Kinder schon früh ans Wasser gewöhnen

2021 ereigneten sich deutschlandweit 299 tödliche Badeunfälle - Schwimmen lernen kann lebensrettend sein

Schwimmen zu können kann lebensrettend sein. Deshalb ist es so wichtig, die Kinder schon früh an das Element Wasser zu gewöhnen. Foto: dpa

Endlich startet sie wieder, die Badesaison. Blauer Himmel, warme Temperaturen und daskühle Nass, diese drei Dinge gehören für viele unabdingbar zusammen. Für passionierteWasserratten gibt es kaum etwas Schöneres, als sich bereitwillig in die Fluten zu stürzen. Ob Freibad, Fluss, See oder Meer: Planschen und Schwimmen muss einfach sein.

Fatale Folgen Ist es richtig heiß, zieht es im Sommer auch jene an und ins Wasser, die das Schwimmen nie richtig gelernt haben. Die fatale Folge: Allein im Jahr 2021 sind in der Bundesrepublik laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft, kurz DLRG, wieder 299 Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Unter anderem auch deshalb, weil sie sich in Gefahrensituationen falsch verhalten haben.

Zwar ist die Zahl rückläufig (im Vergleich zu 2020 wurden 79 Todesfälle weniger registriert), doch ist jeder tödliche Badeunfall einer zu viel. So warnt die DLRG auch in diesem Jahr wieder vor Selbstüberschätzung im Wasser. Ihr dringender Rat: schwimmen lernen. Am besten schon im Kindesalter.

Das war bis zu den späten 70er Jahren übrigens gang und gäbe - schließlich war Schwimmen ein fester Bestandteil im Sportunterricht. Doch mittlerweile ist es aus den Stundenplänen verschwunden unter anderem auch deshalb, weil immer mehr kommunale Hallenbäder aus finanziellen Gründen geschlossen worden sind.

Verantwortung Laut DLRG können zwei Drittel der Kinder nicht schwimmen, wenn sie die Grundschule verlassen. Gerade bei Kindern steige die Zahl der tödlichen Ertrinkungsunfälle seit Jahren. Somit liegt es ganz in der Verantwortung der Eltern, dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs lernt, sich sicher im Wasser zu bewegen.

„Heutzutage können Kinder in der ersten Klasse chinesisch, aber nicht schwimmen", betont auch der ehemalige Schwimmstar Franziska van Almsick, die dem mit einer eigenen Stiftung begegnen will. Seit 2008 fördert sie mit ihrem eigenen Projekt „Kids auf Schwimmkurs" gezielt den Schwimmunterricht an Grundschulen.

Auch Franziska van Almsick sieht dabei nicht nur die Politik in der Verantwortung, sondern auch die Eltern. "Man sollte den Kindern ein gutes Vorbild sein und mit ihnen ab und zu ins Schwimmbad gehen, anstatt sich darauf zu verlassen, dass das andere machen", betonte die zweifache Mutter, die mit ihrer Familie in Heidelberg lebt.

In jedem Alter Um das Schwimmen zu lernen ist grundsätzlich niemand zu jung oder zu alt. Doch die DLRG rät dazu, Kinder früh an das Element Wasser zu gewöhnen. Schon Babys lieben es, im kühlen Nass zu planschen. Kleinkindern macht es Spaß darin zu toben. In der Gruppe lernen sie schon früh und spielend leicht, sich im Wasser zu bewegen. Eine klare Altersempfehlung für die Teilnahme am Schwimmunterricht gibt es zwar nicht. Als Faustregel gilt aber, dass der Besuch eines Schwimmkurses wie ihn Vereine, Freibäder oder eben auch die DLRG anbieten, spätestens ab fünf Jahren Bestandteil der familiären Freizeitgestaltung ein sollte.

Spielerisch Vermittelt wird die Sportart den kleinen künftigen Wasserratten von ausgebildeten Schwimmlehrern und zwar auf spielerische Art und Weise. Wie lange der Weg bis zum Seepferdchen (15 minütiges Schwimmen) dauert, ist individuell, hängt von der Beweglichkeit und der Kondition des Kindes ab. Bis zur Ab nahme des Freischwimmers (Goldenes Schwimmabzeichen) dauert es jedenfalls ein Weilchen. Für Achtjährige waren dafür in den früheren Lehrplänen der Schulen 30 Unterrichtseinheiten mit je 45 Minuten vorgesehen.

In den unter Umständen lebenswichtigen Kursen werden die verschiedenen Schwimmtechniken vom Trockentraining bis zum Tauchen gelehrt. So stehen Rücken- und Brustschwimmen, Kraulen (Freistil) und Delfin auf dem Lehrplan. Vermittelt wird auch, wie man sich in Gefahrensituationen richtig verhält. Gerade in der Anfangszeit sollten Eltern beachten, dass sie ihr Kind nicht alleine ins Wasser lassen, sondern neben ihm her schwimmen, um schnell helfend eingreifen zu können, falls der Nachwuchs seine Fähigkeiten überschätzt.

Viele Vorteile Neben dem Aspekt der Sicherheit bietet Schwimmen - nicht nur eine der beliebtesten, sondern auch eine der gesündesten Sportarten - viele weitere Vorteile: Unter einfachen Bedingungen werden die Muskeln gleichmäßig trainiert, die Ausdauer wird erhöht und die Kraft gefördert. Insgesamt trägt das zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten bei. Das Zusammenspiel von Armen und Beinen fördert die Koordination. Die Rückemuskulatur wird gestärkt und die Haltung verbessert sich. Hinzu kommt, dass bei der Ausübung des beliebten Ganzjahressportsports nur eine geringe Verletzungsgefahr besteht.