Corona hat tiefe Spuren hinterlassen

TOURISMUS In der Region wurden rund 50 Prozent weniger Übernachtungen gezählt - Hoffnungen ruhen auf 2022

Auf Sightseeing-Tour durch Heilbronn mit der Roten Linie. Die Käthchenstadt hofft 2022 auf deutlich mehr Touristen als in den Vorjahren. Foto: Archiv/Kunz

In den Reisebüros ziehen die Buchungen seit Anfang Februar wieder an. Nach zwei Jahren CoronaPandemie sehnen sich die Menschen angesichts der anstehenden Oster-, Pfingst- und Sommerferien nach unbeschwerten Urlaubstagen. Auch in der Region ist die Hoffnung groß, dass in diesem Jahr wieder deutlich mehr Urlauber und Gäste an Neckar, Sulm, Elsenz, Jagst und Kocher Station machen. Denn die Einschränkungen in der Pandemie haben den Tourismus vergleichsweise besonders schwer getroffen. „Die Situation der Branche ist nach wie vor dramatisch", fasst Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH, die Lage zusammen.

Keller So rauschte in der Stadt Heilbronn die Zahl der Gästeübernachtungen im Jahr 2020 in den Keller: Von rund 418500 (2019) um rund 55 Prozent auf 190 700. Dabei ist als Sondereffekt zu berücksichtigen, dass im Jahr der Bundesgartenschau 2019 auch erwartungsgemäß ein Besucherrekord verzeichnet wurde. Im Jahr 2018 waren noch 338300 Übernachtungen gezählt worden, das ist nahezu die gleiche Zahl wie 2017. Die Touristenzahlen waren generell seit 2005 kontinuierlich gewachsen - bis die Pandemie ausbrach. Für das abgelaufene Jahr 2021 lässt sich eine leichte Erholung zu 2020 feststellen.

So wuchs die Zahl der Übernachtungen um rund 36300 auf 227 000 bei insgesamt etwas weniger Gäs ten, die im Vergleich zum Vorjahr in die Stadt kamen. "Damit liefdas Jahr vor allem zum Ende hin besser als zunächst befürchtet", kommentiert Schoch die Zahlen.

Städte wie Stuttgart, Karlsruhe und Heidelberg meldeten noch spürbar schlechtere Werte. „Es fehlten Gäste aus dem Ausland, es fehlten Messen sowie Events und Veranstaltungen“, betont Schoch. Davon seien besonders die Großstädte betroffen. Der HMG-Chef sieht zwei Gründe dafür, dass Heilbronn etwas besser durch die Pandemie kam als andere Großstädte: "Die Radtouristen im Sommer und die Weintouristen im Herbst“. Auch die Experimenta wirke sich inzwischen positiv auf die Übernachtungszahlen aus, so Schoch.

Etwas weniger dramatisch fallen die Einbrüche im Landkreis Heilbronn aus. So wurden 2019 im Kreis rund 1408000 Übernachtungen gezählt, im ersten Pandemiejahr 2020 waren es 820300, nahezu genauso viel wie im Jahr 2021 mit 818300. „Das zeigt, dass der Städtetourismus und der Geschäftsreiseverkehr unter der Pandemie noch viel extre mer gelitten haben als Urlaubsreisen im ländlichen Raum", betont Tanja Seegelke, Geschäftsführerin der Touristikgemeinschaft (TG) Heilbronner Land. Da die amtliche Statistik nur Betriebe mit zehn oder mehr Betten erfasst, gingen im ländlichen Raum zahlreiche Kleinbetriebe nicht in die Statistik mit ein. "Gerade in der Pandemie waren Ferienwohnungen und Wohnmobilreisen sehr gefragt - hier haben wir sicher einige Betriebe und Übernachtungen, die nicht erfasst wurden“, ist sich Seegelkle sicher.

Zukunft "Stark bis sehr stark liegen wir beim drei- bis viertägigen Kurzurlaub im Frühjahr und beim Zweiturlaub im Herbst“, ordnet die TGChefin die Zahlen ein. In der klassischen Hauptreisezeit im Sommer stünde der Landkreis weniger im Fokus. Auch die Buga habe für die Zahlen im Kreis nur eine geringe Bedeutung gehabt. Dafür blickt die Touristikgemeinschaft erstaunlich positivin die Zukunft. „Das allgemeine Interesse am Heilbronner Land war schon 2020 und 2021 sehr gut, dies scheint sich nach unseren Einschätzungen 2022 fortzusetzen", betont die Geschäftsführerin.

Auch im Hohenlohekreis ist die Zahl der Übernachtungen coronabedingt 2020 und 2021 um rund die Hälfte gefallen. Eine leichte Erholung lässt sich an Kocher, Jagst und Ohrn für die zweite Jahreshälfte 2021 feststellen. "Es wird sicher einige Zeit dauern, bis sich insbesondere kleine Betriebe von den mit der Pandemie verbundenen Schwierigkeiten erholen“, betont Sascha Sprenger, Pressesprecher des Landkreises. Ein Befund, der für die gesamte Region gilt.


Regelmäßig das Gehör testen

Weltweit leben 1,5 Milliarden Menschen mit einem Hörverlust. Von den zehn Millionen Menschen in Deutschland, die nach eigenen Angaben mit einer Schwerhörigkeit leben, sind fast sechs Millionen signifikant beeinträchtigt. Allerdings unternimmt nur ein Drittel davon etwas dagegen. Das geht aus einer globalen Untersuchung zu Hörminderung und ihrer Versorgung hervor, deren Ergebnisse die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI) zum Welttag des Hörens am 3. März veröffentlicht haben.

Bleibt eine Hörminderung unversorgt, kann das laut BVHI in jeder Lebensphase schwerwiegende Konsequenzen haben wie etwa verzögerte Sprachentwicklung, Bildungsdefizite, soziale Isolation und ein höheres Risiko für Arbeitslosigkeit. Auch sei Schwerhörigkeit im mittleren Lebens alter der größte modifizierbare Risikofaktor für eine Demenzerkrankung. Die frühzeitige Versorgung einer Hörminderung sei eine wichtige Voraussetzung, um auch im fortgeschrittenen Alter gesund und unabhängig zu bleiben, so der Verband weiter. Zur Vermeidung von Folgeerkrankungen und kosten aufgrund unversorgter Hörminderung seien regelmäßige Hörtests elementar.

„Das von den Krankenkassen finanzierte Neugeborenen-Hörscreening ist ein wichtiger, früher Meilenstein. Die Hörvorsorge im Erwachsenenalter ist hingegen der Initiative jedes Einzelnen überlassen - entsprechend selten werden diese wahrgenommen", sagt Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des BVHI. Er fordert, Hörtests spätestens ab dem 50. Lebensjahr in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen auf zunehmen. Auch HNO-Ärzte unterstützen dieses Anliegen.

Beate Gromke, Präsidentin der Europäischen Union der Hörakustiker (EUHA), unterstreicht zudem: "Gutes Hören ist Lebensqualität. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, gut zu hören und dadurch die Vielfalt des Lebens zu genießen.“ Die EUHA empfehle daher, ab dem 50. Lebensjahr jährlich das Gehör überprüfen zu lassen. red