Die Umfrage ist Teil der aktuellen bundesweiten „IHK-Onlineumfrage zur Ausbildung 2025“ und wurde gesondert für Baden-Württemberg ausgewertet. Sie liefert Einblicke in die Ausbildungspraxis von 2940 Betrieben in Baden-Württemberg. Die Unternehmen wurden zwischen dem 12. Mai und dem 31. Mai 2025 befragt. Ziel ist es, Herausforderungen und Entwicklungen in der beruflichen Bildung sichtbar zu machen, um Impulse für die politische Diskussion zu geben.
Azubis gesucht: Immer mehr Ausbildungsplätze in Baden-Württemberg unbesetzt
Der Ausbildungsmarkt bleibt angespannt: Kaum ein Unternehmen kann seine Ausbildungsplätze mehr vollständig besetzen. In welchen Branchen es besonders schlimm ist.
Immer weniger Unternehmen im Südwesten können ihre Ausbildungsplätze vollständig besetzen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Ausbildungsumfrage der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern. Nur noch die Hälfte der befragten Ausbildungsbetriebe konnte im Vorjahr alle angebotenen Plätze vergeben – erneut zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. 2019 konnten noch 70 Prozent der Betriebe ihre Ausbildungsplätze komplett besetzen, teilt der Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) mit.
„Der Bewerbermangel ist zur strukturellen Herausforderung geworden. Selbst engagierte Betriebe mit attraktiven Angeboten finden keine passenden Auszubildenden mehr“, sagt Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart, die innerhalb des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) für die Berufliche Bildung zuständig ist.
Ausbildungskrise in Baden-Württemberg: In der Transport- und Logistikbrachen ist die Lage besonders kritisch
„Jetzt ist gemeinsames Handeln gefragt: Politik, Schulen und Wirtschaft müssen an einem Strang ziehen, um die Berufsorientierung zu stärken und die duale Ausbildung als attraktive Karriereoption sichtbar zu machen“, erklärt Herre. „Berufsorientierung darf nicht nur stattfinden – sie muss wirken. Sie muss Jugendliche erreichen, ihre Lebenswirklichkeit einbeziehen und ihnen konkrete Perspektiven für ihre Zukunft eröffnen.“
Besonders kritisch ist die Situation in der Transport- und Logistikbranche: Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der befragten Unternehmen konnte 2025 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (57 Prozent). Ähnlich betroffen sind Betriebe aus dem Handel (57 Prozent), der Industrie (55 Prozent) sowie den unternehmensorientierten Diensten (54 Prozent). „Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird in bestimmten Branchen immer größer – und dies, obwohl die Unternehmen engagiert und ausbildungsbereit sind“, sagt Herre.
Immer mehr Stellen bleiben unbesetzt: Nicht selten scheitern Ausbildungsverhältnisse frühzeitig
In der Veranstaltungsbranche sieht es dagegen deutlich besser aus: Hier konnten laut der Umfrage rund 70 Prozent der befragten Betriebe ihre Ausbildungsplätze vollständig besetzen – ein Plus von zehn Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Auch Banken und Versicherungen (64 Prozent), Immobilien- (64 Prozent) und IT-Betriebe (62 Prozent) zeigen vergleichsweise stabile Quoten.
„Berufsorientierung darf nicht nur stattfinden – sie muss wirken.“
Susanne Herre
Der größte Stolperstein auf dem Weg zur erfolgreichen Besetzung von Ausbildungsplätzen bleibt: Es fehlen passende Bewerbungen. Drei von vier der befragten Ausbildungsbetriebe berichtet, dass sie keine geeigneten Kandidaten finden – und rund ein Drittel bekommt auf ausgeschriebene Stellen gar keine Rückmeldung.
Der Trend ist damit ungebrochen. Kommen doch Ausbildungsverhältnisse zustande, scheitern sie oft frühzeitig: Immer häufiger sind es die Betriebe selbst, die in der Probezeit den Stecker ziehen – sei es, weil es nicht passt oder die Motivation fehlt. Die Zahl der Jugendlichen, die gar nicht erst zum ersten Arbeitstag erscheinen, ist im Vergleich zum Vorjahr hingegen leicht rückläufig.
Bewerber mit Mängeln bei Belastbarkeit, Disziplin und Motivation
Für die meisten Betriebe ist klar: Es hapert weniger an den Noten, sondern an grundlegenden Voraussetzungen für eine gelungene Ausbildung. 87 Prozent der befragten Betriebe stellen Mängel bei Schulabgängern fest – vor allem bei Belastbarkeit (64 Prozent), Disziplin (61 Prozent) und Motivation (52 Prozent). Aus Sicht vieler Betriebe lassen auch mentale Leistungsfähigkeit (54 Prozent) und sprachliche Grundkompetenzen (52 Prozent) durchaus zu wünschen übrig.
Trotz aller Schwierigkeiten bilden 91 Prozent der befragten Betriebe aus. Doch der Anteil der Unternehmen, die nicht ausbilden, stieg im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozentpunkte auf neun Prozent. „Viele Unternehmen geben die Ausbildung nur schweren Herzens auf – weil sie die jungen Menschen nicht mehr erreichen oder die Bedingungen zu schwierig geworden sind“, sagt Herre. Die Prognosen fallen entsprechend verhalten aus: 60 Prozent der Betriebe planen ein gleichbleibendes Ausbildungsplatzangebot. 26 Prozent wollen weniger ausbilden, nur 14 Prozent mehr – viele aus der Banken- und Versicherungsbranche.

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