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Die Luft wird dünner

  
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Mit der Freigabe des Suez-Kanals steigt der Dax in der dritten Corona-Welle auf neuen Höchststand. Was auf den ersten Blick überrascht, lässt sich erklären. Doch immer so weiter wird es nicht gehen, warnt unser Autor.

Die Preise für eine Containerfracht aus China hatten sich schon vervierfacht, bevor die "Ever Given" sich im Suez-Kanal querstellte. Was passiert wäre, wenn sie wirklich über viele Wochen den Seehandel zwischen Europa und dem Nahen und Fernen Osten behindert hätte, mag man sich nicht ausmalen. Zehn Milliarden Dollar an Waren können an einem Tag durch den Kanal geschippert werden. Eine andauernde Blockade hätte für Maschinenbau und Autoindustrie in Deutschland eine erhebliche Belastung bedeutet. Schon jetzt sind die Lieferketten in vielen Bereichen eingeschränkt. Halbleiterchips sind Mangelware.

Nicht verwunderlich ist es da, dass mit Freigabe des Verkehrs im Kanal ein Aufatmen durch die Wirtschaft geht – und auch der Aktienmarkt profitiert. Doch verwundert sollte man schon sein, dass mitten in der dritten Corona-Welle der deutsche Leitindex Dax wieder einmal an einem Gipfelpunkt steht.

Was hier passiert, lässt sich mit den fehlenden Anlage-Alternativen erklären, mit den Negativzinsen. Und auch mit dem Zulauf an Kleinanlegern, die ihre Zeit zu Hause nutzen, um das Geld, das sie nicht ausgeben können, gewinnbringend in Aktien zu stecken. Das hat zuletzt bestens funktioniert. Der Dax legte innerhalb eines Jahres um 50 Prozent zu. Falsch machen kann man unter solchen Umständen fast nichts. Mancher hat höchstens zu früh seine Gewinne realisiert. Solange keine Insolvenzwelle anrollt, könnte die Hausse eine Weile andauern. Doch die Bewertung vieler Aktientitel lässt selbst Experten etwas ratlos zurück. Fürs Spekulieren ist die Luft jedenfalls dünn geworden.

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