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Gerhard Husers ist neuer Sportlicher Leiter bei den Neckarsulmer Bundesliga-Frauen

Ein Fachmann zum Familientarif: Der Lebensgefährte von Trainerin Tanja Logvin ist ein Mann mit Netzwerk und Visionen. Für die Sport-Union ergeben sich durch Gerhard Husers völlig neue Optionen.

Dominik Knobloch
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Lesezeit 3 Min
Gerhard Husers ist neuer Sportlicher Leiter bei den Neckarsulmer Bundesligafrauen
Bekanntes Gesicht in neuer Rolle: Spielerberater Gerhard Husers folgt seiner Lebensgefährtin Tanja Logvin zur Sport-Union und steht der Neckarsulmer Trainerin nun offiziell als Sportlicher Leiter zur Seite.  Foto: Bertok, Alexander

Neu ist der Mann nicht. Wenn Gerhard Husers an diesem Samstag in der Ballei ab 18 Uhr das Bundesliga-Spiel der Neckarsulmerinnen gegen den VfL Oldenburg verfolgt, sitzt dort für viele im und um den Verein bereits jetzt ein Vertrauter. Husers ist schließlich der Lebensgefährte von Trainerin Tanja Logvin und als solcher bestens über die Sport-Union informiert. Auch beruflich kennt er die Handball-Szene im In- und Ausland durch seine Spieleragentur, zu der Stars wie die Norwegerin Stine Bredal Oftedal und zahlreiche europäische Toptalente zählen, wie kaum ein Zweiter.

Im Hintergrund hat der Niederländer für die Sport-Union in der Vergangenheit durchaus schon den einen oder anderen Deal mit eingefädelt. Als Liebesdienst für seine Partnerin. Nun wird Husers ganz offiziell für Neckarsulm aktiv. Als Sportlicher Leiter der Handball-Abteilung.

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Zum neuen Sportlichen Leiter bei der Sport-Union: Erneute Abhängigkeit

Die Sport-Union Neckarsulm eröffnet sich mit Gerhard Husers neue Horizonte, aber ein Restrisiko bleibt, meint unser Autor. 

Er ist ein Fachmann zum Familientarif, denn "eigentlich könnten wir uns so einen Experten gar nicht leisten", sagt der Vereinsvorsitzende Rolf Härdtner. "Gerhard hat schon einen langfristigen Vertrag, aber einen sehr bescheidenen", versichert Härdtner: "Er ist sehr zurückhaltend und würde sich nie in den Vordergrund schieben. Er will helfen und seine Kontakte, sein Wissen zur Verfügung stellen."

Vereinsvorsitzender Rolf Härdtner sieht kein Konfliktpotenzial

Sorgen in Sachen Vereinbarkeit von Beruflichem und Privatem gibt es bei den Verantwortlichen der Sport-Union nicht. "Zur Not mache ich den Schiedsrichter", scherzt Härdtner, betont aber die absolute Professionalität von Husers und Logvin, die immer über persönlichen Befindlichkeiten stehe. Auch bei möglichen mannschaftsinternen Unstimmigkeiten oder Misserfolgen sieht der Vereinsvorsitzende kein Konfliktpotenzial in der vertrauten Doppelspitze: "Bevor ich einen der beiden austausche, tausche ich lieber die ganze Mannschaft."

Ohnehin verlässt die Sport-Union nach den letzten vier Saisonspielen fast das halbe Team. Durch das jüngste 27:34 am Mittwochabend beim Buxtehuder SV aller Voraussicht nach nicht mit der erhofften Qualifikation fürs internationale Geschäft als Abschiedsgeschenk. "Natürlich war dies das Ziel. Wenn es nicht klappen sollte, gibt es aber keine Probleme", sagt Husers über die Verträge der teils hochkarätigen Zugänge, die bereits bekannt gegeben worden sind.

Husers hat Gefallen an dem Perspektivwechsel

Bei ihrer Verpflichtung hat Gerhard Husers schon mitgewirkt und ob seiner Erfahrung als Spielerberater dafür gesorgt, dass Zahlen und Rahmenbedingungen stimmen: "Ich sitze jetzt auf der anderen Seite des Verhandlungstischs und weiß genau, wie man gute Verträge aushandelt." Husers hat großen Gefallen an dem Perspektivwechsel. Und auch dank eines Blicks in die direkte Nachbarschaft keine Bedenken, dass sich durch seine neue Funktion in Neckarsulm etwas an seiner Beziehung zu Tanja Logvin ändert.

"Edina und Ferenc bekommen es doch auch super hin", sagt er. Das Ehepaar Rott bildet beim Bundesliga-Konkurrenten Metzingen als Trainerin und Geschäftsführer ein funktionierendes Erfolgs-Duo beim aktuellen Tabellenfünften. Innerhalb von nunmehr elf Jahren haben sie die TuS vom abstiegsgefährdeten Zweitligaverein zu einem der deutschen Topclubs mit internationalen Erfolgen gemacht und sind in dieser Zeit trotzt zwischenzeitlicher Kritik stets zusammengestanden.

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Ohnehin scheut Gerhard Husers den Vergleich mit den großen württembergischen Nachbarn Metzingen und Meister Bietigheim nicht. Neckarsulms neuer starker Mann hat nicht nur ein großes Netzwerk, sondern auch große Visionen. Er möchte die Sport-Union in den nächsten Jahren als Talentschmiede auf ein neues Niveau heben, für junge Spielerinnen schnellstmöglich attraktiver als die anderen sein.

Ab Herbst soll es in Neckarsulm die Tanja-Logvin-Handballschule geben, in der die ehemalige Weltklassespielerin und Cheftrainerin der Sport-Union vielversprechenden Nachwuchs persönlich betreut. Schließlich weiß Husers die Strahlkraft seiner charismatischen Frau zu nutzen.

Und er weiß auch, was er mit dem Verein in der nächsten Saison erreichen möchte: "Die zweite Mannschaft muss aufsteigen, die erste muss mindestens unter die Top fünf kommen und die ganze Organisation muss neu aufgestellt werden. Es gibt viel zu tun, aber es ist schöne Arbeit." Ein Einarbeiten kann sich Gerhard Husers zudem sparen. Neu ist der Mann in Neckarsulm schließlich nicht.


Offene Rechnung

An den jüngsten Auftritt des VfL Oldenburg in der Neckarsulmer Ballei dürfte sich die Sport-Union nur ungern erinnern. Mitte November mussten sich die Neckarsulmerinnen dem VfL mit 29:34 geschlagen geben - und verspielten trotz 19:13-Halbzeitführung das DHB-Pokal-Viertelfinale. Es ist also noch eine Rechnung offen. Der größte Gegner scheint für die Neckarsulmerinnen in der Endphase der Saison aber ohnehin der eigene Kopf zu sein. Vielleicht hilft ihnen die Favoritenrolle gegen den Drittletzten. dok

 

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