So gelingt der Urlaub mit drei Generationen

Wenn das Familienleben sonst zu kurz kommt, kann gemeinsame Zeit kostbar sein. Gerade Großeltern freuen sich auf die Zeit mit den Enkeln

Mehr-Generationen-Urlaub ist beliebt. Absprachen helfen dabei, dass alle auf ihre Kosten kommen Foto: Roger Richter/Westend61/dpa-tmn

Familienurlaub heißt Mutter, Vater und Kinder? Das war einmal. Heute Großeltern mit den Single-Mutter mit Oma und Opa oder die gesamte Großfamilie. Der Mehr-Generationen-Urlaub boomt, sagt Martin Linne von der Gesellschaft für Tourismusforschung. Und er bringt viele Vorteile.

Oft geht es-ganz praktisch - ums Geld. Die ältere Generation hat häufig ein größeres Budget als junge Familien. Und so machen Oma und Opa den Urlaub oft erst möglich und finanzieren nicht selten die gesamte Reise. Dafür sind dann allerdings Kompromisse nötig.

,,Wenn man die Nähe nicht gewohnt ist, kann eine solche Reise zu Konflikten führen."
Martin Linne

Mit dem Klischee altersschwacher Rentner haben viele Großeltern heute nichts mehr zu tun: Die ältere Generation sei reiselustiger und fitter denn je, heißt es beim Veranstalter Neckermann. Deshalb sind mehr gemeinsame Aktivitäten möglich, für die im Alltag sonst oft keine Zeit bleibt. Viele Großeltern sehen ihre Enkel nur selten, weil diese weit weg wohnen oder der Alltag eng getaktet ist.

Entlastung So kommen im Urlaub auf einmal alle Altersstufen zusammen. Während die Eltern auch mal entspannen, können die Großeltern Zeit mit den Enkeln verbringen. Gerade für Alleinerzie hende ist das in jeder Hinsicht eine große Entlastung. Damit die Reise gelingt, sollten Familien bei der Planung allerdings einiges beachten.

Oft steht bei Familien der klassische Sonne-und-StrandUrlaub an erster Stelle. Auch Seen und die Berge im ländlichen Raum sind beliebte Reiseziele.

Wichtig ist die Frage, welche Unterkunft am besten geeignet ist. Günstig ist auf jeden Fall eine Wohnsituation, in der es für jeden die Möglichkeit zum Rückzug gibt. „Wenn man die Nähe nicht gewohnt ist, kann eine solche Reise zu Konflikten führen“, sagt Martin Linne. In diesem Punkt schlägt die Ferienwohnung in der Regel das Hotel – sie wird entsprechend oft gebucht. Doch auch Clubhotels, Familien-Resorts und Kreuzfahrtschiffe eignen sich für Mehr-Generationen-Urlaub.

Die deutschen Reiseveranstalter haben sich auf große Familien längst eingestellt. Sie bieten Hotelkonzepte, die auf die Bedürfnisse von Familien ausgerichtet sind. All inclusive ist vielen wichtig, so bleiben die Kosten kalkulierbar. Geschätzt werden auch umfassende Kinderbetreuung und Unterhaltung für die ganze Familie.

In Familienhotels der großen Reiseveranstalter wohnen Kinder bis zu einem bestimmten Alter im Zimmer der Eltern meist kostenlos. In manchen Hotels gibt es auch größere Familienzimmer oder Familienapartments. Generell lohnt es sich, nach Kinderfestpreisen und Rabatten Ausschau zu halten. Fast alle Reiseveranstalter machen entsprechende Angebote. 

Und wie wird der Urlauber gestaltet? Jedes Familienmitglied hat andere Vorlieben. Tourismusforscher Linne rät zu Aktivitäten, die für jede Generation machbar sind: baden, essen gehen, bummeln und einfach entspannen. Wie wäre es mit einer Partie Boule am Strand oder Minigolf im Park? Da können auch jüngere Kinder mitmachen.

Abwechseln Reisen mehrere Erwachsene mit, können sie sich mit der Betreuung der Kinder abwechseln. So bleibt den anderen Zeit, auch mal allein etwas zu unternehmen.

Campingplätze, Ferienanlagen oder auch die Tourismusverbände der Urlaubsorte bieten häufig ein abwechslungsreiches Programm. Sport, Wellness, abendliche Events für die ganze Familie – und oft auch eine umfassende Kinderbetreuung. So haben die Kleinen ihren Spaß mit Gleichaltrigen, während die Erwachsenen in Ruhe die Gegend erkunden können. Beim gemeinsamen Abendessen trifft man sich wieder. 

Oft sind Oma und Opa noch so fit, dass das Ziel der Reise nicht nur eine Ferienwohnung oder ein Hotel sein muss. Auch Rundreisen sind eine Alternative. Für die Mehrheit der Drei-Generationen-Gruppen sind sie aber nicht ideal. Werden sie von Reiseveranstaltern organisiert, sind die Tage oft eng getaktet und die Fahrtzeiten lang. Kinder fühlen sich dann nicht wohl, und für individuelle Aktivitäten bleibt kaum Raum. Die Alternative sind Selbstfahrer-Touren, bei denen man eigene Schwerpunkte setzen kann. dpa


Familienkonferenz

Ob All-inclusive-Clubhotel, Ferienwohnung mit Selbstverpflegung oder selbst geplante Rundreise: Jedes Familienmitglied sollte bei der Planung mitentscheiden dürfen, damit sich alle auf den Urlaub freuen und die gemeinsame Zeit genießen können.

Am besten setzt sich die Familie rechtzeitig zusammen, um entsprechende Absprachen zutreffen. Bei dieser Konferenz darf jeder seine Wünsche und Bedürfnisse einbringen, so dass sich alle gesehen fühlen und niemand übervorteilt wird. dpa