An schweren Tagen leichter sein

Menstruation geht auch ohne Einwegprodukte

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Nachhaltige Alternativen zu Tampons und Co. können nicht nur für mehr Wohlbefinden während der Regelblutung sorgen, sondern verhindern zudem Unmengen an Müll.   

Sie betrifft ungefähr ein Viertel der Weltbevölkerung – und doch ist die Menstruation ein Tabuthema. Nicht nur in den ärmsten Ländern dieser Erde, wo noch immer Mädchen in dieser bestimmten Zeit des Monats kein normales Leben führen können, weil sie zum Beispiel als unrein gelten oder sich weder Binden noch Tampons kaufen können. So gesehen sind wir Frauen in der westlichen Welt privilegiert. Und doch ist das Thema auch bei uns keines, über das man gerne oder gar selbstbewusst spricht. Frau macht ihre Tage bestmöglich mit sich allein aus. Das ist mal leichter, aber oft auch belastend. Sei es aufgrund von Schmerzen, sei es wegen des Gefühls auszulaufen oder schlicht, weil wir uns nicht fühlen wie wir selbst. Noch dazu in Gedanken stets auf der Suche nach der nächsten Toilette.

Doch es gibt Möglichkeiten, sich an schwereren Tagen leichter zu fühlen. Und zwar immer mehr. Mehr Wohlbefinden und ein offenerer Umgang mit der Menstruation stehen dabei genauso vorne an wie der Umweltgedanke. Laut dem Menstrual Hygiene Monitor 2019, einer repräsentativen Umfrage zu Menstruation und Monatshygiene, kaufen 96 Prozent der menstruierenden Frauen in Deutschland Einwegprodukte. Meistgenutzt sind demnach Tampons (76 Prozent), 63 Prozent verwenden Binden. Weltweit werden auf diese Art pro Jahr etwa 45 bis 50 Milliarden Einwegprodukte weggeworfen – und die enthalten zum Großteil Plastik, was wiederum Jahrhunderte benötigt, um zu verrotten. Dazu kommt der Verpackungsmüll von Binden, Tampons und Co. – ebenfalls meist Plastik.

Neben Artikeln wie der Menstruationstasse hat deshalb zuletzt vor allem Menstruationsunterwäsche auf dem Markt Einzug gehalten, sogar Drogeriemärkte bieten sie zwischenzeitlich an. Nachhaltige Menstruationsprodukte haben laut den Produzenten dabei gleich mehrere Vorteile: Keine Chemikalien, keine Reizungen der Haut, keine Kunststoffasern sowie keine genmanipulierte oder mit Pestiziden versetzte Baumwolle, die zum Einsatz kommt. Nicht zuletzt natürlich: weniger Müll.

Häufig werden die Einwegprodukte direkt in der Toilette entsorgt. „Auf dem Weg zur Kläranlage gelangen bereits Mikropartikel bis ins Meer; auch werden nicht alle Produkte aus dem Wasser gefiltert“, heißt es vonseiten des australischen Unternehmens Modibodi, dessen Produkte mittlerweile auch auf dem deutschen Markt erhältlich sind. Die junge Mutter Kristy Chong hatte es 2013 gegründet. Die Folge: „Im Meer und an den Küsten befinden sich zahlreiche Bestandteile von Binden und Tampons, wie Säuberungsaktionen drastisch zeigen – jeder in England gereinigte Strand war mit über 1000 Teilen Monatshygiene belastet.“

Die Menstruationswäsche besteht in der Regel aus nachwachsenden und abbaubaren Materialien wie Bio-Bambus und Merinowolle.

Die Flüssigkeit wird ins Innere der Unterhose geleitet und dort aufgesogen. So versprechen die Anbieter den Frauen ein trockenes, angenehmes Tragegefühl bei gleichzeitig hoher Saugfähigkeit. In unterschiedlichen Styles, Größen und Saugstärken gibt es die Höschen, die auf den ersten Blick aussehen wie ganz normale Unterwäsche. Je nach Stärke der Blutung können Frauen so auf den passenden Slip zurückgreifen. Die sollen das Blut mehrerer Tampons aufnehmen können. Ooia etwa, ein junges Start-up zweier Frauen aus Berlin, kam 2018 auf den Markt und wirbt damit, dass das saugstärkste Modell 30 ml Flüssigkeit absorbiert – das entspricht bis zu sechs Tampons.

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Quelle: ooia/Erdbeerwoche.de

Hygiene

Der Slip wird direkt nach der Nutzung kalt ausgewaschen und schließlich bei 40 Grad in die Waschmaschine gesteckt. Ein Haken für Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. „Es sollten nur Periodenslips verwendet werden, die nach vorheriger Reinigung bei mindestens 60 Grad gewaschen werden können.“ 40 Grad seien nicht hygienisch genug. „Wenn Mehrweg-Binden verwendet werden, sollten auch diese eine 60- beziehungsweise 90-Grad-Wäsche vertragen.“ Am hygienischsten sind laut Albring Einmal-Menstruationsbinden und Einmal-Tampons, die von der Größe her der Blutungsstärke angepasst sein sollten. „Bei allen wiederverwendbaren Produkten steht die Frage im Raum, wie sie keimfrei gemacht werden können, um später keine Infektionen hervorzurufen.“ Aus rein medizinischer Sicht sieht er keinen Grund, zu Periodenunterwäsche zu greifen.

