Meinung: Vielleicht sind wir schon mittendrin im chinesischen Zeitalter
Lieferengpässe könnten ein Hinweis auf die neue Vorherrschaft Chinas sein, fürchtet unser Autor.
In der deutschen Wirtschaft glaubt man immer weniger an die Erzählung, dass das Homeoffice für den anhaltenden Chipmangel verantwortlich ist. Nachdem sich die Preise für Silizium innerhalb von Wochen vervierfacht haben, China seine Förderung komplett zum Erliegen brachte, ist die Frage mehr als angebracht, ob solche Vorgänge noch mit Pandemie-Verwerfungen und Klimaschutzbemühungen zu erklären sind. Sie könnten Resultat einer knallharten chinesischen Wirtschaftspolitik sein, die still und leise Fakten schafft.
Keine Ansatzpunkte für Verhandlungen
Nachweisen lassen sich die potenziell machtpolitischen Hintergedanken natürlich nicht so einfach wie bei Donald Trump, der zur Einführung neuer Zölle und Importquoten ein Feuerwerk auf Twitter abbrannte. Entsprechend schwer ist es denn auch, darauf zu reagieren. Wenn ein Staat gar nicht offen aggressiv agiert, kann man mit ihm auch nicht über Zugeständnisse oder neue Abmachungen verhandeln.
Auf Schlüsseltechnologien sollten wir nicht verzichten
Deutschland und Europa müssen damit rechnen, dass es künftig vermehrt solche verdeckten Aktionen gibt. Bereits 2017 hat die "FAZ" den "Beginn des chinesischen Zeitalters" ausgerufen. Wie dort schon beschrieben, geht China in der Regel nicht auf Konfrontationskurs, sondern erreicht seine Ziele auf anderem Weg. Möglicherweise sind wir diesem Zeitalter schon mittendrin.
Den Ausweg in mehr Protektionismus zu suchen, wie Trump es vormachte, dürfte kaum zielführend sein. Doch mehr denn je müssen Deutschland und Europa versuchen, Schlüsseltechnologien und Schlüsselindustrien hier zu halten oder wieder zurückzuholen.

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