Lukrative Liebe

Sich das Jawort geben, ist für viele Paare auch im Alter noch ein schöner Gedanke - Auch steuerlich oder erbrechtlich ist das womöglich sinnvoll

Wir beide gemeinsam, für immer: Der Bund fürs Leben lässt sich auch im höheren Alter noch schließen. Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn

Zum Heiraten ist man niemals zu alt. Und das Eheversprechen ist selbst im hohen Alter mehr als nur ein Ritual, das die Liebe besiegelt. Der Trauschein kann praktische Vorteile haben. Ein Überblick zeigt, wo man profitiert und an welchen Stellen man Vorsorge für den Ernstfall treffen sollte:

1. Steuererklärung: Ehepaare können mitunter vom Ehegattensplitting profitieren, sagt der Fachanwalt für Erbrecht und für Steuerrecht, Eberhard Rott. Das bedeutet, dass beide ge meinsam eine Steuererklärung abgeben. Der Fiskus behandelt sie dann wie eine Person. „Dieses Ehegattensplitting rechnet sich aber nur, wenn einer der Partner mehr verdient als der andere“, so Rott. In dem Fall bleibt also nach der Heirat mehr Geld als vor der Heirat. Ehepaare können gemeinsam eine Steuererklärung abgeben, sie müssen es aber nicht. Wollen beide einzeln veranlagt bleiben, müssen sie dies dem Finanzamt schriftlich mitteilen, Zwei, die heiraten und steuerlich zusammen veranlagt werden, bekommen den doppelten Sparerpauschbetrag - also bis zu 1602 Euro. Das bedeutet, dass bis zur jeweiligen Summe die Kapitalerträge steuerfrei sind.

2. Steuerliche Freibeträge: Angenommen, ein Partner hat ein Aktiendepot, Bargeld sowie wertvolle Kunstgemälde angehäuft. Schon zu Lebzeiten möchte er seinen Besitz auf seine nächsten Angehörigen verteilen. Solche Schenkungen sind beliebt, um Vermögenswerte gezielt steuerfrei zu übertragen. Während der Ehegatte oder die Ehegattin , einen steuerlichen Freibetrag von 500000 Euro hat, , steht einem nicht eingetragenen Lebensgefährten nur ein Freibetrag von 20000 Euro zu. Die Beschenkten können den Freibetrag alle . zehn Jahre neu nutzen. Bei der Erbschaftsteuer gilt: „Ehepartner müssen bis zu einem Betrag von 500000 Euro keine Erbschaftsteuer zahlen, Lebensgefährten zahlen nichts bis zu einem Betrag von 20000 Euro“, sagt Rott.

3. Zugewinnausgleich: Ehepaare ohne Ehevertrag leben automatisch in einer Zugewinngemeinschaft. Stirbt einer der Eheleute, bekommt der andere seinen Anteil eines etwaigen Zugewinnausgleichs steuerfrei. Ein Beispiel: Eine Ehefrau besitzt wertvolle Kunst, deren Wert zu Beginn der Ehe 500000 Euro beträgt. Der Ehemann verfügt über kein Vermögen. 20 Jahre später stirbt die Frau, ihre Kunstsammlung hat inzwischen einen Wert von einer Million Euro. Sie hat also einen Zugewinn von 500000 Euro erzielt. Die Hälfte davon steht dem Mann zu – und zwar steuerfrei.

4. Gegenseitige Fürsorge: Daneben kann auch mit Blick auf Krankheit und : Pflege eine Ehe im fortgeschrittenen Alter von Vorteil sein. „Mit einer Heirat verpflichten sich beide Seiten , beispielsweise gegenseitig zu Beistand“, sagt der Berliner Rechtsanwalt Dietmar . Kurze. Der eine kümmert sich um den anderen. Allerdings: Bislang hat ein Ehegatte nicht das Recht, im Notfall für den anderen medizinische Entscheidungen zu treffen. Das ändert sich erst ab 1. Januar 2023, wenn das „Notvertretungsrecht“ unter Ehegatten in Kraft tritt. Darin ist festgelegt, dass wenn infolge von Krankheit oder Unfall ein Ehegatte handlungs- oder entscheidungsunfähig ist, der andere für ihn Entscheidungen der Gesundheitsvorsorge treffen kann. „Dies ist jedoch an bestimmte Voraussetzungen geknüpft“, sagt Kurze. Hat der Ehegatte etwa in einer Vorsorgevollmacht einen entgegenstehenden Willen geäußert, darf es keine sogenannte Ehegattenvertretung geben.

5. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung: Paare sollten sie sich nach einer Heirat unbedingt gegenseitig erteilen, rät Kurze. Eine Vorsorgevollmacht ist ein Dokument, mit dem man einen persönlichen Stellvertreter“ benennt, der im Fall der Bewusstlosigkeit oder Geschäftsunfähigkeit für einen Entscheidungen abseits medizinischer Behandlungen trifft. "Eine Vorsorgevollmacht ist zum Beispiel wichtig, damit der eine Ehegatte für den anderen im Pflegefall einen Pflegegrad beantragen kann“, erläutert der Rechtsanwalt. Fehlt eine solche Vorsorgevollmacht, darf laut Kurze nicht der Ehepartner wichtige Entscheidungen treffen, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist, sondern ein vom Gericht eingesetzter Betreuer. „Zwar kann das Gericht wiederum den Ehemann oder die Ehefrau als Betreuer einsetzen." Doch um Hin und Her zu vermeiden, mache es Sinn, von vornherein eine Vorsorgevollmacht aufzusetzen. Sabine Meuter, dpa