem Auto neu gewinnen“, sagt Bosch.
Bosch-Entwicklungschef: Daten und KI sind der Schlüssel für das automatisierte Fahren
„Daten und KI sind der Schlüssel, wenn es darum geht, automatisierte Fahrsysteme in großem Maßstab und zuverlässig auf die Straße zu bringen“, sagt Bosch-Entwicklungschef Mathias Pillin. In der Zusammenarbeit mit Cariad zeige man, wie das erfolgreich funktioniere. Die Technologie ist bereits in Testfahrzeugen wie dem ID.Buzz und Audi Q8 im Einsatz.
„Allein in diesem Jahr werden zusätzliche Testfahrzeuge im dreistelligen Bereich mit einem umfassenden Sensorset ausgestattet, um qualitativ hochwertige Daten zu sammeln“, teilen die Unternehmen mit. Der ID.Buzz fährt in Deutschland autonom mit 110 Stundenkilometern über die Autobahn. Er ist mit Radar-, Laser- und Kameratechnik ausgestattet und sammelt Daten für das Training der KI-Software. Die beiden Partner testen die Fahrfunktionen auch weltweit im öffentlichen Straßenverkehr in Europa, Japan und den USA.
Wie Bosch und Cariad weiter mitteilen, kommt KI mittlerweile entlang der gesamten Software-Technikkette zum Einsatz; von der Objekterkennung, der Fusion verschiedener Sensoren wie Kameras und Radare, über die Entscheidungsfindung bis hin zur Umsetzung in die sichere automatisierte Steuerung von Antrieb, Lenkung und Bremse. Die Partner betonen, dass die Entscheidungen und Handlungen der Künstlichen Intelligenz sicher, nachvollziehbar und erklärbar blieben.
Bosch sieht viel Potenzial in der neuen Technologie
Bosch rechnet bis 2035 mit Jahresumsätzen im zweistelligen Milliardenbereich durch die neue Technologie. „Die Nachfrage steigt jetzt massiv“, sagte Mathias Pillin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Interesse bestehe in Europa, Asien und Nordamerika.
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