Im ersten Geschäftshalbjahr 2023/2024 hatte die familiengeführte Berner-Gruppe einen Umsatz von rund 581 Millionen Euro und damit einen neuen historischen Bestwert erzielt. Damit sei man noch einer der profitabel wachsenden Spieler der Branche, sagte CEO Christian Berner vor einem halben Jahr. „Fakt ist jedoch, dass wir gegen einen massiv einbrechenden Markt ankämpfen. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland und Europa ist maximal dramatisch, während der internationale Wettbewerb gnadenlos vorrückt."
Berner verteidigt Umsatzerlöse: So trotzt das Unternehmen der schwierigen Marktsituation
Trotz schlechter Rahmenbedingungen hat Schraubenhändler Berner seine Umsatzerlöse verteidigt. Mit Investitionen in die Logistik in Höhe von zehn Millionen Euro stellen sich die Künzelsauer zudem für die Zukunft auf.

Die Berner Group hat sich im vergangenen Wirtschaftsjahr in einem schwierigen Umfeld behauptet: Trotz schlechterer Rahmenbedingungen ist es dem Künzelsauer Schraubenhändler gelungen, seine Umsatzerlöse zumindest zu verteidigen. Der Konzern erzielte 2023/2024 einen um Konsolidierungseffekte bereinigten Umsatz von 1,15 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr zuvor waren es 1,17 Milliarden Euro gewesen. Damit bleibt die Gruppe nach eigenen Angaben einer der führenden Anbieter in der Branche.
Zu den weiterhin guten Umsatzerlösen trugen das wachsende Mobility-Segment (plus vier Prozent), der Ausbau des Großkundengeschäfts (plus acht Prozent) sowie zweistellige Zuwachsraten im Bereich eCommerce bei, teilt das Unternehmen mit. So war es den Künzelsauern möglich, aus eigener Kraft Investitionen wie beispielsweise in den größten Marken-Relaunch in der Unternehmensgeschichte zu tätigen.
Künzelsauer Schraubenhändler Berner investiert Millionen in Modernisierung
Zudem treibt der Handelskonzern seine Logistikoffensive in Europa voran. Berner investiert in diesem und im nächsten Jahr zehn Millionen in die Modernisierung und Erweiterung seiner Lieferzentren, um Waren schneller und zuverlässiger liefern zu können. Die Baumaßnahmen, teilt das Unternehmen mit, starten in diesem Herbst und finden in mehreren Ländern gleichzeitig statt – bei laufendem Betrieb.
„Wie alle Wettbewerber müssen auch wir uns seit langem gegen die anhaltend schwache Konjunktur vor allem im Bau-Segment stemmen“, sagt Peter Schmidt, der das Kerngeschäft Omnichannel Trading verantwortet. „Vor diesem Hintergrund ist es umso höher zu bewerten, dass wir unsere Umsatzerlöse verteidigen konnten und weiter profitabel sind." Obwohl das Unternehmen zuletzt kleinere Signale erkannt habe, die auf eine leichte Entspannung hoffen lassen, bliebe die Marktsituation weiter herausfordernd.
Berner Group robust gegen Marksituation gerüstet
"Kurzfristig ist keine signifikante Verbesserung zu erwarten. Das spüren wir jeden Tag", sagt Schmidt. Aufgrund der Strategie- und Transformationserfolge der Vergangenheit und der Organisationsstruktur mit drei Regionen und drei Divisionen "sind wir jedoch so robust aufgestellt, dass wir einzelne Rückgänge kompensieren können“. Von ihrer Resilienz profitierte die Berner-Gruppe im zurückliegenden Wirtschaftsjahr. Der geringeren Nachfrage im Bauhandwerk stand ein starkes Handelsgeschäft mit Kfz- und Nutzfahrzeug-Werkstätten gegenüber.
Für den Großteil des Umsatzes sorgen nach Angaben der Künzelsauer weiterhin die rund 5.000 Vertriebsexperten, die die Kunden persönlich beraten. Parallel dazu baue der Handelskonzern sein Angebot an alternativen Kanälen konsequent aus. In mehreren Ländern liegt deren Umsatz-Anteil bereits bei über 35 Prozent.
Online-Vertrieb wächst schnell – Zuwachsraten bei Berner in Europa
Treiber dieser Entwicklung ist der schnell wachsende Online-Vertrieb. Im vergangenen Wirtschaftsjahr erzielte die Gruppe in wichtigen europäischen Märkten wie Italien, Polen oder Portugal Zuwachsraten von mehr 50 Prozent, in Summe verdiene das Unternehmen inzwischen fast jeden fünften Euro durch den Vertriebskanal eCommerce. Und auch die Strategie, in Ballungsräumen und Metropolregionen Depots zu eröffnen, zahle sich immer mehr aus.
Für künftiges Wachstum schafft der Handelskonzern mit einer Millionen-Investition in seine Lieferzentren mehr Platz. Knapp die Hälfte der vorgesehenen zehn Millionen Euro fließt ins Stammhaus in Künzelsau. Mit dem nach eigenen Angaben größten Modernisierungsprogramm seit 25 Jahren stärkt die Berner-Gruppe die Logistik ihrer deutschen Tochtergesellschaft auf dem Garnberg. Sowohl Warenein- als auch der Warenausgang sollen komplett überarbeitet werden. Dabei werde der Automatisierungsgrad in sämtlichen Bereichen massiv erhöht, heißt es.
Berner-Gruppe: Durch Modernisierung deutlich effizientere Prozessabläufe
Durch die Veränderungsmaßnahmen würden sich die Laufwege und Zeitstrecken im innerbetrieblichen Transport künftig um die Hälfte reduzieren. "Deutlich effizientere Prozessabläufe und eine signifikante Steigerung bei der Durchsatzleistung um circa 40 Prozent sorgen dafür, dass wir künftig ein Drittel mehr Paletten pro Stunde mit Waren für unsere Kunden ein- und auslagern können“, sagt Alexander Kloster, Senior Director Warehouse Management, der die operative Umsetzung der Logistikoffensive europaweit koordiniert.
Einen mittleren siebenstelligen Betrag investiert Berner in seine Logistikstandorte in Spanien und Portugal. Die iberische Halbinsel gehört schon längere Zeit zu den Top-Performern der Unternehmensgruppe. „Aufgrund des anhaltenden Erfolgs war die Auslastung der Lieferzentren immer öfter am Anschlag“, sagt Norbert Hecking, Vice President Logistics International. „Durch die Modernisierung und Erweiterung legen wir den Grundstein für das weitere profitable Wachstum der Sub-Region und damit der Berner Group insgesamt.“

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