Warum Max Langenhans Goldmedaille von Cortina aus 1000 Teilen sein müsste
Max Langenhan rast in Cortina mit vier Mal Bahnrekord und Nackenschmerzen zum Olympiasieg. Und denkt dabei auch an einen verstorbenen ehemaligen Trainer.

Am Tag geht es um Millisekunden, in der Nacht kommt die gefühlte Unendlichkeit: In keinem anderen Sport treffen verschiedenen Zeitzonen so heftig aufeinander wie im Rodeln. An zwei Tagen geht es im Eiskanal liegend jeweils zwei Mal um Tausendstelsekunden. In der Nacht dazwischen ist die Zeit im Bett liegend mitunter endlos.
Bei Max Langenhan galt das bei den Olympischen Spielen in Cortina schon für die Nacht davor: „Ich habe quasi überhaupt nicht geschlafen“, sagte der 26-Jährige. So nervös? Nein: Solche Nackenschmerzen. Und solche Zweifel. Ob er überhaupt kann. „Ich habe ein paar Tränen verdrückt“, sagte er am späten Sonntagabend.
Max Langenhans goldener Steigerungslauf mit vier Mal Bahnrekord in Cortina
Der Sportsoldat, 1,90 Meter groß und zwei Zentner schwer, startete und machte aus seinen vier Fahrten von Samstagnachmittag bis Sonntagabend einen spektakulären Steigerungslauf: Bahnrekord (52,924 Sekunden), Bahnrekord (52,902), Bahnrekord (52,705), Bahnrekord (52,660), Goldmedaille Nummer eins für die deutsche Mannschaft!
„Ich würde diese Medaille so gerne in 1000 kleinen Stückchen teilen, weil so viele daran Anteil haben.“
Max Langenhan
„Ich würde diese Medaille so gerne in 1000 kleinen Stückchen teilen“, sagte Max Langenhan, noch immer tief bewegt, „weil so viele daran Anteil haben.“ Sein erster Trainer, sein erster Sponsor, der beim Klettern verstorbene Trainer Uwe Lehmann, die überragenden Ärzte, die überragenden Physios. Dann nahm er das Goldstück ab mit den Worten: „Echt krass schwer – ich habe solche Nackenschmerzen.“
Als Max Langenhan im Ziel war, stand die Zeit kurz still
Im Ziel hatte Langenhan, Gesamtweltcupsieger der beiden vergangenen Winter, ohne Reaktion in sich gekehrt einfach ausgeharrt. „Es hat sich angefühlt wie fünf Minuten für mich selber“, da seien ihm all die 1000 Leute durch den Kopf gegangen, die ihn zum Olympiasieger gemacht hätten. Die Zeit stand still.

Für einen Wimpernschlag benötigt man etwa 100 bis 150 Tausendstelsekunden. Der Österreicher Jonas Müller, in den sieben Weltcups dieses Winters drei Mal Sieger, lag nach den in Summe 7,2 Kilometern Fahrt vier, fünf Wimpernschläge, 0,596 Sekunden zurück; Dritter wurde der Italiener Dominik Fischnaller (+0,934). Felix Loch, viermaliger Saisonsieger, wurde die halbe Rodelewigkeit von 1,860 Sekunden zurück Sechster, Timon Grancagnolo als Dritter im schwarz-rot-goldenen Bunde Neunter (+ 2,301).
Felix Loch kommt diesmal nicht über Platz sechs hinaus
„Ich habe am Start immer Trouble gehabt, es hat nicht sollen sein. Schade, dass es gerade in dem Rennen passiert, das es nur alle vier Jahre gibt“, sagt Felix Loch, Olympiasieger 2010 und 2014, der wissend um die Magie des Augenblicks als erster Gratulant Max Langenhan die drei Tipps mitgab: „Genieße es, genieße es, genieße es!“
„Genieße es, genieße es, genieße es!“
Felix Lochs Tipps an Max Langenhan
Und der in diesem Weltcup noch sieglose neue Olympiasieger genoss, so geht es eben mit Schmerzen geht. „Ich hätte gerne vier perfekte Läufe hingelegt, jetzt hab ich nur die Chance auf zwei. Ich konnte nicht ordentlich starten. Die Startzeiten nerven mich“, hatte das Kraftpaket vom BRC 05 Friedrichroda zur Halbzeit geklagt. Jammern auf hohem Niveau.
Der Dickkopf aus Thüringen setzt sich durch, braucht keine Spritze
Das dürfte die geschlagene Konkurrenz angestachelt haben, als sie sich nachts so ihre Gedanken machte. Aber der Dickkopf aus Thüringen setzte sich durch, ohne Spritze: „Der Körper kann alles. Du musst nur deinen Kopf überzeugen.“ Bundestrainer Thomas Schwab war erleichtert, dass die Nackennummer doch noch ein goldenes Ende benommen hatte: „Dann so einen Wettkampf abzuliefern, da gehört schon etwas dazu.“
Und Felix Loch freute sich: „Max hat für das ganze Team einen mega Einstand gefeiert.“ Die Feier soll weitergehen, der Kampf um die Millisekunden geht weiter: Am Montag sind ab 17 Uhr die Frauen im Einsitzer dran.

Stimme.de