Warum Emma Aicher in der Team-Kombination nicht die Abfahrt fährt
US-Superstar Mikaela Shiffrin startet erstmals in Cortina. Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann gehören in der Team-Kombination zu den Mitfavoriten.

Emma Aicher müsste mit Emma Aicher starten. Wenn an diesem Dienstag (10.30 Uhr/14 Uhr) in Cortina die olympische Entscheidung in der Team-Kombination ansteht, gehört die erste deutsche Medaillengewinnerin der Spiele 2026 wieder zum Favoritinnenkreis. Erst geht es auf die Abfahrtsstrecke, dann folgt ein Durchgang im Slalom; die Zeiten werden addiert.
Doch die Silbermedaillengewinnerin der Abfahrt fährt Slalom, den Speed-Part übernimmt Kira Weidle-Winkelmann, Neuntplatzierte am Sonntag. So dass Slalomspezialistin Lena Dürr zuschauen muss. Die Kombinations-Kombination Aicher-Dürr wäre auch aussichtsreich gewesen.
Emma Aicher übernimmt in der Team-Kombination von Cortina den Slalom-Part
Emma Aicher zuckt die Schultern und sagt: „Die Umstellung ist kein Problem für mich. Ich habe den Switch schon viele Jahre üben können. Ein, zwei Fahrten, dann bin ich wieder drin.“ Die 22-Jährige ist die beste Allrounderin im Weltcup – und die einzige unter den 136 bisher in die Punkte gefahrenen Frauen.
„Ein, zwei Fahrten, dann bin ich wieder drin.“
Emma Aicher
Käme die klassische Kombination zur Austragung – bei den Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen gab es nur diese alpine Medaille – Silber-Emma wäre designierte Gold-Emma. Doch die wurde nach der Austragung 2022 in Peking vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gestrichen.
Fokus nicht auf die Medaillen, Fokus auf das Skifahren
Solche Gedankenspielchen spielt Emma Aicher ohnehin nicht mit. „Ich fokussiere mich nicht auf Medaillen. Ich versuche mich einfach auf mein Skifahren zu fokussieren.“ Recht hat sie. Und Spaß hat sie: „Ich finde die Team-Kombination ganz cool, weil es diese Team-Stimmung gibt. Es ist schön, wenn man sich zusammen freuen kann.“
So wie bei den Weltmeisterschaften an selber Stelle 2021 (Bronze) und den Olympischen Spielen 2022 in Peking (Silber). Aber ein Mixed-Wettkampf funktioniert ja erstmalig nicht, da die Frauen in Cortina starten und die Männer in Bormio.
Breezy Johnson und Mikaela Shiffrin sind die Favoritinnen
Zählt man eins und eins zusammen, läuft alles normal, dann geht Gold an die USA. Denn da bilden Abfahrtsweltmeisterin Breezy Johnson und die weltbeste Slalomfahrerin Mikaela Shiffrin mit ihren insgesamt 108 Weltcupsiegen ein Team; sie wurden vor einem Jahr in Saalbach-Hinterglemm Weltmeisterinnen in dieser Disziplin. Oder spukt der 30-jährigen Ski-Ikone noch Pleiten-Pech-und-Pannen-Peking mit null Medaillen bei sechs Versuchen durch den Kopf?

Zur schmerzhaften Erinnerung: Beim Team-Event wurde sie Vierte, Neunte im Super-G, 18. in der Abfahrt – im Slalom, Riesenslalom und der klassischen Kombination schied sie aus, zweimal am fünften Tor des ersten Durchgangs. Ein Debakel.
Rekordweltcupsiegerin beweist bei Pressekonferenz Humor
Mikaela Shiffrin nahm die Frage am Samstag im Pressezentrum von Cortina mit Humor, drehte sich zu einem Poster um und sagte: „Danke, dass ihr ein Bild von mir genommen habt, das mich stehend zeigt.“ Es war klar, dass die Frage kommen würde, wie eine Stangenkombination im Slalom bei der man leicht einfädeln kann.
Ernst schob Shiffrin nach: „Ich kann euch sagen: Ich würde Peking jederzeit einem Sturz in Killington mit einer Bauchverletzung vorziehen.“ Beim Heimrennen im November 2024 hatte sie sich bei einem Sturz schwer verletzt, wurde operiert und pausierte zwei Monate.
Lena Dürr muss am Dienstag zuschauen
Bei ihren vierten Spielen werde Mikaela Shiffrin nur im Slalom, Riesenslalom und der Team-Kombination starten. Und gegen die bereits feststehende Slalomweltcupsiegerin wollen die deutschen Trainer lieber Emma Aicher als Lena Dürr starten lassen. „Mikaela ist dieses Jahr einfach ein anderes Level, so konstant“, schwärmt Emma Aicher geradezu. „Wenn sie einen Fehler macht, merkt man am nächsten Tor schon nichts mehr davon. Ich weiß nicht, warum, aber sie ist einfach sooo schnell.“
„Ich weiß nicht, warum, aber Mikaela ist einfach sooo schnell.“
Emma Aicher
Egal, wie die Team-Kombination in der Wiege des italienischen Skisports ausgeht: „Emma ist schon jetzt ein Star auf der olympischen Bühne“, adelte Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, die Hoffnungsträgerin am Sonntag. Wird sie vielleicht sogar so etwas wie das deutsche Maskottchen von Milano Cortina 2026?
Sie könnte mit ihrem schwarz-gelben Olympia-Outfit jedenfalls als Zwilling von Biene Emma, dem Maskottchen von Borussia Dortmund durchgehen. Emma Aicher bleibt in Cortina bienenfleißig: Sie hat noch vier Starts vor sich. Am Donnerstag geht es mit dem Super-G weiter.

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