Predazzo/Tesero (dpa)
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Mit Frauen oder Olympia-Aus: Kombinierer kämpfen um Zukunft

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Nordische Kombination steht vor weitreichenden Entscheidungen. Bei einem Olympia-Aus drohen heftige Folgen - auch für eine weitere Sportart.

Von Tobias Brinkmann und Thomas Eßer, dpa
Olympia findet ohne Nathalie Armbruster und die Frauen-Kombination statt. (Archivbild)
Olympia findet ohne Nathalie Armbruster und die Frauen-Kombination statt. (Archivbild)  Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Das Mitfiebern bei den Olympischen Winterspielen ist für Nathalie Armbruster alles andere als ein Genuss. «Ich habe mir die Eröffnungsfeier angesehen, aber es hat sehr wehgetan, da zuzuschauen und zu wissen: Ich wäre da vor Ort und könnte meinen Kindheitstraum leben - aber ich darf es nicht», schimpft die 20-Jährige im ZDF. «Weil ich eine Frau bin.»

Statt im italienischen Predazzo und Tesero um Medaillen zu kämpfen, muss Armbruster, dreifache Vizeweltmeisterin in der Nordischen Kombination, aus der Ferne zuschauen. Im schwedischen Falun ist ein Lehrgang geplant. Dort findet 2027 die Nordische Ski-Weltmeisterschaft statt - mit den Frauen. Was beim Ski-Weltverband Fis klappt, klappt beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bislang nicht. «Wir fordern Gerechtigkeit», betont Armbruster. Bei den Winterspielen gibt es keine weitere Sportart, in der nur ein Geschlecht teilnimmt.

«Hat mir das Herz gebrochen»

Für die Olympia-Teilnahme der Kombiniererinnen 2030 in den französischen Alpen werben sie kräftig. Armbruster tritt im Fernsehen auf und ist in sozialen Netzwerken aktiv, während die Männer ab Mittwoch um die Medaillen springen und laufen.

«Es hat mir das Herz gebrochen, als wir uns verabschiedet haben», sagt Kombinierer Johannes Rydzek. «Man bestreitet alle Wettkämpfe während des Weltcups miteinander auf gleichem Niveau und nur wir dürfen zu den Olympischen Spielen.»

Die Männer protestierten bei den vergangenen Weltcups immer wieder in Richtung IOC. Sie hielten vor den Starts ihre Stöcke zu einem x hoch, als Zeichen für das weibliche Chromosom. «Sie hätten es mehr als verdient, dabei zu sein», sagt Rydzek.

Das IOC will genau hinschauen

Für Olympia 2030 wird es im Juni eine Entscheidung geben. Dabei geht es nicht nur um Frauen, sondern um die gesamte Sportart. Die Nordische Kombination droht, komplett aus dem Olympia-Programm zu fliegen. «Es wird nur in eine Richtung gehen. Entweder die Frauen kommen für 2030 rein, oder die Herren gehen raus», erwartet Sportdirektor Horst Hüttel vom Deutschen Skiverband (DSV).

Eine Tendenz ist schwer abzusehen. «Ich muss leider sagen, dass man vom IOC so gar nichts hört», sagt Armbruster. Hüttel spricht von einer «Blackbox».

Während der Wettkämpfe in Predazzo und Tesero werden laut Hüttel auch IOC-Vertreter am 11. und 17. Februar vor Ort sein. Dazu sammelt das Komitee weitere Informationen wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen, aber auch Reichweiten von Instagram-Postings. «Wir sind uns der Herausforderungen bewusst, vor denen die Nordische Kombination sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen steht», erklärt IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey. 

Österreich, Deutschland und Norwegen zu dominant?

Dem IOC fehlt es unter anderem an Nationenvielfalt. Österreich, Deutschland und Norwegen sind vor allem bei den Männern zu dominant.

Deutschlands Medaillen-Hoffnung Vinzenz Geiger lässt das nicht gelten und richtet seine Worte an die Entscheider. «Sie sollen sich das Olympia-Rennen von 2022 angucken. Wenn es jemand nicht spannend genug ist, weiß ich auch nicht, was das für Adrenalin-Junkies sind», betont der zweifache Olympiasieger, der mit einem fulminanten Schlussspurt in Peking zu Gold sprintete.

Olympia-Aus mit weitreichenden Folgen 

Das mögliche Olympia-Aus ist es bei den Sportlern ein großes Thema. «Die Gefahr schwebt wie ein Damoklesschwert über uns», sagt Rydzek. Die Herausnahme aus dem Programm dürfte weitreichende Folgen haben.

Aufgrund dann wohl fehlender Fördergelder würde sogar die komplette Sportart Nordische Kombination auf dem Spiel stehen. Auch im Skispringen würde man Auswirkungen spüren, prophezeit Hüttel und spricht von einem drohenden «Voll-Fiasko». Denn die Schanzenanlagen werden auch von den Fördergeldern durch die Olympia-Erfolge der Nordischen Kombinierer in der Vergangenheit finanziert.

«Bis Mai haben wir Zeit, genügend Argumente zu liefern, dass es ein riesiger Fehler des IOC wäre, die Nordische Kombination aus dem Programm zu nehmen», sagt DSV-Sportdirektor Hüttel.

DSV-Sportdirektor Horst Hüttel warnt vor den Folgen eines Olympia-Ausschlusses der Nordischen Kombination. (Archivbild)
DSV-Sportdirektor Horst Hüttel warnt vor den Folgen eines Olympia-Ausschlusses der Nordischen Kombination. (Archivbild)  Foto: Daniel Karmann/dpa
Vinzenz Geiger landete bei Olympia 2022 einen Gold-Coup. (Archivbild)
Vinzenz Geiger landete bei Olympia 2022 einen Gold-Coup. (Archivbild)  Foto: Daniel Karmann/dpa
Nach oben  Nach oben