Audi investiert dreistellige Millionensumme in Neckarsulmer Lackiererei
Audi hat am Mittwoch im Werk Neckarsulm seine Grundlackanlage eingeweiht. Warum das ein wichtiger Meilenstein für die Werksentwicklung ist.
15.000 Kubikmeter ausgehobene Erde, 2600 gesetzte Bohrpfähle, 1100 Tonnen verbauter Stahl und 13.700 Kubikmeter Beton: Nach zwei Jahren Bauzeit steht das neue Gebäude A22 mit einer Grundfläche von 12.000 Quadratmetern im Audi-Werk Neckarsulm.
Die vollautomatisierte Anlage der Lackiererei grundiert alle Modelle, die am Standort Neckarsulm und in den Böllinger Höfen in Heilbronn produziert werden. Die Anlage ist sowohl für Verbrenner wie den neuen A5 und den A7 (ab 2025) als auch für künftige Elektroautos konzipiert.
Audi Neckarsulm mit neuer Lackiererei: "Bauprojekt ist ein wichtiger Meilenstein"
„Mit der Investition in die neue Anlage stellt Audi die Weichen, um den Kurs in Richtung E-Mobilität fortzusetzen und um den Standort Neckarsulm auf eine nachhaltige Zukunft auszurichten", sagte Werkleiter Fred Schulze.

"Das Bauprojekt ist ein wichtiger Meilenstein innerhalb der Werkentwicklung und Teil einer zukunftsfähigen Infrastruktur für die Produktion.“
Investitionen in mehr Nachhaltigkeit
Audi hat in Neckarsulm zuletzt rund eine halbe Milliarde Euro in neue Gebäude und Produktionsanlagen investiert. Mit der Erneuerung der Lackiererei – mit geschätzten 150 Millionen Euro die größte Einzelinvestition - setzt Audi energie- und ressourcensparende Technologien ein. Bei der Fertigstellung im neuen Jahr soll die Lackiererei zu den modernsten und umweltfreundlichsten Anlagen in der gesamten Automobilbranche zählen.
Zahlreiche optimierte Prozesse würden den Energieverbrauch signifikant senken, so Werkleiter Schulze. Das sieht man bereits aktuell bei der Produktion des neuen A5. Zum Standard in der Lackiererei gehören nach Angaben von Audi etwa nachhaltige Lacke auf Wasserbasis.
Energieverbrauch signifikant reduziert
Zudem durchlaufen die Autos einen neuen Lackierprozess. Dabei wird der sogenannte Füller durch die integrierte Lackierung mittels eines Vorzonenlacks ersetzt. Vorteil: Die bisherige separate Trocknung des Füllers entfällt, womit sich der Energieverbrauch signifikant reduziert. Pro Fahrzeug lassen sich so bis zu 140 kWh einsparen.

„Mit der runderneuerten Lackiererei verfügen wir über eine der fortschrittlichsten Anlagen in der Automobilindustrie mit modernen Arbeitsbedingungen", sagt der Neckarsulmer Betriebsratsvorsitzende Rainer Schirmer. "Diese Investition unterstreicht unser Engagement für Nachhaltigkeit und sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts.“
Kathodische Tauchlackierung und Quertrocknung
Ein weiteres Beispiel ist die sogenannte kathodische Tauchlackierung zur Korrosionsvermeidung. Dabei wird die Karosserie jetzt in einem Rotationsverfahren kopfüber in das Becken getaucht und gedreht. Das ist nicht nur platzsparender und gründlicher als bisher, durch das neue Verfahren wird nach Angaben Audi ebenfalls Energie eingespart. Für Trocknung der kathodischen Tauchlackierung kommt ebenfalls ein neues, energieeffizienteres Verfahren zum Einsatz.
Anstatt der bisherigen Außentrocknung wird nun eine Quertrocknung durchgeführt, bei der Luft in den Innenraum geblasen und die Karosserie von innen heraus aufgeheizt wird. Neben der höheren Energieeffizienz ist der Quertrockner zudem besser geeignet für künftige Elektro- und Hybridfahrzeuge mit deren Anforderungen im Hinblick auf längere Aushärtezeiten.
Auch beim Decklack spart Audi Energie
Das Grundlack-Gebäude A22 ist mit dem benachbarten Decklack durch eine neu eingesetzte Brücke verbunden. Auch im Decklack hat das Unternehmen bereits Restrukturierungen durchgeführt. Eine Energieeinsparung von rund 50 Kilowattstunden pro Fahrzeug erreicht Audi dort durch einen neuen Lackabscheidungsprozess über Filter statt Wasser.

Bisher wurde der Lacknebel mit 100 Prozent Frischluft in Wasser aufgefangen und anschließend entsorgt. Bei der neuen Trockenabscheidung fangen ihn stattdessen hochmoderne Filter auf. Die gefilterte Prozessluft kann mit diesem Verfahren zu mehr als 90 Prozent wiederverwendet werden.
Werk Neckarsulm soll bis 2025 CO2-neutral werden
„Unser Ziel steht: Alle unsere Werke sollen bis zum Jahreswechsel bilanziell CO2-neutral sein. Neckarsulm und San José Chiapa in Mexiko werden gerade noch umgestellt, in allen anderen Werken ist das bereits der Fall – zum Beispiel auch in den Böllinger Höfen in Heilbronn“, sagte Audis Produktionsvorstand Gerd Walker im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. „Das funktioniert über viele Maßnahmen, unter anderem über die Eigenerzeugung und den Einkauf von Grünstrom.“
Der Standort Böllinger Höfe in Heilbronn war der erste deutsche Audi-Standort, der bilanziell CO2-neutral gestellt war. Bei der „Mission Zero“, wie Audi das Projekt nennt, biegt nun auch das Werk Neckarsulm insbesondere dank der rundum erneuerten Lackiererei auf die Zielgerade ein.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare