Auf Geocaching-Tour durch Untergruppenbach

Untergruppenbach  Auf welche Art kann man einen Ort besser kennenlernen als beim Geocaching? Wir sind GPS-Gerät und einer erfahrenen Schatzsucherin auf Tour durch Untergruppenbach gegangen.

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So funktioniert der Geocaching-Lehrpfad in Untergruppenbach

Und wohin jetzt? Stelzner-Hanusch checkt den Weg zur Folge-Koordinate. Foto: Maja Schlüter

Grade um den Gefrierpunkt und klirrende Kälte: Die Witterung an diesem Januarmorgen ist alles andere als einladend, um in Untergruppenbach auf Geocaching-Tour zu gehen. Petra Stelzner-Hanusch scheint die Kälte nichts auszumachen: "Und beim Geocaching ist man ja schließlich in Bewegung", sagt die 53-Jährige.

Sie steht vor dem Mehrgenerationenhaus im Treff im Zentrum "Mittendrin" - oder, wie es in GPS-Koordinaten heißt: auf 49 Grad nördlichem Breitengrad und 9 Grad östlichem Längengrad. Es ist der Startpunkt des Geocaching-Einführungspfads. Stelzner-Hanusch trägt eine Allwetterjacke, den Fahrradhelm unterm Arm geklemmt, das GPS-Gerät in der Hand. Fünf GPS-Geräte mitsamt Bedienungsanleitung verleiht das Untergruppenbacher Rathaus. Man kann das Spiel auch mit einem GPS-fähigen Smartphone spielen.

Es gibt deutschlandweit nur zwei Geocaching-Lehrpfade

Das Prinzip von Geocaching: Via GPS-Signal auf Schatzsuche gehen. Am Ausgangspunkt erfahren die Geocacher die Koordinaten und geben sie in das Navigationsgerät ein. Der Weg zum Ziel wird dann als Luftlinie anzeigt.

Erreicht man das Ziel, piepst das Gerät. Dort angekommen, begibt man sich - je nach Strecken-Art - auf die Suche nach Hinweisen, Rätseln oder schlussendlich dem Schatz. Er besteht meist aus einer kleinen Dose mit Geschenken. Eines der Dinge darf man sich herausnehmen, muss es aber durch etwas Gleichwertiges ersetzen. Vorausschauende Geocacher ziehen daher selbst mit Schätzen los, die sie am Zielpunkt eines Caches - so werden die Strecken genannt - hinterlassen.

Wer will, kann sich am Ende eines GPS-Pfades in ein Logbuch eintragen. Das Exemplar für Untergruppenbach kam leider abhanden, und wurde jetzt ersetzt. Leider ließe sich nicht mehr nachverfolgen, wie viele Schatzsuchenden es zuvor gefunden hatten, sagt Stelzner-Hanusch bedauernd. Schade.

Infos rund ums Geocaching gibt es auf www.geocaching.com

4704 Geocaches allein bei Heilbronn

Wir folgen dem Geocaching-Einführungspfad in Richtung Rathaus, zur zweiten Hinweistafel. Der insgesamt rund vier Kilometer lange Pfad verläuft querbeet durch die Gemeinde. Eine Stunde dauert es, ihn abzulaufen. Den Pfad gibt es seit 2015 in Untergruppenbach. Petra Stelzner-Hanusch kennt ihn auswendig. Kein Wunder: Sie hat ihn mitinitiiert.

So funktioniert der Geocaching-Lehrpfad in Untergruppenbach

Elf Geocaching-Schilder wie dieses sind überall im Ort verteilt. Foto: Maja Schlüter

Der Pfad ist einer von 4704 Geocaches in der Nähe von Heilbronn und einer von zwei Einführungspfaden deutschlandweit. Das Besondere an dem Untergruppenbacher Lernpfad: Er führt von Schild zu Schild. Darauf wird alles rund ums Geocaching erklärt.

