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Als der TSB Horkheim eine Saison lang Profiluft geschnuppert hat

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Vor 30 Jahren endete das kurze Zweitliga-Kapitel der Horkheimer. Die Helden von damals sind zum Heim-Abschluss gegen den VfL Waiblingren zu Gast in der Stauwehrhalle.

 Foto: Krüger, Klaus

Drei Jahrzehnte ist es her, da spielte der TSB Horkheim auf Augenhöhe mit einigen klangvollen Namen im deutschen Handball-Kosmos. Der DHfK Leipzig, Frisch Auf Göppingen, Melsungen, Erlangen oder Wetzlar sind heute allesamt Bundesligisten. Dass der TSB am Samstag (20 Uhr) sein letztes Saison-Heimspiel gegen den VfL Waiblingen in der 3. Liga Süd absolviert, hat viel damit zu tun, dass vor genau 30 Jahren die einzige Saison der Horkheimer in der 2. Bundesliga mit dem Abstieg endete. Anlass genug für den Verein, die Helden von einst zum Saisonfinale in der Stauwehrhalle einzuladen.

Zu Saisonbeginn herrschte anno 1993 große Euphorie beim TSB

Blicken wir zurück: in zwei dramatischen Aufstiegsspielen gegen den TV Schwetzingen schaffte der TSB 1993 den nicht erwarteten Sprung in die Zweitklassigkeit. "Der Abstieg ist für uns kein Thema", verkündete Erfolgstrainer Horst Keilwerth mit Blick auf die Spielzeit 1993/94 in der Heilbronner Stimme. Der heute 77-Jährige hatte den TSB 1989 in den Niederungen der Oberliga übernommen und sukzessive weiterentwickelt. Nach dem 25:21-Auftaktsieg gegen den EHV Aue war Neuzugang Matthias Groß begeistert: "In dieser Atmosphäre macht es wirklich Spaß, Handball zu spielen."

 

An die tolle Stimmung in der Stauwehrhalle erinnert sich auch Gerd Hofele gerne zurück. "Die familiäre Atmosphäre hat mir immer gefallen", sagt der heutige Geschäftsführer des Bundesligisten Frisch Auf Göppingen.

Nicht nur der Trainerwechsel sorgt für Unruhe beim TSB Horkheim

Doch die erste Euphoriewelle ebbte nach und nach ab, der TSB rutschte nach starkem Saisonstart (Platz acht nach 13 Spieltagen) zusehends in den Abstiegsstrudel. Der Wechsel auf der zweiten Ausländerposition von Tudor Rosca auf Marius Timofte sorgte für Unruhe. Ebenso die Suspendierung von Peter Baumann, die dazu führte, dass der Torjäger den Verein verließ. "Ich weiß bis heute nicht, warum ich suspendiert wurde. Das Vertrauen war damit aber verloren", sagt der 54-Jährige heute.

Schließlich folgte die Entlassung von Trainer Keilwerth. Sein Nachfolger Werner Fischer fand jedoch keinen Draht zur Mannschaft. Eine unglückliche 17:18-Niederlage in Coburg gegen den HSV Suhl besiegelte am vorletzten Spieltag schließlich den Abstieg. Am Ende war die schlechtere Tordifferenz ausschlaggebend. "Exakt ein Jahr nach dem Aufstiegsjubel in Schwetzingen folgte der Katzenjammer in Coburg - die Region ist um ein Spitzenteam ärmer. Und davon hat sie ja ohnehin nicht sehr viele", war am 16. Mai 1994 in der HSt zu lesen.

TSB Horkheim: Viele Probleme von damals sind heute aktueller denn je

Nicht der einzige Satz in diesem Zusammenhang, der 30 Jahre später noch genauso gilt. "Hätte Horkheim die Klasse gehalten und es geschafft, sich in der 2. Bundesliga zu etablieren, hätte der TSB eine ähnliche Entwicklung nehmen können, wie es Bietigheim gelungen ist", glaubt Baumann. Doch damals wie heute fehlen entscheidende Faktoren. "Der Traditionsverein mit seinen verkrusteten Strukturen und das Umfeld waren für den Profibetrieb nicht gerüstet", kommentierte Uwe Ralf Heer am 25. Mai 1994.

750 Zuschauer verfolgten am 25. September 1993 den ersten Sieg des TSB in der 2. Bundesliga mit 25:21 gegen den EHV Aue. Thomas Murrweiss (links, beim Wurf) erzielte dabei drei Treffer.
Fotos: Archiv/Krüger
750 Zuschauer verfolgten am 25. September 1993 den ersten Sieg des TSB in der 2. Bundesliga mit 25:21 gegen den EHV Aue. Thomas Murrweiss (links, beim Wurf) erzielte dabei drei Treffer. Fotos: Archiv/Krüger  Foto: Krüger, Klaus

Die Zweitliga-Saison verursachte einen finanziellen Schaden in Höhe von 100 000 D-Mark. Weder aus der heimischen Wirtschaft noch von der Stadt Heilbronn war nennenswerte Unterstützung für das Projekt Profi-Handball gekommen. Die TSB-Trikots waren frei von Werbepartnern. Am Schuldenberg hatte der TSB noch viele Jahre zu knabbern.

"Ich habe dennoch für mich das Positive aus der Saison gezogen und bin ja beim TSB geblieben", sagt Hofele. Baumann sieht es ähnlich: "Es ist aller Ehren wert, dass es der TSB in den vergangenen 30 Jahren geschafft hat, in der 3. Liga fast immer vorne dabei zu sein." Unter den Zweitligagegnern von damals finden sich auch Vereine, die völlig von der Bildfläche verschwunden sind.

 
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