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Handball

Neckarsulm muss jetzt abliefern

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Im Derby gegen Nellingen steht die Sport-Union am Samstag wieder in der Pflicht - Kurz-Interview mit Isabel Tissekker

Von Dominik Knobloch
 Foto: Bertok, Alexander

Sina Namat hat das Wiedersehen um eine Woche vorverlegt. Schon bevor ihr Ex-Club am Samstag ab 18 Uhr in Neckarsulm aufläuft, traf die NSU-Kreisläuferin vergangenen Samstag auf Nellingen. Es war ein freundschaftlicher Besuch bei den ehemaligen Mitspielerinnen des TV.

"Ich saß zwar schon im Nellinger Zuschauerblock, aber geklatscht habe ich für Oldenburg", verrät Namat schmunzelnd: "Nellingen ist für mich jetzt vom Sportlichen her die Konkurrenz."

Zwei Zähler Vorsprung auf Neckarsulm

Namats VfL-Anfeuerung half letztlich nichts, sie musste mit ansehen, wie der TVN ein 28:26 einfuhr und sich dadurch mit zwei Zählern Vorsprung einen Rang vor Neckarsulm platzierte.

Zuschauen musste die 23-Jährige in ihrer Debüt-Saison für die Sport-Union auch beim ersten Aufeinandertreffen von Neckarsulm und Nellingen in der Hinrunde, bei dem sich die NSU-Frauen mit 26:19 durchsetzten. Nachdem ihr ein Teil des Meniskus entfernt worden war, hat sich Sina Namat mittlerweile aber zurückgearbeitet.

Zwar zwickte das Knie auch am Mittwochabend in Bietigheim noch ein wenig, "aber unter Adrenalin merkt man im Spiel eh nicht viel".

Glücksgefühle verspürte nach dem 20:26 Nele Reimer. Mit sieben Feldtoren und drei verwandelten Siebenmetern war sie der offensive Lichtblick bei der Sport-Union. "Endlich - das wurde ja auch mal Zeit. Dieses Spiel hat mir gut getan. Am besten kann es so gegen Nellingen weitergehen", sagt die 21-Jährige, die viel Selbstvertauen aus der Partie in Bietigheim zog.

"Mal punkten, das ist jetzt die Aufgabe"

Mehr als Mut wollen sich die Neckarsulmerinnen am Samstag holen. "Mal punkten, das ist jetzt die Aufgabe. Wir müssen gegen eine Mannschaft wie Nellingen gnadenlos Tempo gehen und die leichten, schnellen Tore machen", fordert Nele Reimer.

Eine Niederlage? "Das wäre für alle ziemlich doof. Das wäre der Worst Case, könnte man sagen", weiß sie, "da denke ich jetzt einfach nicht dran."

Auch die erste Hälfte in Bietigheim war aus Neckarsulmer Sicht weitestgehend zum Vergessen. "Obwohl wir ganz gut angefangen hatten, haben wir völlig ohne Grund wieder blöde Fehler gemacht und waren verunsichert", musste Reimer eingestehen. Das soll schnell raus aus den Köpfen.

"Es war sicher kein perfektes Spiel, aber es war eine Steigerung zu den letzten Spielen - und das wollten wir. Wir wollten für uns spielen und ich denke, das haben wir erreicht", befand Seline Ineichen, die am Neckarsulmer Kreis mit fünf Treffern für Gefahr sorgte: "Wir haben die Partie in Bietigheim bewusst auch ein bisschen als Vorbereitung für das Spiel gegen Nellingen gesehen." Jeder in Neckarsulm weiß: Jetzt muss die Mannschaft nach dem Trainerwechsel erstmals abliefern.

Genoss Annamaria Ilyes auf der NSU-Bank gegen die Topteams aus Buxtehude (24:35), Metzingen (18:35), Blomberg-Lippe (25:37), Thüringen (27:39) und zuletzt Bietigheim noch eine gewisse Schonfrist, steht sie nun gegen Nellingen in der Pflicht, mit den Neckarsulmerinnen zu punkten.

Positive Ansätze alleine reichen nicht mehr

Einen Sieg der Sport-Union gab es allerdings schon seit neun Spielen nicht mehr. Gegen Göppingen holten die Neckarsulmerinnen zu Hause den bislang einzigen Punkt des Handball-Jahres.

Das vorangegangene Heimspiel gegen Nellingen ruft man sich in Neckarsulm nur ungern in Erinnerung. Beim 22:26 leistete die Sport-Union in der Rückrunde der Vorsaison Nachbarschaftshilfe und schenkte dem TV trotz 10:2-Führung den ersten Sieg.

Zum Ausgleich jetzt der NSU neues Leben einzuhauchen, das kommt für TVN-Trainer Pascal Morgant nicht in Frage: "Die letzte Saison ist bei uns schon lange abgehakt." Präsenter sei da schon das Hinrunden-Duell der laufenden Runde: "Das war für uns sehr bitter und wir würden uns gerne dafür revanchieren."

Von großen Vorteilen ob der aktuellen Form will Morgant nichts wissen: "Ich glaube nicht, dass wir nach dem Sieg gegen Oldenburg Favorit sind - da reicht ein Blick auf die Besetzung der Teams."

Es könnte spannend werden.


 

Nachgefragt mit Isabel Tissekker: "Ich habe die Entscheidung nicht bereut"

An diesem Samstag kehrt sie zurück. Seit der D-Jugend hatte Isabel Tissekker in Neckarsulm gespielt, ehe sie im Februar nach 13 Jahren im Dienste der Sport-Union zum Bundesliga-Rivalen Nellingen wechselte. Vor dem Derby gegen ihre alte Liebe spricht die 24-Jährige über den Wechsel, das Wiedersehen und die Wichtigkeit der Partie.

 

Frau Tissekker, in der Fußball-Bundesliga wären dem Akteur in einer solchen Situation Pfiffe gewiss - fürchten Sie die auch in der Ballei?

Isabel Tissekker: Nee, auf keinen Fall. Mich haben nach dem Wechsel verschiedene Stimmen erreicht und fast alle haben Verständnis gezeigt. Ich sehe die Partie auch nicht als Chance auf Genugtuung. Viel mehr freue ich mich auf das Neckarsulmer Umfeld und die Mädels. Natürlich ist es schon eine spezielle Situation, wenn die Leute, die mir immer zugeklatscht haben, jetzt gegen mich klatschen. Darauf habe ich mich die Woche über schon versucht vorzubereiten.

 

Kam Ihre Entscheidung, die Heimat zu verlassen, denn zu früh - schließlich gibt Neckarsulms neue Trainerin Annamaria Ilyes allen Spielzeit...

Tissekker: Ich habe die Entscheidung bis heute nicht bereut und würde sie auch jetzt wieder genauso treffen. Die Umstände in Neckarsulm haben darauf keinen Einfluss, schließlich habe ich den Entschluss für mich persönlich gefasst. Ich finde es aber gut, dass unter der neuen Trainerin wieder alle Spielerinnen zum Einsatz kommen. Man hat schon gemerkt, dass sie sich trotz des schweren Programms etwas aufgerappelt haben.

 

Mehr als aufgerappelt hat sich mit einer Überraschung gegen Oldenburg zuletzt auch Nellingen. Wer ist am Samstag Favorit?

Tissekker: Natürlich der TV Nellingen (lacht). Im Ernst, ich sehe keinen Favoriten. Nicht nur für mich ist die Begegnung etwas Besonderes. Es ist das Spiel der Spiele für beide Seiten und der Fokus liegt sicher nicht nur bei uns voll darauf. Die Tagesform wird entscheiden. 

 
 
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