Meinung: VW muss noch die härteste Nuss von allen knacken
VW-Chef Herbert Diess macht Druck. Das tut er vielleicht ohne viel diplomatisches Geschick, aber aus gutem Grund, findet unser Autor.
Jede vierte Stelle bei VW könnte wegfallen - das soll der VW-Chef jüngst seinem Aufsichtsrat offenbart haben. Wie genau er das formuliert hat, garniert mit welchen Wenns und Abers und mit welchen Zahlen, das lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Aber eines kann als gesichert gelten: Herbert Diess wollte seine Kontrolleure ebenso wie sein Management und die Arbeitnehmervertreter wachrütteln.
Bei Osterloh hat Diess einst auf Granit gebissen
Das ist übrigens nichts Neues. Beim langjährigen Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte er mit seinen Vorstellungen vom Umbau des Stammsitzes Wolfsburg auf Granit gebissen. Der hat seinen Platz nun geräumt und die Seiten gewechselt. Inzwischen zeigt sich aber, dass eine langsam gewachsene Unternehmenskultur mitunter die härteste Nuss ist, die es zu knacken gilt.
Die Zeit läuft ihm davon. Nirgendwo gibt es die Entwicklungssprünge, die notwendig wären, um den Abstand des Tankers Volkswagen zum wendigen Schnellboot Tesla zu verkleinern. Die Betriebssystem-Software braucht mehr Zeit als gedacht, egal wie viel Geld man hineinsteckt. Der Entwicklung bei Batteriezellen läuft man noch hinterher. Digitalisierung im Kleinen wie im Großen lässt sich nicht verordnen.
Wettlauf gegen die großen Rivalen, das kleine Tesla
Nun will der VW-Konzernchef bei einer Management-Tagung in den Kitzbühler Alpen in dieser Woche seine Führungsriege einnorden. Mit dabei sind auch die obersten Audianer, denn nicht nur in Wolfsburg wird man sich bald am amerikanischen Rivalen messen lassen müssen. Gelingt es nicht, Produktivität und Effizienz schnell zu steigern, wird mit sonst am Ende doch noch das Thema Stellenabbau auf den Tisch kommen.

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