Neckarsulmer Einwohner-Info verdeutlicht schwierigen Weg für das Aquatoll

NECKARSULM Stadt macht Diskussion über Zukunft der örtlichen Bäderlandschaft und des Aquatolls transparent

An der Einwohnerinformationsveranstaltung zur Zukunft der Neckarsulmer Bäderlandschaft nahmen rund 150 Besucher in der Ballei-Sporthalle teil. Weitere hatten sich per YouTube zugeschaltet. Foto: snp

Bevor der Gemeinderat abschließend über die Zukunft der Neckarsulmer Bäderlandschaft entscheidet, hat die Stadt Entscheidungsgrundlagen und Handlungsoptionen in einer Einwohnerinformationsveranstaltung nochmals transparent dargestellt. Oberbürgermeister Steffen Hertwig begrüßte rund 150 Besucher in der Ballei-Sporthalle. Etwa ebenso viele verfolgten die Bürger-Info per Live-Stream auf dem städtischen YouTube-Kanal. Moderiert wurde die Veranstaltung von Beraterin und Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin Claudia Reiser.

Sanierenoder schließen Mit der Zukunft der Neckarsulmer Bäderlandschaft steht auch die Zukunft des Erlebnisbades und der Saunalandschaft zur Diskussion. Soll die Stadt das Aquatoll komplett sanieren und attraktiver machen oder für immer schließen? „Es geht um eine der wichtigsten kommunalpolitischen Fragen in unserer Stadt“, verdeutlichte Hertwig die Tragweite der Entscheidung.

Es gibt drei Handlungsmöglichkeiten, die Neckarsulmer Bäderlandschaft neu auszurichten, damit sie zukunftssicher ist, auf lange Sicht finanzierbar bleibt und ein Schwimm- und Bewegungsangebot für die Bürgerschaft ermöglicht. Die verschiedenen Lösungen führen in der Konsequenz entweder zum Erhalt oder zum Abriss. „Das macht die Entscheidung über die Zukunft des Aquatolls sehr komplex“, bemerkte der OB und fügte hinzu: „Aber wir jonglieren ganz bewusst mit mehreren Bällen, um am Ende die beste Entscheidung im Sinne der Stadt treffen zu können."

„Für viele Einwohner ist das Aquatoll aus Neckarsulm nicht wegzudenken", räumte der OB ein. „Und da bin ich ganz ehrlich: Mir geht es genauso." Aber angesichts der hohen Investitionskosten von bis zu 37,5 Millionen Euro und der unverändert hohen Folgekosten von bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr allein für Erlebnisbad und die Sauna (ohne Abschreibungen) bekräftigte Hertwig sein Urteil: „Ich persönlich halte die Sanierung und Attraktivierung des Aquatoll für schwer verantwortbar." Er erinnerte an die vielen kommunalen Aufgaben in den Bereichen Bildung, Mobilität, Klimaschutz und Digitalisierung und erklärte: „Das, was wir jetzt entscheiden, muss auch in 20 oder 25 Jahren noch finanzierbar sein. Das Gesamtpaket aus Investition und dauerhaftem jährlichen Defizit kann sich auch eine starke Stadt wie Neckarsulm nicht mehrleisten." Auch die Fraktionen im Gemeinderat hatten in der öffentlichen Sondersitzung am 21. März gegen die Komplettsanierung gestimmt.

Privater Investor? Als Alternative kann sich Hertwig ein kleineres, auf die Bedürfnisse der Neckarsulmer zugeschnittenes Wilfenseebad vorstellen. Dieses richtet sich an die örtlichen Schulen, Vereine, Familien und Freizeitgruppen und ist als Schwimmhalle mit Kleinkindbereich konzipiert. Zunächst entscheidet der Gemeinderat in der öffentlichen Sitzung am 28. April, ob das Aquatoll saniert werden soll. Sollte sich das Gremium gegen die Komplettsanierung entscheiden, bleibt als letzte Möglichkeit der Versuch, das Bad ganz oder teilweise zu privatisieren. Her twig hatte darüber informiert, dass es Sondierungsgespräche mit einem Investor gibt, der eventuell Interesse am Aquatoll zeigt. Der OB dämpfte jedoch die Erwartungen: "Ob diese Lösung überhaupt zum Tragen kommen könnte, ist völlig unklar." Zudem würde auch ein privater Investor verlangen, dass sich die Stadt finanziell beteiligt. "Indiesem Fall müsste die finanzielle Belastung der Stadt klar definiert und begrenzt werden."