Der andere Lehrpfad befindet sich in Immenhausen bei Kassel. Als 2013 das Bundeslager des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) dort stattfand, erfuhr Petra Stelzner-Hanusch - selbst langjährige Pfadfinderin - von dem Spiel.

Stelzner-Hanusch war damals Vorsitzende des Arbeitskreises Familienfreundliche Gemeinde in Untergruppenbach. Das Bündnis hat sich inzwischen aufgelöst. In Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus, dem BdP und der Stiftung Pfadfinden brachte der Arbeitskreis auf den Weg, dass elf Geocaching-Schilder im Ort aufgestellt wurden. Gestaltet hat sie Katrin Gollbach.

Pfadverlauf bleibt geheim

Aufmerksamen Passanten fallen die Schilder schnell auf: Sie hängen unter anderem am Rathaus, am Jugendhaus oder am Haus der Generationen. Weitere Haltepunkte zu nennen, wäre witzlos. sonst ginge der Reiz des Untergruppenbacher Einführungspfades verloren.

Petra Stelzner-Hanusch nimmt die Sache sogar sehr ernst. Sie verrät beispielsweise nicht, wie die vier Caches verlaufen, die sie als Zuständige für das Bewegungsbad beim Trainings- und Therapiezentrum Meyer für das Angebot der Kindergeburtstage erstellt hat. Nur so viel: "Den Kindern macht das Geocaching unheimlich Spaß."

Zum einen, weil sie ein technisches Gerät in der Hand haben, und zum anderen, weil der Spaziergang im Freien ein klares Ziel hat. "Geocaching ist eine tolle Möglichkeit, einen Ort kennenzulernen", sagt Stelzner-Hanusch, die seit 25 Jahren in Untergruppenbach wohnt. "Und es lockt Kinder ins Freie."

In ihrem Bekanntenkreis, erzählt Stelzner-Hanusch, gebe es sogar zwei leidenschaftliche Geocaching-Familien, die sich regelrechte Wettstreite liefern, wer mehr Caches beendet.

So funktioniert der Geocaching-Lehrpfad in Untergruppenbach

Petra Stelzner-Hanuschs GPS-Gerät ist das Nachfolger-Modell der Exemplare, die im Rathaus ausgeliehen werden können. Kostenpunkt: zwischen 100 und 200 Euro. Für viele Smartphones ist mittlerweile eine GPS-App verfügbar. Foto: Maja Schlüter

Der Reiz: die Umgebung entdecken

Die Geocaching-Strecken werden im Internet veröffentlicht. Dabei kann jeder seinen eigenen Pfad legen und wird so zum Besitzer des Pfades, zu einem Cache-Owner. Demnach ist jede Tour auf ihre Weise individuell, genauso wie ihre Schwierigkeitsgrade. Manche Caches können sogar zwischen lediglich zwei Koordinaten verlaufen.

Auch ihre Art unterscheidet sich. Ein "Earth-Cache" endet etwa auf einem besonderen Fleckchen Erde, beispielsweise auf einem Vulkan. Geocaching habe den Reiz, dass man die Umgebung zu entdeckt, sagt Petra Stelzner-Hanusch. Bei akuter Wanderlust eigne sich das wunderbar, um einer unbekannter Route zu folgen und Landschaften zu erforschen.

Geocaching mit dem Smartphone

Die App für Geocaching von Groundspeak Inc. ist für Smartphones im Apple- und GooglePlay-Store kostenlos verfügbar. Mitgliedschaften werden via In-App-Käufen angeboten.

Um die Karte mit allen Geocaches zu sehen, muss ein Benutzerkonto erstellt werden. Die Anmeldung ist auch mit einem Facebook-Konto möglich. Die App zeigt an, wie lang die Caches sind, ihre Art, ihren Schwierigkeitsgrad, die Beschaffenheit des Weges und die Größe des versteckten Schatzes. Am Ende eines Geocaches kann die Erfahrung mit der Community geteilt werden.


Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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