Artemis-Rakete fliegt mit Technik aus Lampoldshausen zum Mond
Das nächste Nasa-Mondprogramm ist am Morgen erfolgreich gestartet. An diesem Mittwoch hob die bisher größte und stärkste Rakete der Welt in Florida Richtung Mond ab. Die Arianegroup in Lampoldshausen hat dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Mehrere Anläufe hat es gebraucht. Jetzt hat mit dem Start der größten Trägerrakete der Welt in Cape Canaveral eine neue Mondmission der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa begonnen – 50 Jahre nach dem Ende der letzten. Mit dabei sind diesmal die Europäer, und eine wichtige Rolle spielt der Raumfahrtstandort Lampoldshausen. Hier hat die Arianegroup die Triebwerke für das Europäische Servicemodul (ESM) von Airbus entwickelt.
Selbst im Livestream vom Kennedy Space Center in Florida ist zu sehen, welche Kraft die Rakete entwickelt, als sie abhebt. Tief ist das Grollen, mit dem vor allem die zwei Feststoff-Booster das 2600 Tonnen schwere Space Launch System (SLS) nach oben schieben. Bereits am Montag soll es den Mond in einer Entfernung von rund 100 Kilometern passieren.
Es ist der erste Start von mehreren im Artemis-Programm, diesmal noch unbemannt. Jetzt soll getestet werden, wie das Orion-Raumschiff zum Mond fliegt und wieder zurück. Das ESM-Modul ist das Antriebsmodul des Crew-Moduls, in dem bei einem der nächsten Starts die Astronauten Platz finden. Es versorgt sie zudem mit Sauerstoff und Wasser und bringt es in die richtige Lage und Ausrichtung – mithilfe der Triebwerke aus Lampoldshausen. „Das ist ein wesentlicher Beitrag“, sagt Arianegroup-Sprecher Jens Schröter gegenüber unserer Zeitung. „Ohne das, was in Lampoldshausen gemacht wird, würde das Ding nicht fliegen“, bringt er es auf den Punkt. Die Arianegroup ist hier im Auftrag von Airbus tätig.
Für die Europäer ist Artemis eine Premiere

Unternehmen und Einrichtungen in allen 50 US-Bundesstaaten haben an dem Artemis-Programm teilgenommen. Offenbar legten die Verantwortlichen viel Wert darauf, dass sich möglichst viele Menschen mit dem Vorhaben identifizieren. So auch die Europäer.
Für die Europäer ist es nämlich eine Premiere, dass sie an einem Programm der bemannten Raumfahrt beteiligt sind. „Bisher haben wir nur Nutzlast geliefert“, sagt Michael Bieler von der Arianegroup aus Lampoldshausen. Sein Kollege Stefan Ziegenhagen ergänzt: „Das ist ein Beleg, dass die Nasa die Expertise der Europäer auf diesem Gebiet schätzt.“ Die Zusammenarbeit sei immer auf Augenhöhe erfolgt.
Raumfahrtexperten erlebten den Start der Rakete an allen Raumfahrtstandorten in Europa. In Ottobrunn bei München, in Bremen oder auch in Lampoldshausen verfolgten Mitarbeiter von DLR, Arianegroup, Airbus und anderen beteiligten Unternehmen und Institutionen die Liveübertragung.
Alexander Gerst ist gespannt
Die deutschen Astronauten Alexander Gerst aus Künzelsau und Matthias Maurer aus St. Wendel im Saarland sind aussichtsreiche Kandidaten für eine künftige bemannte Mission der Amerikaner. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten zwei, vielleicht sogar drei Europäer zum Mond fliegen. Gerst hatte unlängst den Wert der Mondmission betont: „Der Mond ist der erste Schritt raus, hin zum Verständnis des kosmischen Umfelds.“
Wiedereintritt mit einigen offenen Fragen
Die Amerikaner erhoffen sich von dieser Testmission auch die Beantwortung der Frage, ob das Crew-Modul und sein Hitzeschild der besonderen Belastung gewachsen sind. Wenn sich Orion nach der mehr als 20-tägigen Reise wieder der Erde nähert, hat das Raumschiff eine Geschwindigkeit von 20.000 Meilen pro Stunde, erklärte ein Nasa-Vertreter kurz vor dem Countdown. Das sind 32.000 km/h.
Nachdem sich das ESM-Modul abgetrennt hat, wird das Crew-Modul in die Atmosphäre eintreten. Die Reibungswärme, die bei einem senkrechten Eintritt entsteht, wäre enorm und würde wohl die kleine Kapsel überhitzen. Also muss sie schräg auftreffen, um langsam abgebremst zu werden.
Die Gefahr: Wenn sie zu flach auftrifft, könnte sie wieder hinaus in den Weltraum katapultiert werden. Das gilt es zu vermeiden. Es gibt also einiges zu beachten bei dieser Mission. Frühestens 2025 soll dann das nächste - dann bemannte - SLS starten.
Mehr zum Beitrag der Arianegroup aus Lampoldshausen finden Sie hier.


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