Sauna privatisieren Auf jeden Fall möchte die Stadt den Saunabetrieb privatisieren. Sowohl eine komplett sanierte Saunalandschaft am beste henden Standort als auch ein neu errichteter Saunabereich sollen von einem privaten Anbieter betrieben werden. Eine klare Absage erteilte der OB der Möglichkeit, dass Erlebnisbad mit einer Boosterung technisch soweit zu modernisieren, dass es für einen begrenzten Zeitraum weiter betrieben werden kann. Die se Idee war im Gespräch, um die Übergangszeit bis zur Inbetriebnahme des möglichen neuen Wilfenseebads zu überbrücken. Damit würde die Betriebssicherheit in puncto Brandschutz und Lüftungstechnik übergangsweise wieder hergestellt. Aber dieses Vorgehen verursacht hohe einmalige Investitionskosten von etwa 2,5 Millionen Euro. Diese Summe wäre nicht nachhaltig investiert, weil das Aquatoll abgerissen wird, sobald das Wilfenseebad als Ersatzlösung zur Verfügung steht. Der Betrieb wäre während der Bauzeit stark eingeschränkt und außerdem würde dann das Aquatoll-Areal als Standort für das Wilfenseebad von vorneherein ausscheiden.

Kurzfristige Schließung Ohne Sanierungsbeschluss und Boosterung ist das endgültige Aus für das Erlebnisbad besiegelt. Dann müsste es mit der Saunalandschaft kurzfristig geschlossen werden. Im Falle der Nichtsanierung hätten wir das Bad gerne noch ein paar Wochen lang offen gehalten“, versicherte Hertwig. Da aber jetzt die Freibadsaison beginnt und die Personalsituation wegen der unsicheren Zukunftsperspektive abbröckelt, sei die kurzfristige Schließung wohl nicht abzuwenden. "Der Weg hin zu einer endgültigen Entscheidung enthält viele Abzweigungen“, fasste OB Hertwig die Inhalte der zweistündigen Informationsveranstaltung zusammen. „Aber so ist das bei Projekten dieser Dimension und Relevanz. Verwaltung und Gemeinderat werden bei jeder dieser Abzweigungen prüfen, welche Richtung eingeschlagen werden soll. snp


Projekt-Homepage

Bei der Einwohnerinformationsveranstaltung erhielten die Teilnehmer eine Stunde lang Gelegenheit, Fragen an die Fachleute auf dem Podium zu richten. Alle Fragen, die im Zeitrahmen der Veranstaltung nicht geklärt werden konnten, werden im Nachhinein auf der Projekt-Homepage unter www.baederlandschaft-neckarsulm.de beantwortet. Dort finden Interessierte auch alle weiteren Informationen zu den verschiedenen Handlungsoptionen in Sachen Aquatoll.snp


Endgültige Entscheidung

Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Aquatoll Erlebnisbades rückt näher. Der Neckarsulmer Gemeinderat entscheidet in der öffentlichen Sitzung am Donnerstag, 28. April, ab 18.30 Uhr in der Sporthalle der Ballei über eine der wichtigsten und weitreichendsten kommunalpolitischen Fragen der jüngsten Zeit: Soll die Stadt das Aquatoll komplett sanieren und attraktiver machen oder das Erlebnisbad für immer schlieBen? Sollte der Gemeinderat den Baubeschluss zur Sanierung nicht treffen, zeichnet sich jetzt der mögliche Schließtermin ab. In diesem Fall müssten Erlebnisbad und Sauna den öffentlichen Badebetrieb entweder ab Montag, 2. Mai, oder ab Montag, 16. Mai, endgültig einstellen. Der genaue Schließtermin hängt vom tatsächlichen Beginn der Freibadsaison ab. Sollte der geplante Start der Freibadsaison am 1. Mai um zwei Wochen verschoben werden, könnte das Aquatoll entsprechend länger geöffnet bleiben. snp