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Handball

Zwei Teams, ein Trainer: Iker Romero betreut SG Bietigheim und Österreich 

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Mal Charmeur, mal Hitzkopf: Der Spanier Iker Romero hat als Trainer der Österreicher zum Start der Handball-EM gegen Deutschland einen großen Auftritt. Sonst betreut er den Zweitligisten Bietigheim.

Von Marc Stevermüer 
Sein spanisches Temperament lebt der 45-jährige Iker Romero am Spielfeldrand nicht nur in Bietigheim, sondern auch als Nationaltrainer Österreichs aus.
Sein spanisches Temperament lebt der 45-jährige Iker Romero am Spielfeldrand nicht nur in Bietigheim, sondern auch als Nationaltrainer Österreichs aus.  Foto: Tom Weller

Iker Romero ist wahrlich ein charismatischer Charakterkopf. Und ein gewitzter Charmeur. Als der Spanier vor vielen Jahren zum Fernsehinterview ging, sagte er mit einem breiten Lächeln vor laufender Kamera zur damaligen Sport 1-Moderatorin Anett Sattler: „Du bist eine schöne Frau.“ Wenig später waren die beiden ein Paar.

Zu jener Zeit stand der frühere Weltklassehandballer noch als Spieler bei den Füchsen Berlin unter Vertrag, nachdem er als Legende vom FC Barcelona gekommen war. Der Weltmeister von 2005 gab dem damals noch jungen Projekt in der Hauptstadt ein prominentes Gesicht, war später eine wichtige Führungsfigur für die jungen Paul Drux (mittlerweile 30 Jahre, Karriereende) und Fabian Wiede (31).

Iker Romero ist der Mann, der den Weinsberger Alen Hadzimuhamedovic trainiert

Es verwundert nicht, dass Romero nach seiner aktiven Karriere ins Trainergeschäft strebte. Denn mit einem hohen Handball-IQ war der Spanier schon immer ausgestattet. Momentan sitzt er beim Zweitligisten SG BBM Bietigheim auf der Bank und trainiert dort unter anderem den Weinsberger Jungprofi Alen Hadzimuhamedovic. Zudem coacht Romero die österreichischen Nationalmannschaft, die an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) im EM-Auftaktspiel im dänischen Herning auf Deutschland trifft.

Wird vom ehemaligen Weltklassehandballer Iker Romero trainiert: Alen Hadzimuhamedovic aus Weinsberg.
Wird vom ehemaligen Weltklassehandballer Iker Romero trainiert: Alen Hadzimuhamedovic aus Weinsberg.  Foto: Seidel, Ralf

Erst im Sommer trat Romero seinen Job an. Er ist der Nachfolger von Ales Pajovic, der mittlerweile in der Bundesliga den Topclub SG Flensburg-Handewitt trainiert und zuvor in der Alpenrepublik eine bemerkenswerte Entwicklung eingeleitet hat. Es fehlte nicht viel und vor zwei Jahren hätten die Österreicher die deutsche Mannschaft in Köln bei der EM so richtig geschockt. Mit Ach und Krach rettete die Auswahl des Deutschen Handballbundes ein Remis. Österreich wurde EM-Achter. Viel mehr geht nicht.

Die Österreicher möchten ihren gestarteten Weg fortsetzen

„Wir haben bei dieser Europameisterschaft ein Niveau erreicht, das wir uns vorher nie erträumt hätten. Daran gilt es anzuknüpfen“, blickt Torwart Constantin Möstl zurück und legt zugleich die Marschroute für das anstehende Turnier fest. Die Österreicher möchten ihren gestarteten Weg fortsetzen und das erreichte Level bestätigen. Mindestens. Flügelspieler Sebastian Frimmel sagt: „Wir wollen in die Hauptrunde, einen Hype auslösen und begeistern.“

„Wir wollen in die Hauptrunde, einen Hype auslösen und begeistern.“

Sebastian Frimmel

Um sich für die nächste Runde zu qualifizieren, müsste Romeros Mannschaft aber mindestens einen der großen Favoriten Deutschland und Spanien hinter sich lassen. Denn nur die ersten beiden Teams jeder Gruppe sichern sich den Sprung in die Hauptrunde. Eine harte Aufgabe, doch Trainer Romero glaubt an das große Potenzial seiner Auswahl.

Österreich kann jeden schlagen - und gegen viele Mannschaften verlieren

„Wenn wir unser Bestes geben, jeden Tag, in jedem Training, und uns vertrauen, ist alles möglich“, sagt der Mann aus Vitoria-Gasteiz. „Wir können jedem Gegner in die Augen schauen.“ Aber auch gegen sehr viele Mannschaften verlieren. Im EM-Härtetest gegen Tschechien unterlag die Auswahl Österreichs mit 29:30.

„Diese Niederlage schmerzt ohne Ende. Sie ist richtig bitter“, sagte ein tief enttäuschter Romero, der schon während des Spiels sein spanisches Temperament auslebte. Mit hochrotem Kopf stand der 45-Jährige polternd und schimpfend am Spielfeldrand. Er kann nicht nur ein liebevoller Charmeur, sondern auch ein brodelnder Hitzkopf sein.

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