Wie reagieren die Firmen auf die zweite Welle?

Region  Kurz vor Weihnachten ging es in einen harten Lockdown. Ausgenommen ist weiterhin der Großteil der Unternehmen in Handel und Industrie. Sie alle mussten nun noch einmal prüfen, ob sich die Corona-Schutzmaßnahmen im Unternehmen optimieren lassen. Das Homeoffice wird verstärkt genutzt. Und vielerorts gibt es strenge Maskenregeln. Die Übersicht:

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    Ziehl-Abegg, Künzelsau

    Ziehl-Abegg

    Die bei Ziehl-Abegg frühzeitig ergriffenen Maßnahmen haben gut funktioniert, erklärt Firmensprecher Rainer Grill. In den Auslandsgesellschaften von Ziehl-Abegg gab es im ganzen Jahr nicht einmal eine Handvoll an Fällen. Im Werk in China mit 500 Mitarbeitern sei keine einzige Erkrankung bekannt.  An den drei Standorten in Hohenlohe gab es in den vergangenen zwei Monaten 15 gemeldete Infektionen. Dabei habe es aber keinen Fall gegeben, bei dem eine Infektion am Arbeitsplatz stattgefunden hat. Sollte doch einmal eine infizierte Person am Arbeitsplatz gewesen sein, dann gebe es dort mittlerweile keinen Kontakt und damit auch keine Kontaktpersonen mehr.   

    Durch die Kollegen in China hatte der Ziehl-Abegg-Krisenstab schon früh das Thema Aerosole auf dem Schirm. Seit Sommer messen CO2-Warngeräte die Luftqualität  in kritischen Räumen an den  Standorten Kupferzell, Bieringen und Künzelsau.  

    Da bisher in der zweiten Welle kein einziger Fall einer Infektion am Arbeitsplatz bekannt ist, gibt es derzeit keine Überlegung, Maßnahmen zu verschärfen. Es gelte jetzt, die Mitarbeiter stetig fürs Abstandhalten, Masketragen und Lüften zu sensibleren.  

    Besuche Dritter bei uns oder von unseren Mitarbeitenden bei Dritten wurden schon im Frühjahr auf aufs unvermeidliche Mindestmaß reduziert.    

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    IDS, Obersulm

    IDS Obersulm

    IDS-Mitarbeiter, die im ersten Lockdown im Frühjahr ins Homeoffice gewechselt sind, kehrten im Sommer weitestgehend zurück an ihren regulären Arbeitsplatz. Dabei war es den Mitarbeitern grundsätzlich möglich, weiter im Homeoffice zu arbeiten, wenn die Arbeit dies zuließ. Weiterhin wurde und wird auf Einhaltung der Hygienevorgaben geachtet, erklärt Sprecherin Silke von Gemmingen. “Die Lüftung im Neubau sorgt für ständige Frischluftzufuhr, Desinfektionsmittel steht überall bereit.”  

    Eine Verpflichtung zum Homeoffice oder andere, strengere Maßnahmen seien momentan nicht geplant. “Wir haben erfreulicherweise über den gesamten Zeitraum hinweg nur einen Coronafall im Unternehmen gehabt, was zeigt, dass unsere Maßnahmen greifen.”  Maskenpflicht bestehe nach wie vor - Ausnahme: Der Mitarbeiter befindet sich direkt alleine am Arbeitsplatz.  

    Allen Mitarbeitern werden kostenlos FFP-Masken zur Verfügung gestellt. Besprechungen werden nur in Ausnahmefällen in kleinem Kreis in großen Räumen mit Maske durchgeführt, meistens jedoch per Zoom – daran habe sich nichts geändert. 

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    Gemü, Ingelfingen

    Gemü Ingelfingen

    Nach den Einschränkungen des Frühjahrs hatte der Ventilhersteller Gemü im Sommer die erweiterte Schichteinteilung in den Bereichen Produktion und Logistik wieder auf die Vor-Corona-Schichtzeiten zurückgeführt. Der Anteil an Mitarbeitern, die mobil arbeiten, wurde auf etwa 25 Prozent reduziert. Daneben gab es vereinzelt auch wieder Präsenztermine unter Einhaltung der Corona-Schutzregeln. Die Maskenpflicht blieb jedoch auch über den Sommer bestehen.

