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Ski nordisch

Was man zum Saisonstart der Skispringer wissen muss

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Für die deutschen Skispringer um Andreas Wellinger und Karl Geiger steht eine Saison mit vielen Höhepunkten an. Auftakt in Lillehammer mit sieben Startern - und einem Rückkehrer.

Sein Credo ist das Risiko: Andreas Wellinger ist der Hoffnungsträger der deutschen Adler.
Sein Credo ist das Risiko: Andreas Wellinger ist der Hoffnungsträger der deutschen Adler.  Foto: Darko Bandic

Sie fliegen wieder: Mit einem Sieg im Mixed-Springen hat für die deutschen Adler am Freitagabend der Weltcup-Winter begonnen. In Lillehammer geht es an diesem Samstag und Sonntag (jeweils 16 Uhr/ARD und Eurosport) mit den ersten Einzelwettbewerben weiter. Wissenswertes zum Saisonstart:

Skispringer Markus Eisenbichler ist zurück im deutschen Weltcup-Team

Der Rückkehrer: Markus Eisenbichler war lange weg, ja beinahe weg vom Fenster. Sein letztes Weltcupspringen bestritt der 33-Jährige am 2. April 2023 – die vergangene Saison war der siebenmalige Weltmeister im zweitklassigen Continental-Cup zu Hause. Es lief nicht. Auch wegen einer alten Knieproblematik. „Die Situation war nicht einfach, aber ich habe sie angenommen. Und es war extrem spannend zu sehen, wie man daraus wächst“, sagt der Eisei, der sich nicht verbiegen lässt.

Ist zurück im Weltcup: der siebenmalige Weltmeister Markus Eisenbichler.
Ist zurück im Weltcup: der siebenmalige Weltmeister Markus Eisenbichler.  Foto: Matthias Schrader

Aus der Krise habe er viel Positives gezogen. „Mit ganz normaler harter Arbeit und Entspannung“ habe er sich zurück ins Weltcup-Team gearbeitet. „Er konnte sich gegen die sehr gut springenden Constantin Schmid und Luca Roth aus dem B-Kader durchsetzen“, sagt Bundestrainer Stefan Horngacher.

Stefan Horngacher traut Adrian Tittel viel zu

Der Neue: Der 55-jährige Trainerfuchs hat bewährte Kräfte mit nach Norwegen genommen: Neben Markus Eisenbichler (33) auch Karl Geiger (31), Stephan Leyhe (32), Pius Paschke (34), Philipp Raimund (24) sowie Andreas Wellinger (29). Nicht zu vergessen der 20 Jahre alte Adrian Tittel. Wer ist das? „Ein guter junger Sportler, der echt so richtig sortiert ist, gut zuhört“, sagt Stefan Horngacher. „Er ist ein sehr, sehr guter klassischer deutscher Skispringer, der sich Jahr für Jahr nach vorne schieben wird.“

Der Athlet der SG Nickelhütte Aue, wo auch Selina und Richard Freitag sowie Martin Hamann groß geworden sind, habe, so Horngacher, „definitiv große Möglichkeiten“. Was Adrian Tittel mit drei Medaillen Anfang Februar bei der Junioren-WM in Planica bewiesen hat. Somit hat er dem deutschen Team einen zusätzlichen siebten (Junioren-)Startplatz beschert. 

Neuerung bei der Landung sorgt für Ärger

Die Neuerungen: Die Reduzierung der Zahl der Sprunganzüge auf zehn pro Athlet und Saison sollen auf den Schanzen für mehr Chancengleichheit sorgen. Das viel größere Thema ist aber eine weitere Neuerung: Dass die Sprungrichter bei einer unsauberen Landung drei statt wie bisher zwei Punkte abziehen sollen, begrüßen nicht alle.

„Ich finde total bescheuert, was sich der Weltverband da wieder hat einfallen lassen.“

Markus Eisenbichler

„Ich finde total bescheuert, was sich der Weltverband da wieder hat einfallen lassen“, poltert Markus Eisenbichler. „Denn wenn du weit fliegst und den Telemark versaust, kann es sein, dass du nicht auf dem Podest bist.“ Karl Geiger reagierte mit einem „Hä, wieso?“ auf die Neuerung: „Wir sind ja nicht im Eiskunstlauf oder Dressurreiten. Sondern wir wollen, dass der weiteste und beste Sprung gewinnt.“ Die spannende Frage ist, wie stilvoll die Sprungrichter die neue Stil-Regel anwenden.

Vierschanzentournee als absolutes Premiumprodukt

Der Kalender: Die mehr als viermonatige Reise bleibt sportlich. „Das wird eine lange Saison, die bis Ende März wieder viele Highlights bereit hält“, sagt Andreas Wellinger. Das Kerngeschäft geht wie gehabt in Europa über die Schanzen, weil das der Kernmarkt ist und bleibt. Mit dem absoluten Premiumprodukt, der Vierschanzentournee, um den Jahreswechsel.

Aber es stehen im Februar Luftsprünge in die USA (Lake Placid) und nach Japan (Sapporo) an, ehe es in Trondheim bei den Weltmeisterschaften (27. Februar bis 9. März) um Medaillen geht. Es folgen weitere Höhepunkte: Mitte März die verkürzte Raw Air in Norwegen (nur Oslo und Vikersund, ohne Trondheim) und das große Flugfinale in Planica vom 28. bis zum 30. März.

Bundestrainer hofft auf deutlich mehr Konstanz

Die Ziele: Der Bundestrainer sagt es so: „Eine große Erwartung wäre, dass wir bis zum Saisonende besser durchkommen, in den Leistungen stabiler bleiben.“ Die Truppe von Stefan Horngacher hatte vergangenen Winter bis zum Jahreswechsel drei verschiedene Sieger gestellt, insgesamt elf Podiumsplatzierungen. Danach kamen lediglich sechs weitere im Einzel dazu.

Hält große Stücke auf Adrian Tittel: Bundestrainer Stefan Horngacher.
Hält große Stücke auf Adrian Tittel: Bundestrainer Stefan Horngacher.  Foto: Hendrik Schmidt

Ein weiterer Wunsch, natürlich, sei „irgendwann diese Vierschanzentournee zu knacken“. Der jüngste deutsche Triumph beim Spektakel um den Jahreswechsel, Sven Hannawalds Grand Slam, liegt nun 23 Jahre zurück. Was Horngacher Hoffnung macht: „Anfangs war Andreas Wellinger im Training vorne, dann war Stephan Leyhe Man of the day, dann Pius Paschke – sie pushen sich. Es geht darum, miteinander zu springen, nicht gegeneinander.“

Wellinger geht in seine zwölfte Weltcup-Saison

Der Hoffnungsträger: Ist vor allem Andreas Wellinger, zuletzt Zweiter der Vierschanzentournee und Dritter im Gesamtweltcup. Es ist die zwölfte Weltcup-Saison des Weißbachers. „Mein Credo ist das Risiko: Konstant Achter zu werden ist okay, aber das bringt dich nicht so nach vorne“, sagt Andreas Wellinger, der heiß ist: „Es ist an der Zeit, dass wir wieder das machen können, was wir lieben.“ Sie fliegen wieder.

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