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Baustart für Suedlink: Kretschmann ist zufrieden mit dem Stand der Energiewende

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Der Ministerpräsident lobt das Tempo, vor allem beim Ausbau der Windkraft. Doch EnBW-Chef Stamatelopoulos findet bei der Feier zum Baustart auch mahnende Worte.

Diese roten Kunststoffrohre werden in den nächsten Monaten für das Suedlink-Kabel verlegt.
Diese roten Kunststoffrohre werden in den nächsten Monaten für das Suedlink-Kabel verlegt.  Foto: Fritze, Heiko

Es ist noch kein Jahr her, da war Ministerpräsident Winfried Kretschmann noch ziemlich unzufrieden, was den Ausbau der erneuerbaren Energien in seinem Land anging. Beim Kommunalen Energieforum in Stuttgart äußerte er vergangenen Oktober deutliche Kritik, unter anderem was den Neubau von Windrädern anging.

Das klingt nun anders. Beim offiziellen Baustart für die Stromautobahn Suedlink, auf einem Acker neben dem Gewerbegebiet Grünsfeld, umrahmt von Mais- und Getreidefeldern, ist Kretschmann der Stolz auf den durchschlagenden Erfolg der grün-schwarzen Gesetzesinitiative anzuhören, die alle Regionalverbände im Land zu mehr Tempo verpflichtet. „Wir haben jetzt 750 Windräder in der Pipeline“, sagt er. „Wir sind auf Kurs. Wir haben die Grundlagen geschaffen, dass wir unsere Ziele erreichen.“ Das Mittel dazu kann durchaus auch als leichter Zwang ausgelegt werden: Entweder, die Regionalverbände weisen 1,8 Prozent ihrer Flächen bis September nächsten Jahres als Vorranggebiete für Windkraft aus – oder Windräder sind überall möglich, wo keine anderen Zwänge entgegenstehen.

Winfried Kretschmann lobt die Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg.
Winfried Kretschmann lobt die Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg.  Foto: Fritze, Heiko

Genehmigungsdauer für Windräder auf sieben Monate verkürzt

Für den Ministerpräsidenten ist Tempo in dieser Angelegenheit unabdingbar. Die Genehmigungsdauer sei daher von drei Jahre auf sieben Monate verkürzt worden, berichtet er. Und beim Ausbau der Photovoltaik liege das Land auf Platz zwei im Bundesvergleich. „Die Energiewende liegt in überragendem öffentlichem Interesse“, meint er. Der Ausbruch des Ukraine-Kriegs sei da „der Gamechanger“ gewesen. Nun müsse aber darauf geachtet werden, dass die Kosten gerecht verteilt werden – und das bedeutet für Kretschmann, dass es keine Aufteilung in verschiedene Strommärkte in Deutschland geben dürfe. „Wir werden uns mit aller Macht dagegen wehren“, kündigt er an. Denn dann dürfte es für den Süden teurer werden. Ohnehin erwartet er: „Wenn Suedlink fertig ist, werden die Netzentgelte auch gerechter verteilt.

Die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 geplant, erklärt Werner Götz, Chef des Übertragungsnetzbetreibers und Bauherren Transnet-BW. „Das ist ambitioniert – aber wir werden das schaffen.“ Zwar laufen die Vorarbeiten für das Projekt schon seit zwölf Jahren, auch, weil auf Betreiben Bayerns aus dem Kabel am Strommast ein Kabel unter der Erde wurde. „Der Baustart ist für uns ein emotionales Ereignis“, erzählt Götz. „Wir beginnen den Start der Realität des Projekts. Wir verbinden Baden-Württemberg mit den Energiequellen von morgen.“

Die Akzeptanz der Energiewende hängt auch von ihrer Bezahlbarkeit ab

Gaskraftwerke Etwas vorsichtiger gibt sich EnBW-Konzernchef Georg Stamatelopoulos. Aus zwei Gründen: Die Akzeptanz für die Energiewende hänge auch davon ab, ob sie für den einzelnen bezahlbar bleibt, mahnt er. Und: „Die Lieferkette ist sehr dünn.“ Für Komponenten wie Turbinen für Gaskraftwerke oder Transformatoren gebe es nur wenige Hersteller. „Es ist erforderlich, dass die deutschen und europäischen Hersteller unterstützt werden“, ergänzt er. Es gelte, das goldene Dreieck der Energiewende einzuhalten – die Balance aus Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit. „Es ist inzwischen auch von der Politik verstanden und akzeptiert, dass wetterabhängige Energiequellen nicht ausreichen werden“, erklärt der Vorstandschef, der zuvor bei der EnBW für die Energieerzeugung zuständig war. „Daher brauchen wir wasserstofffähige Gaskraftwerke.“ Die erste derartige Turbine sei soeben für das neue Kraftwerk in Stuttgart-Münster angeliefert worden, während die Standorte Altbach und Heilbronn immerhin in Bau sind.

Eigens wegen dieser Lichtershow war der Festakt für den Baustart auf den Abend gelegt worden.
Eigens wegen dieser Lichtershow war der Festakt für den Baustart auf den Abend gelegt worden.  Foto: Fritze, Heiko

So wird es noch ein wenig dauern, bis tatsächlich Strom von Norden nach Süden fließt. Als aber anschließend Kretschmann draußen vor dem Festzelt auf den roten Knopf drückt, flammt es zumindest symbolisch schon einmal auf: Aus einer violett leuchtenden Wolke schießen zwei grüne Streifen auf die Gäste zu, biegen nach links ab und ziehen den Acker entlang – exakt an der Stelle, an denen in den kommenden Monaten erst die roten Kunststoff-Leerrohre und dann die Kabelstränge verlegt werden sollen. 

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