Semesterstart an den Hochschulen wird verschoben
Der Start des Sommersemesters wird an allen Hochschulen in Baden-Württemberg bis nach Ostern verschoben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Auch bei den Schulen könnte es weitere Vorgaben geben.

Die Staatstheater in Stuttgart und Karlsruhe werden zudem ihre Vorstellungen bis nach den Osterferien komplett absagen. An diesem Donnerstag diskutieren die Kultusminister Schutzmaßnahmen für die Schulen. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erwartet, dass es in diesem Jahr keine Abituraufgaben geben wird, die in allen Ländern gestellt werden.
Die Verschiebung des Semesterstarts betrifft nach Angaben von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) vor allem die Hochschulen für angewandte Wissenschaften. An den Universitäten starten die Vorlesungen in der Regel erst nach Ostern. Eine Ausnahme sei die Uni Mannheim, die bereits im Februar begonnen hat. Forschungen seien nicht betroffen. "Wir wollen den Prozess der Ausbreitung verlangsamen", begründete die Grünen-Politikerin den gemeinsam mit Sozialminister Manne Lucha (Grüne) formulierten Erlass. Bisher sei Baden-Württemberg noch in der Lage, die Infektionswege nachvollziehen zu können. Dies müsse möglichst lange so bleiben.
An der HHN geht es voraussichtlich am 20. April weiter
Die Hochschule Heilbronn informierte am Mittwoch über den verspäteten Vorlesungsstart. Statt wie geplant am 16. März geht es nun voraussichtlich am 20. April los. "Wichtigstes Anliegen ist es, die Gesundheit der Studierenden, Beschäftigten und Lehrenden zu schützen", sagt Rektor Oliver Lenzen. Zuvor hatte die Hochschule Veranstaltungen wie die Nacht der Technik und die Graduierungsfeiern abgesagt oder verschoben.
An der DHBW Heilbronn war schon tags zuvor ein Aufruf ergangen, alternative Lernformen zu nutzen, berichtete am Vormittag Professor Thorsten Krings. Zu jenem Zeitpunkt war noch nicht geplant, Veranstaltungen ganz auf Online-Betrieb umzustellen. Allgemein kritisierte der Professor für Personal und Führung im Studiengang BWL-Dienstleistungsmanagement, dass die deutschen Hochschulen bei solchen Technologien um wenigstens fünf Jahre anderen europäischen Ländern hinterherhinkten.
Für Furore sorgte die Forderung des Philologenverbands, alle Schulen bis zu den Osterferien zu schließen. "Wenn nicht sofort drastische Maßnahmen zur Eindämmung eingeleitet werden, könnten in drei Wochen in Baden-Württemberg Zehntausende infiziert sein", begründete der Verband der Gymnasiallehrer seinen Vorstandsbeschluss.
Minister sind gegen pauschale Schließungen von Schulen
"Dass der Philologenverband nun den Ausnahmezustand ausruft, halte ich für unverantwortlich", kritisierte Eisenmann. Pauschale Schließungen von Schulen und Kitas seien nach wie vor nicht das Gebot der Stunde. Lucha wies auf bestehende Vorgaben für einzelne Schulschließungen hin, wenn Schüler sich in Risikogebieten aufgehalten hatten. Auch der SPD-Abgeordnete Stefan Fulst-Blei sprach von einer "überzogenen Forderung". Wer die Schließung aller Schulen wolle, müsse Antworten liefern, wer die Kinder dann betreut.
Derweil suchen die Kultusminister nach Wegen zur Durchführung des Abiturs in Zeiten des Coronaschutzes. Eisenmann erwartet, dass die Runde an diesem Donnerstag die Pflicht zur Nutzung des bundesweiten Aufgabenpools aussetzt. Auf diese Weise könnten die Länder die Prüfungstermine leichter variieren. Eine komplette Verschiebung hält die CDU-Ministerin aus heutiger Sicht im Südwesten nicht für notwendig. Stattdessen könnten zusätzliche Termine für Nachprüfungen angesetzt werden.
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