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Olympische Spiele

Zurück in die Alpen: Winterspiele kehren heim

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Die Vorfreude bei den deutschen Athleten auf das Sportfest in Mailand und Cortina ist groß, weil endlich mal wieder Freunde und Familie dabei sein können. Aber es gibt noch vor der Eröffnungsfeier am Freitag auch harsche Kritik. 

Am Freitag werden die Olympischen Winterspiele in Italien eröffnet. Mit Mailand und Cortina gibt es erstmals zwei offizielle Gastgeber-Orte.
Am Freitag werden die Olympischen Winterspiele in Italien eröffnet. Mit Mailand und Cortina gibt es erstmals zwei offizielle Gastgeber-Orte.  Foto: Michael Kappeler

Nach 20 Jahren kehren die Olympischen Winterspiele nicht nur in die Alpen, sondern auch nach Italien zurück. Während 2006 in Turin das Motto „Hier lebt die Leidenschaft“ lautete, trifft sich die sportliche Jugend der Welt 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo unter der Überschrift „IT’s your vibe“ – IT steht für Italien, es sollen 17 Tage mit italienischen Momenten, den Schwingungen jedes Einzelnen gefeiert werden. Das geht für die 185 deutschen Teilnehmer so gut wie schon lange nicht mehr: „Die Spiele in Norditalien vor unserer Haustür versprechen ein echtes Wintersportfest zu werden“, sagt Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). „Unser Team D ist bereit, die deutschen Fans zu begeistern und für unvergessliche Momente zu sorgen.“ Diesmal in derselben Zeitzone wie zu Hause.

Freude auf „viele bekannte Gesichter“ am Streckenrand

Snowboardcrosserin Jana Fischer (26) aus dem Schwarzwald freut sich, bei ihren dritten Olympischen Spielen erstmals „viele bekannte Gesichter zu sehen“. Das ging 2010 in Vancouver, 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang nicht so einfach und schon gar nicht bei den Corona-Spielen 2022 in Peking. Slopestyle- und Big-Air-Kollegin Annika Morgan (23) sagt: „Meine ganze Familie fällt in Livigno ein, sogar meine Tante und mein Onkel aus Amerika wollen kommen.“ Dabei sein ist alles? Daheim in Europa sein ist alles! Familienunterstützung macht einen Unterschied: Bobpilot Johannes Lochner (35) vom BC Stuttgart Solitude ist „so happy“, dass er seine letzte Saison mit seinem Sohn („Er wird in Cortina dabei sein“) verbringen könne. Auch der ehemalige Skispringer Markus Eisenbichler (34), für Eurosport als Experte am Start, ist voller Vorfreude: „Ist doch schön, wenn man mal die Kurzstrecke hat!“

Weil die Spiele in den Alpen stattfinden, haben die deutschen Teams weit weniger logistischen Aufwand gehabt, um ihre Sportgeräte an die Einsatzorte zu bringen.
Weil die Spiele in den Alpen stattfinden, haben die deutschen Teams weit weniger logistischen Aufwand gehabt, um ihre Sportgeräte an die Einsatzorte zu bringen.  Foto: Andrew Medichini

Leichtere Logistik für die Sportgeräte wie Bob & Co.

Das gilt für die Logistik, den Transport von Sportgeräten und Co.: „Da hatten wir bei den vergangenen Spielen viel mehr zu kämpfen“, sagt Horst Hüttel, Sportdirektor für die Disziplinen Nordische Kombination und Skispringen im Deutschen Skiverband. Und das gilt vor allem für die 80 Athletinnen und Athleten aus Bayern und 24 aus Baden-Württemberg, die das Gros der 185 deutschen Starter stellen. „Von uns in Oberstdorf sind es vier Stunden mit dem Auto“, sagt der Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger (28). „Das ist fast ein Heim-Olympia, wir können privat anreisen“, sagt sein Kollege Julian Schmid (26), der ebenfalls in Oberstdorf losfährt.

Weil an vielen unterschiedlichen Orten um olympische Medaillen gekämpft wird, schimpft der deutsche Funktionär Wolfgang Maier und sagt: "Das sind Einzelweltmeisterschaften."
Weil an vielen unterschiedlichen Orten um olympische Medaillen gekämpft wird, schimpft der deutsche Funktionär Wolfgang Maier und sagt: "Das sind Einzelweltmeisterschaften."  Foto: -

Kritischer Maier: „Das sind Einzelweltmeisterschaften in verschiedenen Orten“

Was einfach klingt, ist vor allem für die Zuschauer und den olympischen Geist so kompliziert wie noch nie. Weil die Wettkampfstätten weit über die Alpentäler verteilt sind. „Das werden Einzelweltmeisterschaften an verschiedenen Orten“, hat Wolfgang Maier (65), Sportvorstand im Deutschen Skiverband, schon vor Monaten gesagt. Die Eisspiele in der Metropole, die Schneespiele in den Bergen – das ist nicht mehr die olympische Ausnahme, sondern die olympische Regel. Diesmal sind die (nachhaltigen) Wege besonders weit. Erstmals ist sogar die Alpinfamilie bei Olympia auseinandergerissen: Die Frauen fahren in Cortina, die Männer in Bormio. Beides sind Kultstätten des Skisports – aber getrennt durch mindestens fünf Autostunden.

Ist Italien das Gegenteil von Paris?

Olympia-Routinier Wolfgang Maier formuliert plakativ: „Das bricht dem olympischen Gedanken das Genick.“ In der „Bild“-Zeitung legt er nach: „Wenn man Paris gesehen hat, da macht man jetzt in Italien genau das Gegenteil. Deshalb sage ich: Es sind Olympische Spiele zweiter Klasse.“ Für Langläuferin Katharina Hennig Dotzler ist Mailand/Cortina 2026 dennoch die erstklassige Gelegenheit, mit ihren dritten Spielen den persönlichen olympischen Kreis zu schließen. „Wenn man mich gefragt hätte, wo ich meine letzten Spiele absolvieren möchte, hätte ich Val di Fiemme gewählt“, sagt die 29-Jährige. Im Gegensatz zu den beiden vergangenen Spielen in Asien können diesmal Eltern, Großeltern, Freunde und Fanclub dabei sein. „Die Winterspiele vor der Haustüre, an Orten, wo der Wintersport einfach hingehört, das ist noch einmal ein neues Erlebnis, das ich mir sehr gewünscht habe.“ Am Freitag geht’s los: IT’s your vibe!

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