    Seit Dezember gelte nun eine erweiterte Maskenpflicht im Unternehmen. "Im Augenblick sehen wir, dass unsere Schutzmaßnahmen, für die wir im Juli 2020 die Auszeichnung ,Geprüfter SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard' erhalten haben, wirken", erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Gert Müller. Aus diesem Grund sei zum jetzigen Stand keine weitere Verschärfung der Schutzmaßnahmen geplant.

    "Aufgrund unserer Digitalisierungs-Initiative der letzten Jahre sind wir schon heute in der Lage, den Anteil am mobilen Arbeiten weit über 50 Prozent auszuweiten, wenn die Situation dies erfordern sollte", erläutert Müller.

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    Würth, Künzelsau

    Würth Künzelsau

    Der Betrieb des Schraubenhändlers Würth läuft an allen Standorten in Deutschland seit Beginn der Pandemie nahezu uneingeschränkt durch. Zudem verfügt die Adolf Würth GmbH & Co. KG (AWKG) seit vielen Jahren auch über digitale Vertriebskanäle, was sich nun auszahlte, wie Firmensprecherin Sigrid Schneider betont. In den Niederlassungen wurden demnach Abstandszonen definiert und gekennzeichnet, die dafür sorgen, dass Mindestabstände von zwei Metern eingehalten werden. Services wie Click & Collect, also Bestellung per App oder telefonisch und Abholung direkt in Paketstationen vor den Niederlassungen seien alternative Möglichkeiten. 

    Seit Mitte Oktober gilt bei Würth in allen Gebäuden am Campus Gaisbach eine Maskenpflicht für alle Mitarbeiter, sobald sie ihren  Arbeitsplatz verlassen. Der Anteil der Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten, liege nach wir vor bei etwa 50 Prozent. "Mit diesen Maßnahmen sind wir bis dato sehr gut gefahren, gleichwohl beobachten wir im Krisenstab die Entwicklung der Fallzahlen sehr genau", erklärt Schneider. Im Oktober hatten die AWKG am Standort Künzelsau-Gaisbach sechs Corona-Fälle, im November waren es fünf.

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    Audi, Neckarsulm

    Audi Werk Neckarsulm

    Bereits während des Lockdowns im Frühjahr 2020 wurden alle Arbeitsplätze bei Audi in Neckarsulm „corona-ready“ gemacht, wie eine Firmensprecherin es formuliert. Gemeint sind damit etwa größere Abstände an den Arbeitsplätzen oder das Einziehen von Trennwänden.  Kann an Arbeitsplätzen ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden, so gilt die Mund-Nase-Schutz-Pflicht.  

    Die erweiterte Maskenpflicht wurde Anfang September und erneut Mitte Oktober angeordnet und besteht seitdem. Zusätzlich galt ab 16. Oktober die erweiterte Maskenpflicht in allen Gesprächssituationen, auch wenn ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Audi empfahl darüber hinaus, auch am eigenen Arbeitsplatz grundsätzlich eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Darüber hinaus gilt seit 1. Dezember eine Maskenpflicht auf öffentlich zugänglichen Begegnungs- und Verkehrsflächen der Arbeitsstätte, unabhängig davon, ob dort ein Mindestabstand eingehalten werden kann oder nicht. Mitarbeitende müssen also beispielsweise auf allen Parkplätzen, in Parkhäusern inklusive der Treppenaufgänge und auch auf der Piazza am Audi Forum eine Alltagsmaske oder einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) tragen.

    In den letzten Wochen haben rund 20 Prozent der Audi-Beschäftigten mobil gearbeitet. Bei Arbeitsplätzen, die kein Mobiles Arbeiten zulassen – beispielsweise in der Fertigung - wurden im Zuge der Corona-Pandemie umfassende Schutzmaßnahmen für die Mitarbeitenden umgesetzt.  

