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Aus Ludwigsburg ins All: Start-up geht mit Antriebssystem auf Weltraum-Reise

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Das Start-up ISPTech entwickelt Antriebssysteme für Satelliten und steht in diesem Jahr vor der ersten Mission. Für die Gründer ist es der vorläufige Höhepunkt jahrelanger Forschung und Entwicklung.

Für das Start-up ISPTech steht in diesem Jahr die erste Weltraummission an: Die Antriebssysteme der Ludwigsburger sollen noch 2026 im All zum Einsatz kommen.
Für das Start-up ISPTech steht in diesem Jahr die erste Weltraummission an: Die Antriebssysteme der Ludwigsburger sollen noch 2026 im All zum Einsatz kommen.  Foto: ISPTech

Das Jahr 2026 könnte für Lukas Werling und Felix Lauck das Ziel einer langen Reise werden: die Ankunft im Weltall. Zumindest im übertragenen Sinn. Denn die beiden Geschäftsführer des Start-ups ISPTech aus Ludwigsburg werden die Erde nicht persönlich verlassen – wohl aber das Antriebssystem, das sie mit ihrem Team über viele Jahre hinweg entwickelt haben.

Ein eigenes Produkt in den unendlichen Weiten des Weltraums: „Das ist das ultimative Ziel eines Ingenieurs in der Raumfahrttechnik“, sagt Felix Lauck über die Faszination, die das Duo seit Kindheitstagen antreibt. Perspektivisch ist die Reise zum Mond geplant, wo ein Satellit mit dem Antriebssystem der Ludwigsburger irgendwann nach Wasser suchen soll. „Das ist das, was unser ganzes Team motiviert“, sagt Lukas Werling.

ISPTech setzt auf chemische Alternativen zum krebserregenden Hydrazin

Als Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) am Standort Lampoldshausen hatten sich die beiden Gründer zunächst auf den Treibstoff der Zukunft fokussiert. „Wir wollten eine Alternative zu den konventionellen Treibstoffen entwickeln“, sagt Werling. Das seit den 1960er Jahren eingesetzte Hydrazin sei teuer, krebserregend und hochgiftig. „Im All ist das nicht entscheidend“, sagt Lukas Werling.

Die beiden Geschäftsführer Lukas Werling (rechts) und Felix Lauck in den Räumen des Start-ups in Ludwigsburg. Das Unternehmen, eine Ausgründung des DLR in Lampoldshausen, entwickelt Antriebssysteme für Satelliten.
Die beiden Geschäftsführer Lukas Werling (rechts) und Felix Lauck in den Räumen des Start-ups in Ludwigsburg. Das Unternehmen, eine Ausgründung des DLR in Lampoldshausen, entwickelt Antriebssysteme für Satelliten.  Foto: Peter, Martin

Aber am Boden sei die Handhabung aufwändig und gefährlich. ISPTech setzt auf chemische Alternativen und hat diese inzwischen zur Marktreife gebracht. Mehr noch: Denn der Treibstoff allein, merkten die Gründer bald, reichte nicht aus. „Es braucht auch das passende Antriebssystem“, sagt Felix Lauck. Basierend auf vielen Jahren Forschung entwickelt ISPTech heute robuste, kostengünstige Antriebslösungen für Satelliten.

Erste Mission bietet wichtige Daten zur Weiterentwicklung 

Seine ersten Systeme liefert das Start-up in den nächsten Monaten aus. Bis die Teile „Made in Ludwigsburg“ dann im All ankommen, hängt von zwei Faktoren ab: „Wann das System auf eine Rakete kommt und wann diese Rakete startet“, sagt Felix Lauck. Die Start-up-Gründer und ihr Team fiebern dem Tag entgegen – nicht nur, weil sich damit ein Kindheitstraum erfüllt. Sondern, weil die erste Mission dem Unternehmen neue Daten liefert.

„Das ist das ultimative Ziel eines Ingenieurs in der Raumfahrttechnik.“Felix Lauck

„Wir sehen dann, wo wir noch Verbesserungspotenzial haben und können unser System weiterentwickeln“, erklärt Lukas Werling. Das ist auch mit Blick auf Konkurrenten der Ludwigsburger wichtig: Der Wettbewerb im Bereich der stetig wachsenden kommerziellen Raumfahrt nimmt zu. Antriebssysteme anderer Unternehmen seien jedoch noch nicht ausgereift oder bedienen nur Nischen. „Wir wollen unseren Vorsprung natürlich ausbauen“, sagt Lauck.

ISPTech will weiter wachsen – Nachfrage nach Antriebssystemen ist gut

Das heißt auch: Das Start-up, das im April des vergangenen Jahres in die ehemaligen Räume von Mann + Hummel eingezogen ist, wird wachsen und personell aufstocken. „Das ist aktuell ein großes Thema“, sagt Werling. Die ersten Stellen seien ausgeschrieben. Das Team sei ausgelastet, aber die Nachfrage nach Antriebssystemen aus dem Hause ISPTech weiterhin groß.

Inzwischen arbeiten etwa 35 Menschen, davon zwölf Vollzeitkräfte, für das 2023 als Spin-off des DLR gegründete Start-up. Niederländer, ein Argentinier, Inder und demnächst ein US-Amerikaner – sieben Nationen sind vertreten, die Firmenspreche ist Englisch. Die gemeinsame Mission des Teams: mit InSpacePropulsion Technologies – so der komplette Unternehmensname – eine neue Ära der Weltraummobilität einzuläuten.

Start-up generiert erste Umsätze, ist aber noch nicht profitabel 

Die Ludwigsburger haben mit mehreren Unternehmen am Markt Verträge geschlossen. Das garantiert zwar erste Umsätze, noch aber ist das Unternehmen nicht profitabel, sagen die beiden Gründer. Seinen Vorsprung gegenüber Konkurrenten auf dem europäischen Markt verdankt das Start-up unter anderem dem Umstand, dass es die ersten Schritte unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik gemacht hat.

Im Rahmen eines Projekts waren die Gründerstellen finanziert, „so dass wir die Ausgründung vorbereiten konnten“, sagt Werling. In der Zeit machten sich Lukas Werling und Felix Lauck auch auf Investorensuche, sammelten in einer ersten Finanzierungsrunde zwei Millionen Euro für den Start ein. Gerade läuft Runde zwei. Auf lange Sicht reicht die Vision der Gründer weiter: „Wir möchten allerdings für jedes Raumfahrzeug eine passende Antriebslösung anbieten können“, sagt Felix Lauck.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik fördert Ausgründungen und ermutigt Mitarbeitende, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. „Dafür hat das DLR Strukturen etabliert, die die Identifikation vielversprechender Ideen und ihre Weiterentwicklung bis zu einem Prototypenstatus unterstützen“, teilt das DLR auf Nachfrage mit. Die Ausgründung von ISPTech sei „ein Paradebeispiel für den Transfer einer vielversprechenden Technologie“ in ein eigenes Unternehmen. 

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