100 Jahre Südzucker: Ein Abend ohne wirtschaftliche Sorgen
Der Südzucker-Konzern feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einem Gala-Abend. Doch allzu edel sollte es auch nicht werden. Denn die aktuelle Lage spricht dagegen.

Dass es ein Spagat ist, ist allen bewusst. Eigentlich sind 100 Jahre ja ein Grund für eine große Feier, bei der keine Kosten und Mühen gescheut werden. Also hat auch Südzucker ordentlich aufgefahren: historische Objekte im Foyer des Mannheimer Kongresszentrums Rosengarten, Canapees, Sekt und DJ, edel gedeckte Tische im Saal, eigens konstruierte Drehbühne und eine TV-erfahrene Showband.
Aber das war es auch fast schon. Es gibt für die 450 Gäste kein ausgiebiges, mehrgängiges Menü mit passenden Weinen, keinen teuren Stargast, keine aufwendige Show, keine üppigen Gastgeschenke. Schließlich hat Südzucker ebenso Anlass zum Sparen wie Anlass zum Feiern: Die Zuckersparte leidet unter den niedrigen Weltmarktpreisen und schreibt rote Zahlen, die Bioethanolsparte steht nicht viel besser da, auch in den anderen Segmenten Frucht, Spezialitäten und Stärke hakt es an einigen Stellen. Aktuell dürften die steigenden Gas- und Ölpreise beim Lebensmittelproduzenten für noch mehr Verunsicherung sorgen. Immerhin werden einige Zuckerwerke nun auf Wärmepumpen umgestellt, unter anderem auch Offenau.
„Landwirtschaft ist unsere DNA“
Doch von all dem soll an diesem Abend natürlich keine Rede sein. Im Beisein von Bauernpräsident – und Aufsichtsratsmitglied – Joachim Rukwied wird vor allem die Rolle der Landwirtschaft im Konzern gelobt. Schließlich sind die Rübenbauern über ihre Verbände Mehrheitseigner von Südzucker. „Diese Verbindung ist einmalig“, bescheinigt Historiker Max Schlenker, einer der Autoren des Jubiläumsbandes. Und Vorstandschef Niels Pörksen meint schlicht: „Landwirtschaft ist unsere DNA.“
Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht holt weiter aus, sieht Europas größten Zuckerhersteller als Teil eines „green industry cluster“ in der Stadt. Wenn da nur die Finanzlage nicht wäre. „Wir spüren deutlich, wenn die Zuckermarktordnung kollabiert“, erinnert sich der Stadtchef an seine Zeit als Kämmerer, als Südzucker schon einmal in die Krise geraten war und die Gewerbesteuer zusammenschmolz. „Wir erhoffen uns ein weiter erfolgreiches Unternehmen.“
Warum Forschung und Entwicklung für die Mehrheitseigner so wichtig sind
Vielleicht macht ihm ja Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Streng Mut. Der Landwirt aus Franken, Inhaber eines Pflanzenzuchtbetriebs, stellt die Forschung in dem Unternehmen in den Mittelpunkt. An vier Standorten gebe es Labore, hinzu komme der „Innovationshub“ der österreichischen Tochter Agrana in Wien. „Wir sind in einem innovativen Unternehmen“, betont er. „Das Wichtige ist, dass man genügend Ideen hat, um am Ende auch genügend neue Produkte zu haben. Durch schwierige Zeiten entwickelt man sich fort.“ Die Landwirtschaft brauche jedenfalls Südzucker als Partner für Forschung und Entwicklung – nicht nur, was den Kampf gegen Pflanzenkrankheiten wie Stolbur und SBR angeht, die seit einigen Jahren die Zuckerrüben in Süddeutschland befallen. „Wir als Landwirte haben da alleine keine Chance.“
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