    In den vergangenen zwei Monaten hat der Audi Gesundheitsschutz Kenntnis erhalten von mehr als 100 nachgewiesenen Infektionen bei Beschäftigten. Durch konsequente Umsetzung von Gesundheitsschutz-Maßnahmen konnten Infektionsketten im Werk erfolgreich vermieden werden.

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    EBM-Papst, Mulfingen

    EBM-Papst

    Früh hat EBM-Papst Schutzmaßnahmen gegen die Covid-19 Pandemie ergriffen. Erfahrungen aus China im Januar wurden sofort genutzt, um auch an den deutschen Standorten Hygienemaßnahmen und Maßnahmen zur Kontaktbegrenzung eingeführt. Zudem konnten Mitarbeiter bei Verdacht im Unternehmen getestet werden. Und auch das mobile Arbeiten wurde zügig im Unternehmen ausgebaut.

    In einer nun zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat geschlossenen Betriebsvereinbarung, wird das Mulfinger Unternehmen eine flexible Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort im betrieblichen und im privaten Interesse ermöglichen. „Als innovativer und fortschrittlicher Arbeitgeber räumen wir unseren Mitarbeitern zukünftig die Möglichkeit ein, bis zu 80% ihrer Arbeitszeit an einem Ort außerhalb des Unternehmens zu leisten“, sagt Markus Löw, Personalleiter von EBM-Papst in Mulfingen. „Damit stärken wir unsere Position als attraktiver Arbeitgeber“, so Löw.

    Beim beschlossenen Modell behalten die Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz im Unternehmen. Voraussetzung für das mobile Arbeiten, das in Abstimmung mit dem Vorgesetzten individuell geregelt wird, ist eine ausreichende und leistungsfähige Internetverbindung. Auch beim mobilen Arbeiten gelten die gesetzlichen und betrieblichen Regelungen zur Arbeitszeit, Datensicherheit und zum Daten- und Gesundheitsschutz. Sofern erforderlich, bietet der Ventilatorspezialist seinen Beschäftigten Qualifizierungen zu technischen Anwendungen des mobilen Arbeitens. 

    Betriebsratsvorsitzende Anja Burkhardt: „Mit der verabschiedeten Betriebsvereinbarung ist es uns gemeinsam gelungen, das mobile Arbeiten in unserem Hause für Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite transparent zu machen, sowie die Anforderungen der Zukunft zu integrieren. Wir konnten dabei insbesondere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter stärken.“

  7. 7

    Südwestdeutsche Salzwerke, Heilbronn 

    Südwestsalz SWS Verwaltung Heilbronn

    Lockerungen gab es im Sommer einzig bei der Durchführung von Seminaren. Allerdings wurden bei den Seminaren entsprechende Abstands- und Hygienekonzepte hinterlegt. Seit Ausbruch von Corona wurden die Sicherheitsmaßnahmen jeweils an die Inzidenzzahlen angepasst, also tendenziell verschärft (zum Beispiel größerer Abstand, Masken tragen bei bestimmten Tätigkeiten, Beschäftigungsverbot für Mitarbeiter mit Symptomen, Hygienekonzepte in den verschiedenen Bereichen, Besprechungen nur noch über Skype und Teams). Seit dem Teil-Lockdown wurden wieder alle nicht zwingend notwendigen Seminare ausgesetzt.

    Die Schutzmaßnahmen sind nahezu ausgereizt. Eine weitere Verschärfung der Schutzmaßnahmen (etwa eine geringere Schichtenbelegung) würde die Lieferfähigkeit des Unternehmens stark beeinträchtigen. Am 13. März wurden die ersten mobilen Arbeitsplätze eingerichtet. In der Spitze sind dies in Heilbronn und Bad Friedrichshall bis zu 110 Mitarbeiter, die mobil zu Hause tätig sind. Dies entspricht dem weitaus überwiegenden Teil der Verwaltungstätigkeiten.

