Wo es sich Kloppo und Boris Becker bei Olympia gutgehen lassen
Italien, Slowenien und die Schweiz residieren mit ihren Nationen-Locations mitten im Olympia-Ort Cortina Die Österreicher und die Deutschland residieren etwas außerhalb, dafür exklusiver. Was das Deutsche Haus so besonders macht.

Das Zentrum der Olympischen Winterspiele 2026 ist Cortina d’Ampezzo. Das mag weder geografisch noch mit Blick auf die Einwohnerzahlen richtig sein. Aber viele Nationen haben das Örtchen in den Dolomiten ausgewählt – nicht Mailand, Bormio oder Antholz –, um sich und seine Sportlerinnen und Sportler zu präsentieren, Medaillen zu feiern. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich für Cortina entschieden, hier steht das Deutsche Haus. Hier ist das Sehnsuchtsziel aller Athletinnen und Athleten im Team D. Sowie das gemeinsame Ziel von Vips und Fans. Doch es ist gar nicht so einfach, zum Cortina Golf Club hinauszukommen.
Vips und Fans auf dem Cortina Golf Club
Wer sich im Herzen von Cortina mit dem Blick auf das pulsierende olympische Feuer wärmt, stolpert quasi über ein Haus nach dem anderen: Ein paar Meter vom Corso Italia entfernt, feiern die Slowenen in der Bar Jambo, an der Piazza Roma in der Farsetti Arte Gallery die Italiener. Um ins Casa Italia hineinzukommen, braucht es mitunter Geduld. Zum Foto-Hotspot auf der Terrasse, den Olympischen Ringen mit dem Tofana-Massiv im Hintergrund, gelangt man aber auch, wenn man außen um das Gebäude herumgeht. Ein paar Gehminuten in Richtung Curling-Stadion steht das House of Switzerland: edles Restaurant für jedermann, riesige Holzveranda mit Ständen und Riesenleinwand. Mittendrin werden gerade TV-Interviews mit den Bob-Crews geführt. Olympia zum Anfassen.
Interviews auf der großen Holzveranda mit Riesenleinwand
Aber wo geht es zum Deutschen Haus? Vom olympischen Feuer sind es zehn Fußminuten talabwärts, an einer Kreuzung steht ein Schild. Hier fährt etwa alle halbe Stunde ein Shuttlebus. Hier kann man aber auch mal 40 Minuten in der Kälte warten. Zu Fuß sind es gut 20 Minuten. Der Bus, mit deutschem Kennzeichen, ist bequemer. Evelyn Brill fragt den hessischen Fahrer: „Warum liegt das Deutsche Haus so weit außerhalb?“ Die Antwort klingt routiniert, in ihr kommen die Worte „Exklusivität“, „Ambiente“ und „Sponsoren“ vor. Die 33-Jährige aus Urmitz bei Koblenz zuckt die Schultern. Bevor sie in der Fan-Zone überhaupt drin ist, sagt sie mit Hinweis auf den House-of-Switzerland-Pin in ihrer roten Wollmütze: „Bei den Schweizern fand ich es super, da kommt man besser hin.“

Das House-of-Switzerland ist leichter zu finden
Hinter einer Sicherheitsschleuse wie am Flughafen ist eine Art Winterdorf mit Ständen aufgebaut, in der Mitte schweben Leinwände, auf denen die Spiele übertragen werden. Hinter einer Absperrung geht es rauf ins Deutsche Haus – kein Zutritt für Normalos, nur gegen Bezahlung von 349 Euro pro Person. Olaf Tabor, Chef de Mission und Vorstand Leistungssport im DOSB, sagt mit Blick auf den täglichen Trubel in beiden Bereichen: „Hier muss man zwar im Kalten stehen, trotzdem ist die Hütte voll.“ Es sei eine gute Entscheidung gewesen, hierher zu gehen. Auch die Österreicher haben sich etwas außerhalb niedergelassen. Dort feierten die Skistars Mikaela Shiffrin und Federica Brignone ihre Goldmedaillen.
Die Skistars Mikaela Shiffrin und Federica Brignone feiern bei den Österreichern
„Wir hören von unseren Athleten, dass der legendäre Medal-Walk im Deutschen Haus elementar dazuzählt“, sagt Olaf Tabor. Und im Deutschen Haus warten die Familien, andere Sportler sowie Prominenz. Wie Boris Becker, Jürgen Klopp und Prinz Albert II. von Monaco. Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des DOSB, sagt: „Die anderen Länder kopieren das immer mehr, weshalb wir uns anstrengen müssen, uns immer wieder Neues einfallen zu lassen.“

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