Audi, Würth, Lidl und Co. – Wie Firmen aus der Region Nachwuchskräfte gewinnen
Viele Firmen haben ihre Angebote trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ausgebaut. Bewerbungen kommen immer kurzfristiger.

Ausbildung bleibt bei den großen regionalen Unternehmen ein zentrales Thema. Obwohl die herausfordernde konjunkturelle Situation eher dafür sorgt, dass die Firmen bei Investitionen und Personalaufbau zurückhaltend sind, wird an der Ausbildung offenkundig nicht gespart. Einige Unternehmen weiten ihr Lehrstellenangebot sogar aus, wie unsere Umfrage zeigt.
Audi passt das Ausbildungsangebot stetig an
Audi in Neckarsulm ist mit rund 300 Ausbildungsplätzen und dualen Studienplätzen einer der größten Ausbildungsbetriebe in der Region. Wie eine Sprecherin mitteilt, seien zum Ausbildungsstart am 1. September nahezu alle Plätze belegt. Ausbildung, Studienprogramme und das Traineeprogramm werden laut Audi "kontinuierlich an die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie die Entwicklung von Zukunftsfeldern wie Digitalisierung und Elektromobilität" angepasst, heißt es aus Neckarsulm.

Dass es aktuell weniger qualifizierte Bewerbungen gibt, führt Audi auf den Umstand zurück, dass immer mehr junge Menschen heute studieren wollten. "Das begrüßen wir grundsätzlich und reagieren darauf mit der kontinuierlichen Erhöhung der Plätze und Fachrichtungen für unsere dualen Studienprogramme", teilt eine Sprecherin mit. Sie weist darauf hin, dass Audi auch junge Menschen mit Startschwierigkeiten unterstütze, etwa durch eine Kooperation mit der Agentur für Arbeit im Rahmen des Förderjahr-Programms.
Würth geht bei der Ansprache junger Leute neue Wege
Die Künzelsauer Würth-Gruppe betont, dass sie auch in wirtschaftlich herausfordernder Zeit in Ausbildung investiere. "So entwickeln wir unser Ausbildungsangebot konsequent weiter und bieten 2024 über 150 Ausbildungsplätze für junge Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, insbesondere auch im technischen Bereich, an", teilt eine Sprecherin mit. Die Nachfrage sei auch in diesem Jahr hoch, die Adolf Würth GmbH & Co. KG konnte alle Stellen besetzen. Die Würth-Sprecherin räumt jedoch ein, dass die Suche nach Auszubildenden schwieriger wird. Das Hohenloher Unternehmen veranstaltet daher etwa After School Partys oder Events wie "Technik & IT Betas", um junge Menschen gezielt anzusprechen und sie mit dem Unternehmen bekanntzumachen.
In der Schwarz-Gruppe gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Ausbildung
Ein breites Spektrum an Ausbildungsberufen bietet die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe mit den Unternehmen Lidl, Kaufland, Prezero, Schwarz Produktion und Schwarz Digits. "Die Einsatzfelder reichen von Vertrieb über Verwaltung, Einkauf, Logistik, IT, Personal bis hin zu Recycling, Produktion, Bau- und Immobilienbereich sowie Gastronomie und einigen mehr", teilt das Unternehmen mit. Neben der dualen Ausbildung gibt es bei der Schwarz-Gruppe verschiedene andere Möglichkeiten wie ein duales Studium, Abiturientenprogramme, Praktika oder Traineeprogramme. Über alle Sparten hinweg haben die Unternehmen der Schwarz Gruppe für das aktuelle Ausbildungsjahr rund 4800 Ausbildungsplätze besetzt, teilt das Unternehmen mit.
Einen gestiegenen Bedarf an Auszubildenden haben die Unternehmen Schwarz Dienstleistungen, Prezero, Schwarz Produktion und Schwarz Digits. "Bei den Handelssparten Lidl und Kaufland bleiben die Ausbildungsplätze unverändert hoch", heißt es aus Neckarsulm. Die Planung erfolge stets bedarfsorientiert mit dem Ziel der Übernahme im Abschluss an die Einstiegsprogramme.
SLK-Verbund konnte alle Ausbildungsplätze besetzen

