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Nove Mesto

Biathlon-WM: Justine Braisaz-Bouchet mit Hingabe einer Mama zur Gold-Medaille

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Die französische Biathletin Justine Braisaz-Bouchet hat vor einem Jahr Tochter Côme geboren, ist seitdem ruhiger und souveräner. Bei der WM in Nove Mesto holte sie bereits den ersten Sieg.

0bwohl Justine Braisaz-Bouchet in der Mixed-Staffel eine Strafrunde geschossen hat, jubelt sie mit ihren Teamkameraden noch über die Goldmedaille.
Foto: dpa
0bwohl Justine Braisaz-Bouchet in der Mixed-Staffel eine Strafrunde geschossen hat, jubelt sie mit ihren Teamkameraden noch über die Goldmedaille. Foto: dpa  Foto: Hendrik Schmidt

Voller Inbrunst singt Justine Braisaz-Bouchet die Marseillaise bei der Biathlon-WM. Frankreichs Nationalhymne als Ausdruck ihrer intensiven Gefühle. Neben ihr auf dem obersten Podest stehen Eric Perrot, Quentin Fillon Maillet und Julia Simon. Jene Frau, mit der sie seit einer Kreditkartenaffäre nur das Allernötigste spricht, gegen die sie Klage eingereicht hat. Ausgerechnet Simon lobt am Mittwochabend die 27-Jährige: "Justine ist extrem schnell gewesen." So macht sie ihre Strafrunde nach dem Liegendanschlag wett - damit sie in der Mixed-Staffel von Nove Mesto belohnt werden. Mit Gold. Als Weltmeister. "Natürlich war ich erst enttäuscht über mein Schießen, aber jetzt bin ich happy", sagt Justine Braisaz-Bouchet.

Seit der Geburt ihrer Tochter Côme im Februar 2023 hat sich das Leben der Französin verändert. Es ist turbulent und doch höchst erfolgreich. "Meine Tage sind sehr arbeitsreich, manchmal ist es schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Aber die Liebe, die ich für sie empfinde, ist so groß und stark, dass sie mir einen gewissen Sinn für Humor gibt", sagt Justine Braisaz-Bouchet. "Côme bringt mich zum Lächeln und hat mir viele einfache Dinge beigebracht."

Biathlon-WM: Braisaz-Bouchet trainierte auch während der Schwangerschaft - mit Babykugel am Schießstand

Im Juni fehlt die Olympiasiegerin im Massenstart noch beim ersten Trainingslager der Französinnen. Sie hat während ihrer Schwangerschaft zwar nie aufgehört zu trainieren, die Einheiten nur anders gestaltet, was Bilder mit Babykugel am Schießstand oder beim Wandern mit Hund belegen. Nach der Pause stillt Justine Braisaz-Bouchet noch, arbeitet lieber in ihrem Tempo, ehe sie zum Team stößt.

"Ich habe gelernt, einfacher zu schießen", sagt sie. Das Verhalten am Stand ihrer Konkurrentinnen hat sie vor dem Fernseher genau verfolgt. Jedes einzelne Rennen. Und inspiriert, unbedingt wieder dabei sein zu wollen. Sie kommt zurück. Ruhiger. Souveräner. Ohne Erwartungen. "Ich höre mehr auf meinen Körper, habe mich besser kennengelernt. Ich lebe mehr im Moment, fühle mich frei und stark", sagt die Frau mit den nunmehr fünf WM-Medaillen vor dem Sprint am Freitag (17.20 Uhr/ARD). Das ist ihre Disziplin. Sie siegt in Lenzerheide, in Oberhof, wird Dritte in Hochfilzen, ist Zweite im Gesamtweltcup hinter Norwegens Ingrid Landmark-Tandrevold.

Biathlon-WM: Ihr Mann ist eine große Hilfe für Braisaz-Bouchet

Das Leben mit Kleinkind funktioniert, weil ihr Ehemann seine Karriere beendet hat, sich um Côme kümmert. "Ich hätte nicht weitermachen können, wenn er dazu nicht bereit gewesen wäre, das vergesse ich ihm nicht", sagt Justine Braisaz-Bouchet. "Mein Mann ist eine große Hilfe, er macht mir den Tag leichter." Und reist mit der Einjährigen wie in Lenzerheide auch mal Maman hinterher.

Die genießt dann die Stunden mit ihrer Tochter, macht sich nicht mehr so viele Gedanken über Details, konzentriere sich stattdessen auf sich und darauf, was sie noch erreichen möchte. Justine Braisaz-Bouchet lacht und sagt: "Ich möchte alles. Biathletin sein. Mutter sein. Ehefrau sein."

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