Beben beim ADAC: Nach Kündigungswelle von Mitgliedern tritt der Verkehrspräsident zurück
In einem Interview hatte sich der ADAC-Verkehrspräsident positiv zur CO2-Bepreisung geäußert. Es folgten Empörung und eine Kündigungswelle von Mitgliedern des Automobilclubs – nun ist Gerhard Hillebrand zurückgetreten.
Der ADAC vertritt in Deutschland die Interessen von mehr als 22 Millionen Mitgliedern, das entspricht etwa einem Viertel der Bevölkerung. Bekannt ist der Automobilclub vor allem für seine Pannenhilfe. Aber gegenüber Politik, Verbänden und Wirtschaft steht der ADAC seit jeher für die Autofahrerinnen und Autofahrer ein. So sagt es der Verein von sich selbst. Zuletzt hatte dieses Image Kratzer bekommen.
Auslöser war kurz vor Weihnachten ein Interview von ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. „Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen“, hatte Hillebrand der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ gesagt. „Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.“
Für viele Autofahrer klang das nach einer klaren Forderung nach höheren Benzin- und Dieselpreisen. Ein Automobilclub, der das Autofahren verteuern will, wo doch die meisten Menschen in Deutschland nach wie vor mit einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor unterwegs sind? Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.
ADAC: Harsche Kritik im Internet gefolgt von einer Kündigungswelle
Über Weihnachten, Neujahr und den gesamten Januar über ließen die ADAC-Mitglieder in den sozialen Netzwerken ihrem Ärger und ihrer Wut freien Lauf. Die Reaktionen reichten von „Ich brauche mein Auto. Was ich nicht brauche, ist ein Verein, der Autofahrer vor den Bus stößt. Tschüss.“ bis „Beiße nie die Hand, die dich füttert.“ Viele machten ihre Drohung war, dem Vernehmen nach haben Zehntausende ihre Mitgliedschaft gekündigt.
Letztlich war der Druck wohl zu groß: Am Montag (2. Februar) verkündete Gerhard Hillebrand seinen Rücktritt. Er bedauere, dass seine Äußerungen Mitglieder verunsichert und verärgert sowie Glaubwürdigkeit gekostet hätten, heißt es vom ADAC. Zum Hintergrund: 90 Prozent der ADAC-Mitglieder fahren Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Automobilclub ADAC ist bemüht, die Wogen wieder zu glätten
Beim ADAC will man die Wogen wieder glätten. „Wir sind selbstverständlich gegen eine höhere Belastung von Autofahrern“, sagt eine Sprecherin. Die Aussagen von Hillebrand seien „in Schlagzeilen verkürzt“ wiedergegeben worden. Man habe lediglich gesagt, der CO₂-Preis könne ein „geeignetes Instrument“ sein – wenn gleichzeitig Alternativen geschaffen würden. Trotz der Austritte seien die Mitgliedszahlen des ADAC auf Vorjahresniveau, so die Sprecherin. Allein im Januar habe der Verkehrsclub mehr als 100.000 Mitglieder neu dazugewonnen.
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