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Warum sogar die italienische Luftwaffe Farbe für Olympiasiegerin Federica Brignone bekennt

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Die italienische Rennläuferin wird mit Super-G mit 35 Jahren älteste Alpin-Siegerin der olympischen Geschichte, was die Gastgeber auf ganz besondere Weise feiern. 

Unglaubliche Freude: Die Italienerin Federica Brignone feiert einen nicht für möglich gehaltenen Coup.
Unglaubliche Freude: Die Italienerin Federica Brignone feiert einen nicht für möglich gehaltenen Coup.  Foto: Michael Kappeler

Die fünfte Goldmedaille der Gastgeber bei den Olympischen Winterspielen 2026 war vielleicht die bisher überraschendste, ganz sicher war es die lauteste. Die Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe überflog am Donnerstagmittag die berühmte Tofana von Cortina, zauberte drei grüne, zwei weiße und drei rote Streifen in den Himmel, bekannte Farbe für Federica Brignone. Unten, im Ziel, machte sich die 35-Jährige auf zur Siegerehrung nach dem Super-G – während die beiden deutschen Medaillenhoffnungen Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann nach Worten suchten, um ihre Enttäuschung zu erklären: Sie waren ausgeschieden.Doch die Geschichte das Tages, die für Italien vielleicht die Geschichte der Spiele bleiben wird, ist die sagenhafte Rückkehr von Federica Brignone nach einem Horrorsturz: „Es ist wirklich unglaublich. Ich wusste nicht, ob ich jemals wieder Skifahren können würde “, sagte die mit 35 Jahren nun älteste Alpine-Olympiasiegerin der Geschichte.

Brignone stiehlt dem verletzten US-Star Vonn die Erfolgsgeschichte

Die Geschichte gestohlen Es ist die Geschichte, die Lindsey Vonn so gerne geschrieben hätte. Doch die 41-Jährige war am Sonntag nach ihrem fürchterlichen Sturz mit dem Hubschrauber über die Tofana ins Krankenhaus geflogen worden. Wo jetzt die italienische Luftwaffe Federica Brignone feierte. Fede, wie sie in Italien genannt wird, hat da jemandem die Geschichte und die Show gestohlen. Auf maximal sympathische Art und Weise. „Es gibt viel Druck, wenn du die Spiele im eigenen Land hast. Alle warten seit sechs Jahren auf Olympia“, erzählte die gebürtige Mailänderin. Ihr Vorteil am Donnerstag: „Ich hatte nichts zu verlieren.“ Weil sie schon so viel wieder zurückgewonnen hat.

Traumhafte Kulisse, traumhafte Fahrt, traumhafte Geschichte: Federica Brignone auf dem Wege zu Super-G-Gold.
Traumhafte Kulisse, traumhafte Fahrt, traumhafte Geschichte: Federica Brignone auf dem Wege zu Super-G-Gold.  Foto: Jacquelyn Martin

Der größte Vorteil der Italienerin: „Ich hatte nichts zu verlieren“

Am 3. April 2025 lag Federica Brignone am Boden. In jeglicher Hinsicht. Bei den italienischen Meisterschaften im Riesenslalom passierte es: mehrfragmentäre Trümmerfraktur der Tibiagelenkfläche und des Wadenbeinkopfes im linken Bein sowie einen Riss des vorderen Kreuzbandes. Eine kleine Katastrophe, mit der sie nach wie vor jeden Tag konfrontiert ist. „Beim Skifahren ist es schlechter als im normalen Leben, aber es ist noch okay. Das größte Ziel ist Olympia“, sagte die Gesamtweltcupsiegerin von 2019/20 und 2024/25 noch Mitte Januar vor ihrer Rückkehr in den alpinen Ski-Weltcup.

Jeden Tag zweifelt die Siegerin, dann ist sie stolz

Das alles muss man wissen, um den Sturm der kollektiven Begeisterung unterhalb des 3244 Meter hohen Dolomitengipfels einordnen zu können. Denn die bei der Pressekonferenz Fragen auch souverän auf Englisch und Französisch beantwortende Brignone hatte erst zwei Auftritte im Weltcup, in dem sie seit 18 Jahren unterwegs ist: Im Riesenslalom am Kronplatz wurde sie Sechste. Im Super-G von Crans-Montana Achtzehnte. In der Olympia-Abfahrt am Sonntag war es Platz zehn. Am Donnerstag glückte im Super-G der Sensationssieg. Hatte sie Zweifel? „Jeden Tag. Jeder Tag war schwierig.“ Wie groß sind die Schmerzen? „Wenn es so bleibt, weiß ich nicht, ob ich weitermachen kann.“ Was dachte sie, als im Ziel die Eins aufleuchtet? „Ich war stolz auf mich. Und ich dachte: Das kann nicht sein.“ Hatte sie geglaubt, Gold gewinnen zu können? „Es war unvorstellbar, dass ich hier sein würde. Und schon gar nicht dachte ich, dass es Gold werden könnte.“

Lange hockt die Deutsche Emma Aicher nach ihrem Ausscheiden frustriert im Zielbereich.
Lange hockt die Deutsche Emma Aicher nach ihrem Ausscheiden frustriert im Zielbereich.  Foto: Michael Kappeler

Ungläubiger Frust bei Emma Aicher, die vom rechten Weg abkommt

Gold hatte Emma Aicher in den vergangenen Tagen zwei Mal knapp verpasst. Das war dennoch Grund zu großer Freude. Diesmal war der Frust groß. „Das ärgert mich, mit Nummer sieben darf das nicht passieren“, sagte die 22-Jährige. Und Kira Weidle-Winkelmann gab zu: „Wir dachten, dass es nicht so kompliziert wäre.“ Im nassen Schnee waren auch andere Medaillenkandidatinnen wie die Italienerin Sofia Goggia und die Tschechin Ester Ledecka vom rechten Weg abgekommen. So freuten sich die Österreicherin Cornelia Hütter über Bronze, die Französin Romane Miradoli über Silber und Federica Brignone über Gold – das bisher lauteste Gold.

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