VfB-Fanclub in Berlin: Was die "Cannstatter Kurve Berlin 08" so besonders macht
Im Neuköllner Vereinsheim „Rössle“ leben Fans des VfB Stuttgart ihre Leidenschaft: Die "Cannstatter Kurve Berlin 08" hat sich hier ein festes Zuhause geschaffen, trotzt der steigenden Miete.
Hauswände, Straßenlaternen, U-Bahnen – wohin das Auge reicht, tobt in Berlin ein "Aufkleber-Krieg". Die Fanlager der beiden Fußball-Stadtvereine Union Berlin und Hertha BSC kämpfen um jede freie Fläche in der Bundeshauptstadt, um ihrer Unterstützung für ihren Herzensverein Ausdruck zu verleihen.
Andere Vereine scheinen hier keine Rolle zu spielen, zumindest nicht in den Köpfen der Berliner – doch dem ist nicht so.
Die geheime Fußballoase für VfB Stuttgart-Fans in Berlin entdeckt
Neukölln, eine schlecht beleuchtete Straße an einem Sonntagabend um 17 Uhr. Etwa zehn Personen stehen vor einer mit Graffiti beschmierten Hauswand mit verspiegelten Fenstern und unterhalten sich über Fußball. Die unscheinbare Kneipe wirkt von außen wenig einladend. Drinnen jedoch brennt Licht, und aufgeregte Stimmen dringen nach außen. Beim Eintreten eröffnet sich ein unerwarteter Anblick.
Weiß-rote Fahnen und Wimpel schmücken den Raum, ein lebensgroßer Pappaufsteller von Guido Buchwald steht prominent in der Ecke, und zahlreiche Gäste verfolgen gebannt die Übertragung eines Fußballspiels. An einer Wand prangen die Wappen des VfB Stuttgart und des Berliner Fanclubs Cannstatter Kurve Berlin 2008 (CKB08).

VfB-Fanclub "Cannstatter Kurve Berlin 08" um 18.93 Uhr gegründet
„Viele zugezogene Schwaben wollten natürlich auch hier in Berlin ihren Verein unterstützen“, erklärt einer der Vorsitzenden des Fanclubs, Steffen, der seit drei Jahren im Amt ist. „So entstand unsere CKB08, der erste VfB-Fanclub in Berlin“, ergänzt der 33-Jährige. 2008 wurde der Verein gegründet, passend um „18.93 Uhr“ – eine Anspielung auf das Gründungsjahr des schwäbischen Clubs.
Seit 2010 begrüßt die CKB08 in seinem angemieteten Vereinsheim „Rössle“ zu jedem VfB-Spiel zahlreiche Mitglieder und Interessierte.

VfB-Stuttgart-Fanclub in Berlin mit ungefähr 230 Mitgliedern
„Wir haben hier ungefähr 230 Mitglieder im Verein“, sagt Jenny, ebenfalls seit fünf Jahren im Vorsitzende. Die Kosten für Getränke und Übertragungsrechte werden aus Mitgliedsbeiträgen gedeckt. Es wird selbst geputzt – neun Reinigungsteams mit jeweils vier Personen gibt es in den eigenen Reihen, sagt die 39-Jährige. Alles erfolgt ehrenamtlich.
Das „Rössle“ ist deshalb eigentlich nur für Vereinsmitglieder zugänglich. Um jedoch auch anderen VfB-Interessierten – und neugierigen Stimme-Mitarbeitern – Zugang zu gewähren, hat der Verein eine Lösung gefunden.
"Rössle" nur für Mitglieder zugänglich: Verein hat eine Lösung für VfB-Fans gefunden
„Man kann eine Tagesmitgliedschaft für fünf Euro erwerben“, sagt Steffen. Viele Besucher nutzen dieses Angebot, und das Interesse am VfB ist im vergangenen, erfolgreichen Jahr stark gewachsen. „An guten Spieltagen ist hier proppenvoll“, fügt er hinzu. Kein Wunder: Bierpreise beginnen bei 2,50 Euro, die Stimmung ist hervorragend, auch wenn der VfB an diesem Tag gegen Eintracht Frankfurt mit 3:2 unterliegt.

Ein roter Brustring zieht sich durch den gesamten Raum, vier alte Stadionsitze aus dem Neckarstadion sorgen für echtes VfB-Feeling. „Wir haben hier eine tolle, aktive Gemeinschaft und eine lebendige Fankultur“, berichtet Steffen. Der Verein begleitet die Stuttgarter Mannschaft auch zu Auswärtsspielen oder nimmt an Fußballturnieren teil.

Besondere VfB-Momente im "Rössle": "Laden auseinandergekracht"
Auf besondere Momente in der Fan-Kneipe angesprochen, erinnern sich die beiden lebhaft: „Der Nicht-Abstieg gegen Paderborn“, sagt Jenny strahlend, „da ist hier wirklich der Laden auseinandergekracht.“ Für Steffen war es ein besonderer Moment, „als klar war, dass wir im Rössle, unserem zweiten Wohnzimmer, als Fanclub bleiben dürfen. Da floss schon die ein oder andere Träne.“
Die Miete hatte sich verdreifacht, und Getränkepreise sowie Mitgliedsbeiträge mussten angepasst werden. Nach Verhandlungen mit dem Besitzer steht nun fest: Die Cannstatter Kurve Berlin darf fünf Jahre bleiben, mit einer Option auf weitere fünf Jahre. „Große Freude bei uns, dass wir hier bleiben durften. Es war ein halbes Jahr voller Sorgen und Arbeit.“
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare