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Attentat in Brüssel
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Höchste Terrorwarnstufe in Belgien und Frankreich - Was das bedeutet

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Welche Beschränkungen bringt eine Anhebung der Terrorwarnstufe auf das höchste Niveau? Und warum hat Deutschland kein solches Stufensystem?

von Christian Gleichauf und dpa
Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Schweden in Brüssel haben die belgischen Behörden die höchste Terrorwarnstufe in der Hauptstadt ausgerufen.
Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Schweden in Brüssel haben die belgischen Behörden die höchste Terrorwarnstufe in der Hauptstadt ausgerufen.  Foto: Nicolas Landemard (AP)

Nach tödlichen Schüssen auf zwei Menschen in Brüssel gilt für die belgische Hauptstadt die höchste Terrorwarnstufe des Landes. „Bedrohungsstufe 4 für die Region Brüssel-Hauptstadt“, schrieb das belgische Krisenzentrum am Montagabend auf X, ehemals Twitter. Bereits am Freitag hatte Frankreich nach der tödlichen Messerattacke eines Islamisten in einer Schule die höchste Terrorwarnstufe verhängt. In der aktuellen Lage und nach dem Terroranschlag in Arras habe sie beschlossen, die höchste Warnstufe „Notfall Attentat“ zu verhängen, teilte Premierministerin Élisabeth Borne am Freitagabend mit.

Grundsätzlich werden mit den Terrorwarnstufen Abläufe bei Sicherheitsbehörden und der Informationsfluss geregelt. In Belgien etwa gibt es das OCAD (auch KOBA), das Koordinierungsorgan für die Bedrohungsanalyse.

Höchste Terrorwarnstufe: Keine automatischen Einschränkungen in Belgien

Das OCAD besteht seit 2006 und bewertet die Bedrohungslage in und gegen Belgien. Unterstützt wird es dabei von der Staatssicherheit, den Nachrichten- und Sicherheitsdiensten, der Polizei und weiteren Stellen.

„Der Dienst setzt die Puzzleteile zusammen und gibt einen Überblick über mögliche Bedrohungen“, erklärt der OCAD auf seiner Internetseite. „Das Koordinierungsorgan bringt die richtigen Akteure an einen Tisch und baut Brücken zwischen den Diensten.“ In anderen Worten, er verbinde die Punkte.  Koordinierung stehe im Mittelpunkt.

Für die Bürger hat die Warnstufe somit keine unmittelbaren Konsequenzen. Weder ist automatisch die Reisefreiheit, noch sind andere Rechte eingeschränkt. Allerdings können die Behörden mit unterschiedlichen Maßnahmen auf die Lage reagieren.

Durch die Warnstufe kann die Regierung auch Rechte einschränken

Frankreich greift stärker durch

In Frankreich wurde die Terrorwarnstufe auf "Urgence attentat" erhöht, übersetzt „Notstand Attentat“. Es ist auch hier die höchste Stufe. Dem Staat werden damit automatisch mehr Befugnisse übertragen. Betroffen davon sind unter anderem Versammlungen, der Schutz von Einrichtungen und Gebäuden, das Thema Cybersicherheit, der Verkehr und die verschiedenen Kommunikationsnetze. Mit der erhöhten Terrorwarnstufe wird in der Regel die Zahl der Beamten aufgestockt. Durch die Warnstufe "Urgence attentat" kann die Regierung auch gewisse Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit einschränken.

Deutschland ist das Stufensystem zu pauschal

Deutschland hat keine Terrorwarnstufen. „Die Lage kann sich je nach Region unterschiedlich gestalten, sogar innerhalb einer Stadt kann sich die Gefährdungslage unterscheiden“, schreibt das Bundesinnenministerium auf seiner Website. "Warnstufen" gäben das unzutreffende Gefühl, die Gefahr sei überall gleich groß. „Warnstufen können also auch dazu beitragen, das Gefühl einer Unsicherheit unnötig zu verstärken.“

 

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