    Grundsätzlich galt ab dem 1. Oktober in allen Gebäuden eine Maskentragepflicht. Seit dem 22. Oktober 2020 wurde auf dem Werksgelände eine generelle Maskentragepflicht eingeführt. Dies gilt für sämtliche Produktions- und Werkstätten, die Verwaltungen und die Sozialeinrichtungen. In den letzten zwei Monaten gab es in Heilbronn vier infizierte Mitarbeiter, in Bad Friedrichshall sieben infizierte Mitarbeiter.

  8. 8

    Schwarz-Gruppe, Neckarsulm 

    Kaufland Lidl Schwarz-Gruppe

    Als sich das allgemeine Infektionsgeschehen im Sommer verlangsamte, haben wir den Geschäftsbetrieb wieder hochgefahren auf maximal 30 Prozent. Wir verfolgen das aktuelle Infektionsgeschehen ganz genau und reagieren entsprechend. Dabei leiten wir frühzeitig und konsequent Maßnahmen ein. Seit dem 15. Oktober dürfen maximal 20 Prozent der Mitarbeiter an den Verwaltungsstandorten arbeiten. Aktuell ist geplant, dass sich über die Feiertage bis 10. Januar 2021 an den Verwaltungsstandorten ausschließlich jene Mitarbeiter aufhalten, die zwingend für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs notwendig sind. 

    Bei uns gilt eine generelle Maskenpflicht auf dem gesamten Betriebsgelände und im Gebäude. Ausnahme ist der eigene Arbeitsplatz. Voraussetzung ist, dass Mindestabstand und Hygienemaßnahmen eingehalten werden können. 

  9. 9

    Intersport Deutschland eG, Heilbronn, CEO Alexander von Preen 

    Intersport

    Wir haben unsere Schutz-Maßnahmen, die wir bereits im Frühjahr vorausschauend eingeführt haben, wie zum Beispiel die Maskenpflicht im Unternehmen, auch in den Sommermonaten beibehalten.

    Wir nehmen die aktuelle Lage sehr ernst und haben deshalb von Anfang an die von Arbeitsminister Hubertus Heil vorgegebenen Arbeitsschutzstandards auf die Intersport heruntergebrochen und in diesem Rahmen für unsere Mitarbeiter alle gebotenen und geeigneten Schutzmaßnahmen getroffen. Dazu gehört unter anderem, dass wir eine Betriebsvereinbarung zum Thema Verhaltensrichtlinien in Zeiten der Pandemie abgeschlossen und einen Pandemieplan erstellt haben. Alle Mitarbeiter wurden schriftlich zu den Verhaltensregeln im Pandemiefall unterwiesen. Um das gesunde Arbeiten auch zuhause zu unterstützen, können alle Mitarbeiter bei Bedarf ihre Bürostühle mit nach Hause nehmen. In unserer Logistik haben wir die Pausenzeiten aufgeteilt. Alle Kollegen haben bei Bedarf die Möglichkeit, sich durch unseren Betriebsarzt beraten zu lassen. Aktuell sehen wir keinen Anlass, diese bereits sehr umfangreichen Schutzmaßnahmen weiter zu verschärfen.  

    Die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten gab es bei Intersport bereits vor der Corona-Pandemie, jedoch in geringerer Form als aktuell. Seit März halten wir regelmäßig alle Mitarbeiter dazu an, mobiles Arbeiten wann immer möglich zu nutzen. Zu Beginn der Pandemie haben wir quasi über Nacht das virtuelle Arbeiten eingeführt und einen eigenen Kommunikationskanal aufgesetzt, über den wir die aktuellsten Informationen mit den Mitarbeitern ausgetauscht haben. Parallel haben wir ein Qualifizierungsprogramm zum virtuellen Arbeiten auf die Beine gestellt.

    Im gesamten Gebäude der Intersport besteht Maskenpflicht, der eigene Arbeitsplatz ist davon ausgenommen. 
    Wir hatten bisher sechs Fälle in unserem Unternehmen. Alle konnten sofort erfolgreich isoliert werden, da sich die Mitarbeiter an alle Corona-Schutzmaßnahmen gehalten haben. 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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