Als Radios noch Luxusgüter waren

Hardthausen  Uwe Steinle stellt in seinem Museum in Lampoldshausen 600 Geräte aus. Wegen Corona sind derzeit keine größeren Führung möglich.

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Im Süddeutschen Radiomuseum sind auch Grammophone und modernere Stereoanlagen zu sehen. Der Besucher reist hier durch die Geschichte.

Fotos: Christiana Kunz

Wie sich Radios und die Technik dahinter über die Jahre verändert haben, interessiert Uwe Steinle seit vielen Jahren. Damit die Geräte und das Wissen darüber nicht verloren gehen, hat er in den 70ern damit angefangen, Radios und Schallplattenspieler vom Sperrmüll zu retten.

Allein 200 Geräte hat Uwe Steinle bei sich zu Hause in Affalterbach gelagert. 600 stellt er mit seinem Sammler-Kollegen Bolko Burger aus Widdern im Süddeutschen Radiomuseum in Lampolds-hausen aus. Das Museum ist neben der Ausstellung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt das einzige in Hardthausen.

Ersatzteile werden immer gebraucht

Uwe Steinle und Bolko Burger haben in dem Haus aber noch viel mehr Anlagen gelagert. Immer wieder bekommen sie Radios von Privatpersonen angeboten. "Die nehmen wir gern", sagt Steinle. Manchmal ist ein gut erhaltenes dabei, so dass man ein anderes aussortieren könne. Oder man verwende die Ersatzteile.

Denn eines ist dem 59-Jährigen wichtig: Die Radios in der Ausstellung sollen alle funktionieren. So kann der Besucher in den Räumen eines ehemaligen Edeka-Marktes heute eine Zeitreise durch die Musik-, Radio- und Technikgeschichte von den 20er- bis in die 80er-Jahre erleben.

Feste Öffnungszeiten hat das Museum zwar nicht, auf Anfrage führt Steinle aber gern durch die Ausstellung. Auch einen Tag der offenen Tür gibt es eigentlich immer - nur dieses Jahr nicht. Denn Corona verändert auch für das Radiomuseum vieles. Da die Räume und Gänge sehr eng sind, kann der notwendige Abstand mit größeren Gruppen derzeit nicht eingehalten werden, berichtet Steinle. Deshalb hat er seit März höchstens einzelnen Personen die Ausstellung gezeigt.

Radio war einst eine teure Anschaffung

Als Radios noch Luxusgüter waren

Uwe Steinle hat in der Sammlung, die er mit einem Kollegen aufgebaut hat, auch eine Musikbox. Platten und Musik von früher interessieren ihn sehr.

Uwe Steinle ist fasziniert von der Technik, die in den Radios verbaut ist, aber auch optisch machen viele der Geräte einiges her. "Sie waren früher eher Möbelstücke", sagt er und zeigt auf einen Tisch, in dem ein Radio integriert ist. Oft sind es auch Kommoden oder kleine Schränkchen.

"Ein Radio war damals eine teure Anschaffung", verdeutlicht er. Es habe in den 50ern zum Beispiel rund 550 Mark gekostet. Verdient habe man aber im Monat nur rund 250 Mark. In der Ausstellung sind zudem eine Musikbox und Grammophone zu sehen. Schallplatten sind eine weitere Leidenschaft von Uwe Steinle. In einem eigenen Youtube-Kanal stellt er regelmäßig alte Platten und Musik von früher vor. "Viele Sammler interessieren sich auch für die Musik. Gleichzeitig ist es Werbung für uns", berichtet er.

Da bekomme er sogar Rückmeldung aus anderen Ländern - das Internet mache es möglich. Inzwischen habe er 2400 Titel auf Youtube eingestellt. Immer wieder zeige er auch Fotos.

Als Radios noch Luxusgüter waren

Radios in allen Größen und Varianten stehen in den Regalen.

Steinle kann aber nicht nur viel über Musik und Radiotechnik erzählen, er hat sich auch mit der Geschichte und der Bedeutung des Radios auseinander gesetzt. So ist im Museum auch die Ära des Zweiten Weltkriegs abgebildet. Damals diente das Radio unter anderem zur Verbreitung von Propaganda. Hersteller mussten kostengünstige Geräte, die sogenannten Volksempfänger, herstellen, damit möglichst viele Haushalte eines anschaffen konnten, weiß Steinle.

Für Nachrichten und Unterhaltung wichtig

Aber auch vor und nach dem Krieg sei das Radio lange Zeit das wichtigste Medium gewesen, um Nachrichten zu verbreiten. Eine große Rolle spielte es außerdem bei der Unterhaltung. Die Menschen hatten nicht viele Alternativen, um Musik zu hören, erzählt Steinle. Das sei heute natürlich anders.

Inzwischen höre er selbst kaum noch Radio, weil ihm die Musik nicht mehr gefalle. Zum Frühstück und im Auto gehöre es aber nach wie vor dazu.

 

Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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