Cortina d'Ampezzo (dpa)
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Ukrainisches Team beklagt Repressalien bei Paralympics

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Das ukrainische Team erhebt bei den Paralympics in Italien schwere Vorwürfe gegen das IPC. In einem Statement wird systematischer Druck beklagt. Das IPC reagiert überrascht.

Ohne Ohrringe: Oleksandra Kononowa.
Ohne Ohrringe: Oleksandra Kononowa.  Foto: Martin Schutt/dpa

Das Team der Ukraine beklagt bei den Winter-Paralympics in Italien Repressalien durch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) und das Organisationskomitee. Man sehe «sich gezwungen zu erklären, dass die Nationalmannschaft, ihre Athleten und Trainer seit Beginn der XIV. Winter-Paralympischen Spiele systematischem Druck seitens Vertretern des Internationalen Paralympischen Komitees und des Organisationskomitees der Spiele ausgesetzt waren», hieß es in einem Statement des ukrainischen Paralympischen Komitees.

Das IPC sei überrascht über diese Stellungnahme, teilte ein Sprecher auf dpa-Anfrage mit. Das nationale Paralympische Komitee habe weder über die Treffen der Chefs de Mission, dem offiziellen Kommunikationskanal, noch über andere Kanäle außer den Medien Bedenken geäußert. «Wir haben zwar Verständnis für die Situation der ukrainischen Bevölkerung, doch dieses Verständnis erlaubt es dem NPC Ukraine nicht, gegen die Regeln dieser Spiele zu verstoßen», hieß es.

Ohrringe und Schals abgenommen

In seinem offenen Brief zählt das ukrainische Paralympische Komitee vier Beispiele für die Vorwürfe auf. So habe Oleksandra Kononowa nach ihrem Sieg im Biathlon-Sprint bei der Siegerehrung ihre Ohrringe in den Landesfarben Gelb und Blau sowie der Aufschrift «Stop War» herausnehmen müssen. Ein Vertreter des IPC habe rüde versucht, sie ihr wegzunehmen, schrieb der Verband. Das IPC bestätigte, dass Kononowa ihre Ohrringe abnehmen musste, sie sei aber höflich darum gebeten worden und habe zugestimmt.

Weitere Vorwürfe

Nach Angaben des ukrainischen Paralympischen Komitees musste die ukrainische Flagge vor dem Quartier im paralympischen Dorf abgenommen und an einer weniger sichtbaren Stelle wieder aufgehängt werden. Der Familie von Biathlet Taras Rad, Sieger im Biathlon-Sprint und Dritter im Einzel, sei durch Vertreter des IPC und des Organisationskomitees Fahnen und Schals mit ukrainischen Ornamenten abgenommen worden. Auch sei eine tägliche Zusammenkunft am Abend im Gemeinschaftsraum der Unterkunft, die sich das ukrainische Team mit anderen Mannschaften teilt, für unzulässig erklärt worden.

IPC weist Russland-Nähe zurück

Zugleich wirft das ukrainische Paralympische Komitee dem IPC «seit langem die offensichtliche, besondere Loyalität» gegenüber den Paralympischen Komitees von Russland und Belarus vor. Das IPC wies den Vorwurf zurück. Die Entscheidung, den Ausschluss von Russland und Belarus aufzuheben, sei im vergangenen September von den Mitgliedsverbänden auf der Generalversammlung demokratisch getroffen worden und nicht vom IPC-Vorstand oder dem IPC-Management-Team.

Bei den Winter-Paralympics in Mailand, Cortina d'Ampezzo und Tesero dürfen Sportler und Sportlerinnen aus Russland und Belarus erstmals seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine vor vier Jahren wieder unter nationalen Symbolen bei einer Sport-Großveranstaltung antreten. Für die alpine Super-G-Siegerin Warwara Worontschichina wurde bei der Siegerehrung erstmals seit 2014 in Sotschi bei Paralympics nicht nur die russische Fahne gehisst, sondern auch die Hymne gespielt.

Außen- und Sportminister kritisieren IPC heftig

Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha und der Sportminister Matvii Bidnyi äußerten sich in einer gemeinsamen Erklärung scharf: «Das Internationale Paralympische Komitee hat nicht nur blutbefleckte russische und weißrussische Flaggen zugelassen, sondern versucht auch, ukrainische Flaggen und sogar die Farben Gelb und Blau zu verbieten», hieß es darin. Dem IPC warfen sie vor, sich offen auf die Seite Russlands zu stellen und damit gegen alle Prinzipien der olympischen Bewegung zu verstoßen.

Oleksandra Kononowa gewann Gold im Biathlon.
Oleksandra Kononowa gewann Gold im Biathlon.  Foto: Martin Schutt/dpa
Ein Para-Athlet aus der Ukraine beim Training. (Archivbild)
Ein Para-Athlet aus der Ukraine beim Training. (Archivbild)  Foto: Martin Schutt/dpa
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