Alle Ausbildungsplätze besetzen konnte der SLK-Klinikverbund. Wie im Vorjahr stellte das Unternehmen rund 280 Auszubildende ein, mehr als 97 Prozent im medizinischen Bereich. Teilweise hätte man sogar mehr Plätze vergeben können als eingeplant waren, teilt eine SLK-Sprecherin mit. Neben den Auszubildenden beschäftigen die Kliniken wie im Vorjahr auch rund 70 Studenten, davon 80 Prozent im medizinischen Bereich.
Der Ventilatorenhersteller EBM-Papst hat in diesem Jahr erneut 65 Ausbildungsplätze angeboten. Allerdings konnten die Mulfinger nicht alle Plätze besetzen. "Vor allem in der gewerblich/technischen Ausbildung und bei den technischen Studiengängen gibt es noch freie Plätze", teilt eine Sprecherin mit. Bei EBM-Papst stellt man fest, dass die Bewerbungen immer später kommen als früher.
Stabile Ausbildungszahlen bei Bosch und Läpple
Bei Bosch in Abstatt konnten auch in diesem Jahr alle 15 Ausbildungsplätze besetzt werden. Unverändert auch das Angebot bei der Heilbronner Läpple-Gruppe. Der Autozulieferer hat 21 Auszubildende und neun Studenten eingestellt. Zusätzlich bildet Läpple 17 weitere junge Menschen für andere Unternehmen aus. "Wir erhalten durchschnittlich rund zehn Bewerbungen je Ausbildungsplatz - damit sind wir sehr zufrieden, kommen aber von einem höheren Niveau", sagt eine Sprecherin. Vor allem im gewerblichen Bereich gebe es weniger Bewerbungen.
Bausparkasse Schwäbisch Hall freut sich über viele Bewerbungen
Die Bausparkasse Schwäbisch Hall teilt mit, dass man es seit vielen Jahren schaffe, jedes Jahr rund 100 junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen. Das werde auch in diesem Jahr gelingen. "Nicht zuletzt werden die Weiterentwicklungsmöglichkeiten bei uns sehr geschätzt", sagt eine Sprecherin. Das Ausbildungsangebot werde ständig angepasst, um die passenden und benötigten Skills für die Zukunft rechtzeitig im Haus aufzubauen, heißt es aus Schwäbisch Hall.

Man erhalte weiterhin viele und gute Bewerbungen, aber der Zeitpunkt der Bewerbungen und der Zusagen rücke immer näher an den Ausbildungsbeginn. "Das bedeutet für uns entsprechend weniger Zeit zum Planen und Organisieren des umfangreichen Onboarding-Prozesses", erläutert die Sprecherin. Im Bereich Catering- und Veranstaltungsmanagement erhält die Schwäbisch-Hall-Gruppe aktuell weniger Bewerbungen, das Interesse an der Ausbildung zur Immobilienkauffrau sei hingegen sehr groß.
Kreissparkasse Heilbronn bildet mehr junge Menschen aus als geplant
48 junge Männer und Frauen starten bei der Kreissparkasse (KSK) Heilbronn demnächst ihre Ausbildung. Man habe aufgrund der positiven Bewerberlage mehr Auszubildende eingestellt als geplant, teilt ein KSK-Sprecher mit. Die Anzahl der Bewerbungen um Ausbildungsplätze und duale Studienplätze sei hinreichend bei leicht steigender Tendenz, so der Sprecher. Bei den Noten registriere man aber seit einigen Jahren Veränderungen bei der Ausgangsqualifikation der Bewerber. "Wir legen im Bankberuf aber nicht nur auf Notendurchschnitt Wert, sondern auch auf Persönlichkeitsmerkmale wie Kommunikationsfähigkeit und Kundenorientierung", betont der Sprecher.
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