150 Jahre NSU-Sonderausstellung "Der fünfte Ring" kommt nach Neckarsulm
Es gab zahlreiche Sternstunden in der langen Geschichte des Motorrad- und Autoherstellers NSU aus Neckarsulm. Kurator Stefan Felber hat die Sonderausstellung "Der fünfte Ring" konzipiert - als Vorgeschmack für eine noch größere Sonderausstellung zum 150. Geburtstag.

Eine Geschichte voller Erfolge, voller Innovationen und auch vieler Rück- und Niederschläge: Wie die NSU vom Strickmaschinenhersteller in Riedlingen an der Donau zum weltgrößten Motorradhersteller aus Neckarsulm, zum Innovationsmotor und dann zum Juniorpartner der neuen Audi wurde, das lässt sich derzeit im Ingolstädter Audi-Museum Mobile verfolgen.
Dort hat Kurator Stefan Felber die Sonderausstellung "Der fünfte Ring" konzipiert - als Vorgeschmack für eine noch größere Sonderausstellung zum 150. Geburtstag im kommenden Jahr in Neckarsulm.
Vier Marken machten den Anfang
"Wir unternehmen gerade eine Zeitreise", sagt Stefan Felber, als es im Aufzug des Museum Mobile ins dritte Obergeschoss geht. Oben angekommen, wird man von einem Horch Tonneau von 1903 begrüßt. "Den hat August Horch dem Deutschen Museum vermacht, das ist eine Leihgabe", erzählt Felber.
Das Fahrzeug ist ein Startpunkt, doch das Museum bildet keine lineare Firmengeschichte ab. Das wäre angesichts der vielen Stränge auch gar nicht möglich, betont der gelernte Bankkaufmann und Jurist, der hier vor 22 Jahren als Quereinsteiger mit der Eröffnung des Museums begann und sich inzwischen zum wandelnden Automobil-Lexikon entwickelt hat.
Zu 80 Prozent ist die Ausstellung fürs kommende Jahr fertig

Mit Felber an der Seite geht es also zu weiteren Vertretern der Marken Horch, DKW, Wanderer und Audi - die allesamt 1932 zur Auto-Union verschmolzen wurden. Die vier Ursprungsmarken wurden ab diesem Zeitpunkt von den bekannten vier Ringen symbolisiert. Sie blieben auch, als 1969 ein weiterer Autobauer übernommen wurde: Die NSU AG in Neckarsulm. Den fünften Ring, den die damals neu entstandene Audi NSU Auto Union AG damit verdient hätte, den gab es nicht.
Diesem unsichtbaren fünften Ring widmet Felber nun die Ausstellung, deren Gerüst er "zu 80 Prozent" fertig hat. Diese sind derzeit in Ingolstadt zu besichtigen. Alles beginnt - natürlich - mit der Strickmaschine und dem wenig später gebauten Hochrad "Germania". Diese Anfänge der NSU-Geschichte sind auch Besuchern des Zweirad- und NSU-Museums in Neckarsulm bekannt.
Was dann an weiteren Schmuckstücken bereitsteht, lässt stolze NSUler noch ein wenig stolzer werden. Beispielsweise das älteste NSU-Auto im Audi-Bestand, der NSU 5/15 von 1914. Der Traum in Rot, mit beigefarbenen Sitzen und viel Holz und Messing, kam wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf den Markt. Es ist nicht die erste und nicht die letzte Sternstunde der Marke aus Neckarsulm.
Motorräder, die zwei Jahresgehälter kosten

Daneben stehen die Motorräder, die schon vor mehr als 100 Jahren einen Vorgeschmack auf den späteren Slogan "Vorsprung durch Technik" gaben, wie Felber erzählt. 1914 kostete etwa das hubraumstärkste NSU-Krad mit 1000 Kubikzentimetern Hubraum 1575 Mark. "Das war fast doppelt so viel wie ein Arbeiter damals im Jahr verdient hat."
Wie Heilbronn zu seinem Automobilwerk kam
In den 1920er Jahren brachte der Berliner Spekulant und Taxiunternehmer Jacob Schapiro als Großaktionär die NSU nach Heilbronn. Dort wurde ein zweites Automobilwerk für die "Droschken" gebaut, von denen Schapiro selbst 1200 in Berlin in Betrieb hatte.
Doch der zwischenzeitlich größte Automobilhändler Deutschlands verspekulierte sich und verkaufte das Heilbronner Werk an die Dresdner Bank und an Fiat, wie Felber erzählt. Er liefert somit auch die Erklärung, warum Heilbronn ab 1947 zur Fiat-Zentrale in Deutschland wurde und bis heute Sitz der Fiat-Bank ist.
Weiß war die deutsche Nationalfarbe auf den Rennstrecken
Der Kompressor-Rennwagen NSU 5/40 gibt einen Eindruck davon, wie NSU sich auf den Rennstrecken der Welt bewies. Wie alle deutschen Rennwagen war er weiß lackiert - die Nationalfarbe im Sport, wie Felber erzählt. Frankreich in Blau, England grün, Italien rot. Ferrari-rot. Bis heute sind diese Farben präsent.
Noch nicht in der Ausstellung zu finden ist der NSU 6/60, mit dem die Neckarsulmer 1926 den Großen Preis von Deutschland gewannen. "Der wird gerade fahrbereit gemacht", erzählt Felber. 2023 soll er in Neckarsulm wieder glänzen.
Tödlicher Unfall war das Ende aller Rennsport-Träume
Die Kriegszeiten sind ein eigenes Thema und werden im Museum nicht ausgeblendet. Das Kettenkrad, eine Kombination aus Kettenfahrzeug und Motorrad, wurde sogar nach dem Zweiten Weltkrieg noch produziert - als Zugmaschine für Landwirtschaft und Forstbetrieb, wie Felber erläutert. Mehr Freude bereiten die Meilensteine der frühen 50er Jahre, als NSU im Motorradrennsport als unschlagbar galt.
Der tödliche Unfall des Werksfahrers Rupert Hollaus in Monza beendete das Engagement damals schlagartig. Es nimmt das Ende des Zweirad-Booms nur um wenige Jahre vorweg.
NSU weckte das Interesse in Wolfsburg

Dann kommt die Zeit der großen Innovationen auf vier Rädern. Auf den Prinz folgen Wankel-Spider und Ro80. "NSU war damals die progressivste deutsche Auto-Marke", sagt Audianer Felber. "Zeitlos schön" findet er bis heute das Design des Ro80.
Obwohl kein Kassenschlager, weckte er doch das Interesse in Wolfsburg. So kam es 1969 zur Fusion mit Audi. Die drei Buchstaben NSU verschwanden 1985 aus dem Firmennamen. Was blieb, war der vor 51 Jahren erstmals verwendete Slogan "Vorsprung durch Technik". Dafür soll auch Neckarsulm weiterhin einstehen.
Sonderausstellung
1873 gründeten Christian Schmidt und Heinrich Stoll in Riedlingen das Unternehmen, das später nur noch als NSU bekannt war. Die drei Buchstaben gelten als Abkürzung für Neckarsulm, wohin Schmidt mit der Strickmaschinenfabrik 1880 umgezogen war. Zum 150. Geburtstag im nächsten Jahr kommt die Ausstellung "Der fünfte Ring" nach Neckarsulm. Der Starttermin steht noch nicht fest, Frühjahr 2023 ist angepeilt, teilt Kurator Stefan Felber mit. Wer sich in Ingolstadt vorab schon einen Eindruck davon machen möchte, kann dies im Museum Mobile tun. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt 2,50.



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