Katrin Engel von Ooia erklärt dazu, man habe auf ein spezielles Membransystem gesetzt, das die Flüssigkeit aufnimmt und am Auslaufen hindere – bei gleichzeitig bakterienhemmender Oberfläche. „Gynäkologinnen haben uns bestätigt: Wenn keine bakterienhemmenden Wirkstoffe verwendet werden und die Periodenunterwäsche nur bei 30 bis 40 Grad gewaschen werden darf, dann vermehren sich Bakterien ungehindert und auch die Wäsche tötet sie nicht ab. Das ist gesundheitlich wirklich bedenklich, weil sich Keime ungehindert vermehren können und so zu üblen Gerüchen und im schlimmsten Fall zu Krankheiten führen können.“ Deshalb habe man sich für Silberchlorid entschieden, da es gegen Bakterien sehr effektiv wirke. „Silber wird seit Jahrhunderten zum Schutz vor Krankheiten eingesetzt. Bereits im antiken Griechenland und Rom wurde es genutzt, um Wasser zu desinfizieren.“ Die bakterienhemmende Funktion wurde vom Hohenstein Institut zertifiziert. „Dafür hat die Wäsche vorab viele Tests durchlaufen.“

Bei Modibodi erklärt man, mit den neuesten antimikrobiellen Fasern zu arbeiten, die von Natur aus bereits eine antibakterielle Wirkung hätten. „Diese Fasern mit antibakteriellen Eigenschaften, die keine Verwendung von Nanotechnologie erfordern, beseitigen Bakterien und Gerüche, sodass die Periodenunterwäsche nach dem Tragen und Ausspülen mit kaltem Wasser mit der übrigen Wäsche bis maximal 30 bis 40 Grad gewaschen werden kann und damit hygienisch gereinigt ist“, betont Luisa Jürgen-Lohmann.

Immer beliebter

Neben Unterwäsche sind auch Menstruationstassen, die es bereits seit vielen Jahrzehnten gibt, wieder verstärkt im Gespräch. Sie gelten aber gerade unterwegs häufig als unpraktisch, da sie nach dem Herausnehmen gründlich ausgespült und mit sauberen Händen wieder eingesetzt werden sollen. „Nach dem Reinigen am Ende eines Menstruations-Zeitraums sollten sie erhitzt werden, wenn das Material das zulässt“, erklärt Dr. Christian Albring. In Einzelfällen sei beobachtet worden, dass eine Spirale beim Herausnehmen der Menstruationstasse mit herausgezogen wurde. Und: „Manchmal sitzt eine Menstruationstasse so fest, dass die Frau sie nicht selbst wieder entfernen kann.“

Dennoch wird sie zunehmend beliebt – befragt man Google Trends, stellt sich heraus, dass die Nachfrage seit etwa fünf Jahren markant gestiegen ist. Immerhin kann man die Tasse über Jahre verwenden, spart also am Ende deutlich Kosten, zudem fällt wie auch bei der Menstruationsunterwäsche kein Müll an. So darf frau für sich herausfinden, womit sie zurechtkommt und sich gut fühlt. Gerade in diesen Tagen. Stefanie Sapara
     

Fakten rund um die Periode

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Ein Viertel der Weltbevölkerung menstruiert jeden Monat.

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Eine Frau benutzt etwa 10 000 bis 17 000 Tampons im Laufe ihres Lebens.

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Frauen ohne Zugang zu Monatshygiene verlieren pro Jahr rund 50 Tage in der Schule oder Arbeit und haben damit bis zu 5 Jahre weniger Schulbildung.

Pro Jahr werden weltweit etwa 45 Milliarden Tampons/Binden weggeworfen – 20 Milliarden landen allein in den USA auf Müllkippen. Diese brauchen Jahrzehnte bis Jahrhunderte bis sie dekompostieren – zum Teil zu Mikroplastik. Allein in Deutschland werden pro Jahr 1,5 Milliarden Tampons verbraucht.

Noch mehr Fakten

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Frauen bekommen ihre Periode im Alter zwischen 9 und 16 Jahren – vor 100 Jahren war das Durchschnittsalter 17.
     

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Inhaltsstoffe von herkömmlichen Tampons und Binden sind nicht deklarationspflichtig – obwohl sie im oder am Körper getragen werden. Sie bestehen teilweise aus gebleichter Baumwolle und Plastik.

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Jede Frau hat im Schnitt 450 Zyklen und blutet über 3500 Tage ihres Lebens – fast 10 Jahre.

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Eine Umfrage ergab, dass eine Frau im Schnitt 5 Unterhosen pro Jahr wegen Blutflecken wegwirft.

Periodenunterwäsche im Test

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Foto: Ooia

Die Slips von Modibodi und Ooia im Test sehen aus wie normale Unterwäsche. Sie tragen sich weich und sehr angenehm. Die Befürchtung, ein Windelgefühl zu verspüren, bewahrheitet sich nicht. Allerdings: Selbst wer die sehr saugstarken Hosen verwendet, hat an den ganz starken Tagen womöglich ein sichereres Gefühl, wenn sie – gerade unterwegs oder in der Nacht – zusätzlich einen Tampon verwendet. Ansonsten erfüllen die Slips absolut ihren Zweck. Das Tragegefühl ist auch nach Stunden ein trockenes und angenehmer als bei Binden. Wer auf die Menstruationswäsche umsteigen möchte, sollte aber fünf bis sieben Hosen (unterschiedlicher Stärke) besitzen. Das kostet erst einmal. Jedoch: Auch für die Einwegprodukte muss Geld investiert werden. Geht man von einer Haltbarkeit der Wäsche von etwa zwei Jahren aus, amortisiert sie sich.